Hrbcher

Eine berdosis Stephen King

In den Vereinigten Staaten bricht sich durch menschliches Versagen ein von Menschenhand gezüchtetes Virus, das ursprünglich als militärische Waffe gedacht war, aus einem Seuchenzentrum den Weg hinaus in die Welt. Die Menschheit hat kaum Überlebenschancen, so dass innerhalb kürzester Zeit nahezu die komplette Bevölkerung dahingerafft wird. Die Welt kommt beinahe vollständig zum Erliegen, doch wenige tausend Menschen, die immun gegen das Virus sind, überleben und verbleiben in einer apokalyptischen Welt.

Alle Überlebenden besitzen eine besondere Gemeinsamkeit. Schon seit jeher haben sie sehr lebhafte Träume, insbesondere sind es zwei ganz bestimmte Träume, die sie immer wieder aufsuchen. Während die einen den Alptraum von einer bösen Gestalt namens Randall Flagg, dem sogenannten Dunklen Mann, durchleben, werden die anderen in ihren Träumen von einer alten schwarzen Frau namens Mutter Abigail eingeladen, sie zu besuchen. Diese Träume teilen den Rest der Menschheit auf in die Guten und die Bösen. Die Guten machen sich auf die Suche nach Mutter Abigail, während sich die Bösen von Randall Flagg angesprochen fühlen. Beide lotsen ihre Jünger über die Träume zu sich.

Im Vorwort des vorliegenden Hörbuchs führt der Autor Stephen King aus, dass man ihn anno 1978 als damals noch wenig bekannten Schriftsteller verlagsseitig dazu gezwungen hatte, sein Buch "The Stand – Das letzte Gefecht" von über tausend Seiten um etwa vierhundert Seiten zu kürzen, da man nicht glaubte, dass sich ein Buch dieses Umfangs gut verkaufen ließe. Nachdem King allerdings mit mehreren Bestsellern zu einem der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart wurde, war die Nachfrage nach einem "Director's Cut" dieses Werks groß, so dass man im Jahre 1990 dann erstmals die vollständige Ausgabe veröffentlichte.

David Nathan – Der Marathon-Mann

Die vorliegende Lesung von Stephen Kings "The Stand" wird von David Nathan zelebriert. Der bekannte Hörbuchsprecher liest über mehr als 54 Stunden lang die ungekürzte Version besagter Langfassung von Stephen Kings Meisterwerk. Als Haus- und Hofvorleser der deutschen Hörbuchausgaben des amerikanischen Starautors ist Nathan seit Jahren gesetzt und erfolgreich. Im vorliegenden Fall ist nicht nur seine unglaubliche Ausdauerleistung zu loben, sondern zeigt er bei seiner Lesung auch wieder einmal sehr viel Einfühlungsvermögen in die Geschichte und glänzt durch eine perfekte Intonation der zahlreichen Charaktere, die von ihm hervorragend unterscheidbar gesprochen werden. Als Hörer weiß man, dass man eine solch epische Erzählung kaum durchhielte, wenn die Leistung des Sprechers nicht außergewöhnlich wäre. Man fragt sich natürlich, wie Nathan sich auf der Wegstrecke durch den dicken Wälzer immer wieder motivieren konnte und die Lesung über diesen scheinbar ewigen Zeitraum vorantreiben konnte, ohne dass beim Hörer auch nur ein Funken Langeweile entsteht.

King hat in "The Stand" eine verlassene Welt geschaffen, in der sich zwei verschiedene Gruppierungen im Laufe der Geschichte formieren. Großstädte wie New York sind zwar noch komplett ausstaffiert, jedoch völlig entvölkert. Es gibt keinen Strom und kein Wasser mehr, doch dienen die vollen Geschäfte als Selbstbedienungsläden. Die Straßen sind mit Autos verstopfte und diese mit Leichen besetzt. Es herrscht Apokalypse pur in Kings Amerika!

Der Autor spart nicht mit unterschwelliger Kritik an Mächtigen und der Gesellschaft. So versuchen sich Armee und Regierung in Vertuschung, wollen die Seuche runterspielen und das Ausmaß kleinreden, indem sie angebliche, aber gar nicht existente Impfstoffe ins Feld führen, um den Mob zu beruhigen. Sämtliche Statussymbole der Menschen, die vor dem Ausbruch der Seuche noch große Bedeutung hatten, werden innerhalb weniger Tage völlig wertlos. Stattdessen strebt der Mensch in seinem Überlebensdrang einzig und allein nach Gesellschaft, schließlich ist er ein Herdentier, das sich mit Artgenossen zusammenrotten möchte. So schlagen sich die einzelnen Überlebenden auf eigene Faust durch und klammern sich an Lebenszeichen anderer Überlebender.

King führt die verstreuten Charaktere dank ihrer Träume allmählich zusammen. Doch sobald sich kleinere Gruppierungen gebildet haben, schlägt umgehend die Selbststrukturierung des Menschen durch, der sofort Gremien oder Komitees bilden möchte. Während die Freie Zone der guten Menschen versucht, eine demokratische Zivilisation zu errichten, operiert Randall Flagg hingegen mit Angst und Schrecken als Mittel der Züchtigung. "The Stand" enthält sehr viel Theorie über den Menschen und die Gesellschaft, darüber wie Automatismen entstehen, die zwischen den Menschen zu existieren scheinen. Welche Organisationsform wird schließlich überleben? Der sich abzeichnende Showdown zwischen Gut und Böse steht nämlich unmittelbar bevor.

"The Stand" ist ein King-Klassiker aus dessen früher Schaffenszeit. Doch enthält es bereits einige Muster, die auch in nachfolgenden Werken zu beobachten sind. Seine strikte Einordnung in Gut und Böse tritt beispielsweise später auch in "Es" deutlich zutage. Der Hörer ist im vorliegenden Fall fasziniert, wie detailliert, aber dennoch rasant King die Ausbreitung des Virus beschreibt. Nach einem mehr als zwei Tage netto andauernden Hörmarathon ist man zwar körperlich ein wenig ausgelaugt, doch derart begeistert von diesem Werk, dass man persönlich Lübbe Audio für diese Neuauflage in Form einer ungekürzten Lesung auf insgesamt sieben mp3-CDs einfach nur Danke sagen möchte.

Christoph Mahnel
21.07.2014

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Stephen King: The Stand - Das letzte Gefecht

CMS_IMGTITLE[1]

Sprecher: David Nathan
Kln: Lbbe Audio 2014
Spielzeit: 3263 Min., 14,99
ISBN 978-3-785-74956-2

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.