Hrbcher

Crime-Time der einsamsten Spitzenklasse, und die auch noch in genialster Agatha-Christie-Manier

In der Sûreté von Montréal herrscht Weihnachtsstimmung. In alter Tradition begeht Inspektor Armande Gamache den zweiten Feiertag in seinem Büro. Wie jedes Jahr blättert er durch die Akten ungelöster Fälle; in der Hoffnung, doch noch auf einen entscheidenden Hinweis zu stoßen. Der etwas spezielle Brauch wird unterbrochen, als ein Todesfall den Polizeichef von Quebec zurück in die Gegenwart holt: Im tief eingeschneiten Dörfchen Three Pines ist die spirituelle Cecilia de Poitiers durch einen Stromschlag beim alljährlichen Curling-Wettbewerb ums Leben gekommen. Schnell ahnt Gamache, dass es sich dabei nicht um einen Unfall handelt. Also stellt er sich erneut den verschwiegenen Bewohnern des vermeintlich friedlichen Dorfes. Gamache stößt auf eine Mauer des Schweigens. Niemand will etwas von dem tragischen Tod bemerkt haben.

Die Tote wurde anscheinend von allen gehasst, einschließlich ihrem Ehemann, Geliebten und ihrer Tochter. Gamache hat zu kämpfen: Er muss herausfinden, welcher der Verdächtigen nicht nur ein Motiv hat, sondern zudem den Mut, diese Tat durchzuziehen. Dann kommt ein mutmaßlicher Zeuge bei einem "Unfall" ums Leben. Gamaches Ermittlungen geraten in eine Sackgasse. Die Suche nach dem Mörder von Cecilia de Poitiers erweist sich als noch weitaus schwieriger als die nach der Nadel im Heuhaufen. Doch Gamache gibt nicht auf. Das ist er dem Opfer schuldig. Was er herausfindet, steht im Zusammenhang mit dem jüngsten Mord an einer Obdachlosen sowie mit der Vergangenheit mehrerer anderer Dorfbewohner. Nach und nach bringt Gamache das eine oder andere dunkle Geheimnis ans Licht und sich selbst in ziemlich schlimme Schwierigkeiten ...

Die Romane von Louise Penny sind das Beste vom Besten in jedem Bücherregal - oder noch besser: in jedem CD-Player. Denn diese bedeuten Krimikunst auf höchstem Niveau. Die Fälle für Armand Gamache sind spannend, spannender, am spannendsten bis zur letzten Spielminute. Wenn dann auch noch ein Hans-Werner Meyer "Tief eingeschneit" liest, haut es einen glatt vom Hocker. Ob der knapp zehn Stunden Laufzeit verschlägt es einem den Atem. Seine Lesungen sind einfach nur der Wahnsinn. Sie verlangen einem alles ab, bringen einen sogar gefährlich nah an einen Herzinfarkt. Mit diesen erfährt man Unterhaltung, wie sie mörderischer nicht sein kann. Der deutsche Schauspieler hat's verdammt genial drauf. Seine Interpretationen zeugen von der Genialität eines Ausnahmetalents wie Dietmar Wunder und weniger anderer. Chapeau, vor seinem Können!

Chefinspektor Armand Gamache gehört zu den genialsten Ermittlern in der (kanadischen) Krimiliteratur. Seine Fälle sind definitiv nicht zu toppen, vor allem nicht an Spannung und ermittlerischer Raffinesse. Diese sind das Nonplusultra in jedem CD-Player. Mit "Tief eingeschneit" gelingt Autorin Louise Penny ein absolutes Thrillerhighlight für die Ohren. Sprecher Hans-Werner Meyer liefert am Mikrofon einmal mehr eine unschlagbar grandiose Meisterleistung ab. Ihm lauscht man in noch nie zuvor dagewesener Ekstase. Seine Lesungen haben die Wirkung von Drogen: machen nämlich hochgradig süchtig und berauschen noch weitaus mehr als Heroin und Kokain zusammen. Also, unbedingt Vorsicht!

Susann Fleischer 
18.11.2019

 
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Das Buch:

Louise Penny: Tief eingeschneit. Aus dem kanadischen Englisch von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck

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Sprecher: Hans-Werner Meyer Berlin: Der Audio Verlag 2019 Spielzeit: 580 Min., 19,99 ISBN: 978-3-7424-1203-4

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