Wissenschaften

Das allerletzte Weltwunder

Leider kann heutzutage niemand mehr die Schönheit der hängenden Gärten der Semiramis in Babylon bewundern oder mit offenem Mund den imposanten Koloss von Rhodos bestaunen. Sechs der sieben Weltwunder der Antike sind im Laufe der Zeit zerfallen, lediglich die Pyramiden von Gizeh erfreuen heute noch die Menschheit. Auf einer Fläche von mehr als 160 Quadratkilometern finden sich einige der bekanntesten und bedeutendsten Pyramiden aus der Pharaonenzeit. So hat die Cheops-Pyramide als höchste Pyramide der Welt mittlerweile mehr als 4.500 Jahre auf dem Buckel. Neben den Pyramiden fasziniert aber vor allem die große Sphinx von Gizeh die Besucher der Anlage.

Der streitbare Zahi Hawass ist als einer der führenden Ägyptologen eine Koryphäe auf seinem Fachgebiet. Vor einigen Jahren hatte er sogar mal einen ägyptischen Ministerposten in Mubaraks Kabinett inne, als Minister für Altertumsgüter. Sein US-amerikanischer Kollege Mark Lehner ist seit mehr als vierzig Jahren mit den Pyramiden und der ägyptischen Geschichte eng verbunden. Über viele Jahre hinweg leitete er Grabungen in Gizeh. Auf dem Gebiet der Ägyptologie und des Wissens um die Pyramiden von Gizeh kann kaum mehr Expertise vereint werden als mit diesen beiden Herren. So ist das vorliegende Buch mit dem naheliegenden Titel "Die Pyramiden von Gizeh" aus der Feder von Hawass und Lehner ein wahrer Glücksfall für jeden Freund antiker Geschichte und der Archäologie.

Bereits im Vorwort wird dem Leser augenscheinlich, welch bedeutendes Werk er vor sich liegen hat. Die Arbeit an diesem Buch hat laut den beiden Autoren insgesamt 42 Jahre angedauert und damit mutmaßlich länger, als die alten Ägypter für den Bau der Cheops-Pyramide benötigten. Im Vorwort folgt ein Abriss über die vielfältigen Tätigkeiten der beiden Autoren, und der Leser erkennt, dass niemand anders dieses Kompendium über die Bauwerke am westlichen Rand des Niltals hätte schreiben dürfen als Hawass und Lehner. Auch ägyptologisch noch unbedarfte Leser werden auf den ersten Seiten sehr gut abgeholt, mit einer anschaulichen Übersichtskarte über das Gelände und einer Zeittafel über die wichtigsten Dynastien wird man rasch in einen Zustand versetzt, die kommenden Kapitel und das darin enthaltene Wissen konsumieren zu können.

"Die Pyramiden von Gizeh" liefern einen allumfassenden Überblick über das Thema. Da werden zeitliche und geschichtliche Aspekte detailliert geschildert, genauso auch die architektonischen im Kontext der damaligen Gegebenheiten. Natürlich geben die beiden Forscher Hawass und Lehner einen Einblick in die Forschungsgeschichte der Pyramiden von Gizeh. Die bedeutendsten Bauwerke wie die drei großen Pyramiden oder die Sphinx werden in eigenen Kapiteln genauestens unter die Lupe genommen. Interessante Einblicke erhält der Leser in das Leben derjenigen, die damals mit menschlicher Kraft Stein auf Stein setzten, um diese Bauten zu erschaffen, die heute noch die Menschheit in ihren Bann ziehen. Geschlossen wird das vorliegende Buch mit einem Nachwort zum aktuellen Forschungsstand, da während der Zeit, in der das Buch entstanden ist, die Wissenschaft weitere Fortschritte hingelegt und neue Entdeckungen gemacht hat.

Mit knapp einhundert Euro hat der wuchtige Wälzer mit mehr als 550 Seiten zwar einen stattlichen Preis, aber man kann sich sicher sein, dass man mit diesem Buch richtig zugegriffen hat, denn es gibt auf dem Markt garantiert kein besseres Buch zu diesem Thema. Faszinierend ist vor allem der Umstand, dass mit "Die Pyramiden von Gizeh" sowohl Experten als auch schlicht historisch interessierte Menschen bedient werden. Es besticht darüber hinaus durch phantastische Bilder und Aufnahmen, die in einem gesunden Verhältnis zwischen Text und Bild die geschriebenen Passagen anschaulich machen. Hawass und Lehner ist es gelungen, ihre kindliche Freude über das Erforschen von Jahrtausende alten Bauten in ein Buch zu übertragen, das den Leser teilhaben lässt an der Erforschung des letzten noch existierenden Weltwunders der Antike. Und garantiert wird nach dem Studium dieses Werks der eine oder andere einen Besuch von Gizeh noch auf die To-do-Liste seines Lebens setzen.

Christoph Mahnel
22.01.2018

 
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Das Buch:

Zahi Hawass, Mark Lehner:
Die Pyramiden von Gizeh. Aus dem Englischen von Martina Fischer, Dr. Renate Heckendorf und Dr. Cornelius Hartz

Bild: Buchcover Zahi Hawass, Mark Lehner, Die Pyramiden von Gizeh

Darmstadt: Verlag Philipp von Zabern 2017
560 S., € 99,95
ISBN: 978-3-8053-5105-8

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