Hrbcher

Spurloses Verschwinden einer Elefantenforscherin

Die dreizehnjährige Jenna wächst bei ihrer Großmutter auf, nachdem ihre Mutter Alice bei einem Vorfall in einem Elefantenschutzgebiet spurlos verschwunden ist und ihr Vater seitdem in einer Klinik für psychisch Kranke sein Dasein fristet. Zusammen mit ihren Eltern und drei weiteren Pflegern hat Jenna bis zu jenem denkwürdigen Tag in dem Elefantenschutzgebiet, in dem Alice ihre Studien über das Trauern von Elefanten betrieben hat, gelebt. Nicht nur das Aufwachsen ohne Eltern nagt an Jenna, die eine Einzelgängerin ist, sondern auch die Frage, ob ihre Mutter sie freiwillig zurückgelassen hat oder ob sie womöglich dazu gezwungen wurde, ihre Familie und ihr komplettes bisheriges Leben hinter sich zu lassen.

Ohne das Wissen ihrer Großmutter macht die Dreizehnjährige sich auf die Suche nach ihrer Mutter. Das Medium Serenity, die ehemals in einer TV-Show Kontakt zu Toten und Vermissten aufgenommen hat, und der ehemalige Ermittler Virgil, der seinerzeit an der Untersuchung des Falls beteiligt war, helfen ihr bei der Suche - wenn auch zunächst nur widerwillig. Beide haben nicht ganz uneigennützige Gründe für ihre Hilfe und verfolgen ganz unterschiedliche Theorien. Ist Alice verschwunden, weil sie diejenige war, die die Pflegerin, die am Tag von Alices Verschwinden tot im Elefantenschutzgebiet gefunden wurde, umgebracht hat, oder hatte Jennas Mutter etwa eine Affäre mit dem Pfleger und kam es deshalb zu einem heftigen Streit zwischen ihr und Jennas Vater? 

Jodi Picoult bleibt auch bei ihrem neuesten Roman dem Prinzip treu, eine Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu erzählen und so den Leser über verschiedene Perspektiven, Motive und Meinungen an den Fall heranzuführen. "Die Spuren meiner Mutter" wird aus vier Perspektiven erzählt: Jennas, Alices, Serenitys und Virgils. Der Wechsel wird dem Hörer der gekürzten Hörbuchausgabe, die im mp3-Format erschienen ist, durch den Sprecherwechsel erleichtert. Die junge Jenna wird von Leonie Landa, Alice von Barbara Auer, Serenity von Ulrike Johannson und Virgil von Erik Schäffler gesprochen. Dieser Perspektivenwechsel ist es aber auch, der einen als Hörer trotz der helfenden stimmlichen Wechsel immer wieder absolute Aufmerksamkeit abverlangt und das erneute Eindenken ins Geschehen unabdingbar macht.

Picoult arbeitet nicht nur mit Perspektivenwechsel, sondern auch mit vielen Rückblenden, die die Zeit vor dem Tod der Pflegerin und dem Verschwinden von Alice beleuchtet. So kommt auch Alice zu Wort und erzählt von ihren Forschungen in Afrika und der Zeit, als sie ihren Mann Thomas kennengelernt hat. Dabei lässt Picoult auch die wissenschaftliche Seite eine Hauptrolle in ihrem Roman einnehmen. Sie lässt Forschungsergebnisse über Elefanten, ihr Leben in Herden und die Beziehungen zwischen einer Elefantenkuh und ihren Kindern einfließen.

Wer Jodi Picoult und ihre Bücher kennt, wird nicht überrascht sein, dass sie auch in "Die Spuren meiner Mutter" wieder ein Ende findet, das man so vielleicht nicht erwartet hat. Ein großartiges Sprecherensemble und eine Geschichte mit vielen Rätseln - kurz: zehneinhalb Stunden beste Unterhaltung - das verspricht die Hörbuchfassung von Picoults neuestem Werk.

Sabine Mahnel
12.09.2016

 
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Das Buch:

Jodi Picoult: Die Spuren meiner Mutter. Aus dem Amerikanischen von Elfriede Peschl

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Sprecher: Barbara Auer, Leonie Landa, Ulrike Johannson, Erik Schffler
Mnchen: Der Hrverlag 2016
Spieldauer: 621 Min., 19,99
ISBN: 978-3-8445-2331-7

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