Hrbcher

Schrder und Zorn zum Dritten

Ein höchst ungewöhnliches Ableben beschäftigt die beiden Ermittler Zorn und Schröder. Der Bankangestellte Meinolf Grünberg hat sich beim scheinbar suizidalen Sprung von einer Brücke im freien Fall zusätzlich noch erschossen. Wollte hier ein Selbstmordkandidat etwa ganz auf Nummer sicher gehen? Kurz darauf verschwindet ein Richter spurlos. Im Zuge der Ermittlungen gerät Schröder mit seinem neuen Auto in eine Massenkarambolage, dessen Verursacher trotz Verletzung ebenfalls von der Bildfläche verschwindet.

Innerhalb kürzester Zeit hat Claudius Zorn somit drei vermeintlich unabhängige Fälle auf dem Schreibtisch und mit Schröder den Mann fürs Arbeiten im Krankenhaus liegen. Schließlich erhält er dann auch noch einen mysteriösen, vor allem weil anonymen Hinweis, dass die drei Fälle ganz sicher in einem Zusammenhang stehen. Glücklicherweise nimmt Schröder seine Arbeit umgehend wieder auf, so dass sich die beiden auf die Jagd begeben können, um die drei Fälle in Einklang zu bringen. Schnell führt eine Spur zu einem ehemaligen Prozess, in den die drei Betroffenen verwickelt waren. Es bleibt natürlich noch die ungeklärte Frage nach dem anonymen Informanten. Liegt hier etwa der Schlüssel zur Aufklärung des Falles?

Stephan Ludwig schickt mit "Zorn - Wo kein Licht" das ungleiche Ermittlerduo bereits zum dritten Mal ins Rennen. Leser und Hörer sind sehr erfreut darüber, dass nach den beiden ersten Erfolgen "Zorn - Tod und Regen" und "Zorn - Vom Lieben und Sterben" aus dem vergangenen Jahr schon wieder ein Fall durch die beiden zu lösen ist. Auch dieses Mal brilliert der Autor mit einer sehr gut durchdachten und spannend konzipierten Story, bei der man zwar rasch eine Ahnung hat, aber von der Aufklärung letztlich doch überrascht wird.

Die Zorn-Romane aus der Feder Stephan Ludwigs leben jedoch nicht primär von der Spannung des zugrundeliegenden Kriminalfalls, sondern vor allem von den beiden grandios gezeichneten Charakteren und deren humorvollem Zusammenspiel. Da wäre zum einen mit Zorn ein cooler Typ, der mit leicht zynischen Zügen ausgestattet ist, tendenziell als Miesmacher und Schwarzmaler fungiert, jedoch einen echten Instinktbullen verkörpert. Zum anderen kommt mit seinem Partner, dem dicken Schröder, das absolute Gegenteil daher: der hart arbeitende Aktenjunkie, der alles in Ordnung hält und bringt und so manches Mal als der heimliche Held der Ermittlungen im Hintergrund die entscheidenden Fäden zieht.

Das Verhältnis zwischen den beiden Ermittlern wird von Stephan Ludwig auch in "Zorn - Wo kein Licht" wieder besonders betont. Schließlich macht genau dieses Element diese Serie so liebenswert. Ludwig präsentiert keine aus dem Ei gepellten Kommissare oder gar ein Bilderbuch-Ermittlerpaar. Seine Romane sind dank der Spleens der beiden Protagonisten hochgradig unterhaltsam. Ohne die gebotene Ernsthaftigkeit eines Krimis aus den Augen zu verlieren, wartet man förmlich auf die nächste bizarre Szene oder den nächsten witzigen Dialog. Selbst die ernsteste Lage wird garantiert durch irgendwelche Gedanken und Aussprüche Zorns derart aufgelockert, dass man sogar bei einem ernsten Kriminalroman beständig ein Lächeln auf den Lippen trägt.

Die vorliegende Hörbuchfassung besticht zunächst einmal durch Kontinuität beim Sprecher: Wie schon bei den beiden Vorgängerromanen fungiert David Nathan als Sprecher. Die deutsche Stimme von Johnny Depp liest knapp achteinhalb Stunden lang. Auch ihm scheint es der neueste Roman Stephan Ludwigs angetan zu haben. David Nathan hat sich bei der vorliegenden Lesung richtig ins Zeug gelegt und dreht zu Höchstform auf, so dass er zwischenzeitlich sogar ins Singen gerät. Er versteht es, die verschiedenen Charaktere perfekt auseinanderzudividieren, indem er ihnen mit seiner wandlungsfähigen Stimme eindeutige Identitäten verschafft. Darüber hinaus passt er seine Stimme noch erkennbar dem jeweiligen emotionalen Befinden der Figuren an.

Ein großes Rätsel begleitet Leser und Hörer der Zorn-Romane bereits seit Beginn der Serie. Während andere Krimis offensiv mit der Stadt bzw. der Gegend werben, in der sie spielen, lässt Ludwig diese Frage bewusst offen. Man mutmaßt ob einiger Indizien und der Herkunft Stephan Ludwigs mittlerweile, dass es sich bei der Stadt, in der Zorn und Schröder ihre Fälle lösen, um Halle an der Saale, den Wohnort des Autors, handelt. Jedoch wird Leser bzw. Hörer letztlich vor allem eine Frage bewegen, nämlich die nach der Fortsetzung. Eingedenk der bisherigen Produktionsfrequenz Stephan Ludwigs dürfte nicht viel Zeit verstreichen, bis der vierte Zorn-Roman vorliegen sollte. Und das wäre gut so!

Christoph Mahnel
02.09.2013

 
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Das Buch:

Stephan Ludwig: Zorn - Wo kein Licht

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Sprecher: David Nathan
Berlin: Argon Verlag 2013
Spielzeit: 503 Min., 19,99
ISBN: 978-3-8398-1256-3

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