Wissenschaften

Der lange Weg vom Urknall zum lesenden Menschen

Mit 132 Seiten ist Heinrich Neufelds Buch kein Riesenbrocken, der im Universum auffallen w?rde. Trotzdem ist "Vom Urknall zum Weltall, zur Erde, zu dir" etwas Besonderes, gerade weil es dem Universum gewidmet ist und dieses auf eigene Weise pr?sentiert. Neufeld, langj?hriger Lehrer in K?ln, lag viel daran, diese riesige, unfassbar scheinende Welt popul?r begreifbar zu machen - und das ist ihm ohne Zweifel gelungen. 

Aber es gibt noch ein anderes Merkmal, das dieses Werk von anderen abhebt. Es schildert n?mlich nicht nur den Aufbau des Sonnensystems - das machen andere auch -, sondern es f?hrt auch zu den globalen Bedrohungen und l?sst kulturelle Fragen nicht au?er Acht. Ja, es f?gt sogar Gedichte an, die erkennen lassen, dass hier einer am Werk war, der nicht nur mit Fachwissen, sondern auch mit gro?er Freude den Himmel bestaunt. Das mag an der Quelle liegen - dort, wo der Gro?vater ?ber den gewaltigen Meteoritenabsturz 1908 berichtet hatte, was den Autor offenbar auf die direkte F?hrte ins All brachte. 

Damit der Leser den langen und physikalisch nicht ohne weiteres erfassbaren Weg gl?cklich meistern kann, f?gt Neufeld hilfreiche Bylines - zitatartige Passagen, die erinnern und f?hren - ein. Damit wird der Leser vom Urknall, dieser Ausgangsexplosion, nicht an die Wand gedr?ckt, sondern er liest weiter und findet dann auch - nach aufschlussreichen Details ?ber diesen oder jenen Himmelsk?rper - die Antwort zur Frage nach dem Leben. In Laborversuchen, so erkl?rt Neufeld, habe man nachweisen k?nnen, dass unter den Bedingungen von Wasserstoff und Kohlenmonoxid sich organische Molek?le und Aminos?uren bilden konnten: "Lebewesen sind organisierte genetische Einheiten, die zu Stoffwechsel, Fortpflanzung und Evolution bef?higt sind." Damit hat Heinrich Neufeld zur toten Materie die lebende eingef?hrt, die auf uns selber weist. 

Von diesem Punkt aus erweitert sich das Blickfeld des Lesers: Es ist vom Wachstum die Rede, von ?berbev?lkerung, Erderw?rmung, Infektionen und atomarer Bedrohung. Aber das Buch schlie?t vers?hnlich - mit Gedichten. 

Der Autor hat mit "Vom Urknall zum Weltall, zur Erde, zu dir" ein tats?chlich gut fassbares Buch vorgelegt, in welchem auch viel Gr?ndlichkeit steckt. Die Aussagen hat Neufeld im Detail nachgepr?ft und die Bildquellen sind fein s?uberlich aufgelistet. H?tte man sich das Buch eines Mathematikers und Physikers anders vorstellen k?nnen? 

Das Werk ist einfach, aber ?beraus zweckm??ig illustriert, so dass aus dem Leser ein Betrachter werden kann, der mit dem Aufgenommenem im Kopf auch gerne ans Fenster tritt, um den Abendhimmel vielleicht anders und neu zu erkennen. Erfahrungsgem?? greifen gerade ?ltere Menschen gerne zu solchen B?chern, die ihnen die R?tsel der Welt wenigstens ein St?ck weit n?her r?cken. Diese Leserinnen und Leser werden es dem Autor nicht ver?beln, dass er neben Wissen auch Haltung eingebracht hat - im Gegenteil: ?ltere Menschen suchen und sch?tzen das. 

Ronald Roggen 
28.03.2011

 
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Das Buch:

Heinrich Neufeld: Vom Urknall zum Weltall, zur Erde, zu dir

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Norderstedt: Books on Demand 2010
132 S., 10,90
ISBN: 978-3-8391-8863-7

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