Hrbcher

Von der Antike in die Gegenwart

Die Geschichte der antiken Stadt Pompeji ist weithin bekannt. Im Jahre 79 n.Chr. sorgte ein Ausbruch des Vesuvs dafür, dass Pompeji und angrenzende Städte unter meterdicken Schichten von Asche begraben wurden. Soweit die Fakten. Eugen Ruge hat diese historischen Fakten als Ausgangspunkt für seinen neuen Roman "Pompeji" genutzt. Doch mehr als eine Hintergrundhandlung ist die Geschichte der italienischen Stadt nicht. Genauso wenig ist das neueste Werk des studierten Mathematikers, Drehbuchschreibers und Träger des Deutschen Buchpreises 2011 ein historischer Roman. Es ist vielmehr ein Gleichnis, das bestimmte Verhaltensweisen in Gesellschaft und Politik aufzeigen und die Zeitlosigkeit dieser betonen möchte.

Hauptfigur dieser Parabel ist der mäßig talentierte, Jowna, alias Josephus, alias Josse, der sich von ganz unten bis zum Magistratskandidaten Pompejis hocharbeitet bzw. günstige Gelegenheiten nutzt und zum sprichwörtlichen Wendehals wird.

In den Jahren und Monaten vor dem verheerenden Vulkanausbruch mehren sich die Anzeichen für die Katastrophe, die keiner sehen möchte. Nur eine kleine Gruppe eines Vogelschutzvereins glaubt an die Vorhersagen eines Bergbauspezialisten und baut eine Siedlung an der Küste auf, die so gelegen ist, dass ein Vulkanausbruch ihr nicht schaden könnte. Dieser Aussteigertruppe schließt auch Josse sich an und beginnt dort mit seinen ersten, noch sehr wenig ausgefeilten rhetorischen Gehversuchen. Er konstatiert nämlich, dass es doch geschickter sei, dass die Menschen sich von diesem Berg wegbewegen, denn der Berg bzw. Vulkan werde es sicher nicht tun.

Im Laufe der Handlung jedoch ändert Josse seine Meinung. Man müsse sich an das Leben mit dem Vulkan eben gewöhnen, Flucht sei keine Lösung. Sein Dilemma: Wie bringe ich diesen radikalen Wechsel meinen Anhängern bei? Hilfe erhält er dabei von der reichen und einflussreichen Livia, Gattin des noch amtierenden Oberhauptes der Stadt Pompeji. In Sachen Rhetorik und Manipulation ist sie eine wichtige Lehrerin Josses - nicht zuletzt auch in Sachen Erotik.

Die Geschichte von Josse, seinem kometenhaften Aufstieg inklusive Verrat all seiner Ideale wird von einem namenlosen Chronisten erzählt, der sie auf 18 Schriftrollen aufgeschrieben und in einer Amphore für die Nachwelt aufbewahrt hat. Bei all den absurden und lustigen Momenten, die vergleichbar mit vielen aktuellen Situationen in unserer Gesellschaft und Politik sind, bleibt die Erzählung dennoch oberflächlich und man muss sich gerade bei der Hörbuchversion oft gedanklich wieder zurückholen zum Geschehen. Dies ist jedoch in keinem Fall dem meisterhaften Vortrag von Ulrich Noethen geschuldet, der sich als Hörbuchsprecher schon zigfach verdient gemacht hat - auch als Sprecher vorheriger Ruge-Romane.

"Pompeji" ist für all diejenigen das Richtige, die keinen historischen Roman erwarten und aus all den vagen Andeutungen und vielleicht auch Anspielungen auf die heutige Zeit ihre eigenen Schlüsse ziehen möchten. Es müsste auch nicht zwangsläufig die Katastrophe von Pompeji sein, die als Leinwand für Eugen Ruges Roman fungiert. Jede andere Katastrophe, deren Ausgang bekannt ist, hätte auch ihren Zweck erfüllt. Pompeji ist natürlich ein Extra-Schmankerl für alle ehemaligen Lateinschüler und Fans der römischen Antike.

Sabine Mahnel 
17.07.2023

 
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Das Buch:

Eugen Ruge: Pompeji

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Sprecher: Ulrich Noethen Berlin: Argon Verlag 2023 Spielzeit: 630 Min., 25,00 ISBN: 978-3-8398-2018-6

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