Hörbücher

Die Rückkehr des Kängurus

Als vor knapp zehn Jahren ein Känguru vor der Wohnungstür des Berliner Kabarettisten Marc-Uwe Kling stand und um ein paar Eier für einen Eierkuchen bat, war die deutsche Comedy-Welt um eine Attraktivität reicher: Das Känguru war geboren! Da Marc-Uwe Kling einige sehr gute Ideen auf Lager hatte, wurde aus den anfänglich beim Berliner Radiosender Fritz gespielten Podcast-Beiträgen schließlich eine ganze Trilogie: Nach dem Auftakt "Die Känguru-Chroniken" im Jahre 2009 folgten im Abstand von zwei bzw. drei Jahren noch "Das Känguru-Manifest" und "Die Känguru-Offenbarung". Doch war der Erfolg der grandiosen Dialoge zwischen dem Autor und seinem Alter Ego so überwältigend, dass eine Fortsetzung unausweichlich war.

"Die Känguru-Apokryphen" lautet der Titel des soeben erschienenen Nachklapps zur Trilogie. Um den potentiellen Vorwurf des Kängurus, ein geldgieriger Kapitalist zu sein, zu entkräften, deklariert der Autor dieses Werk als Bonusmaterial außerhalb des eigentlichen Känguru-Kanons. Eine Trilogie sei schließlich eine Trilogie, da könne es keinen vierten Teil geben. Kling gibt hier insgesamt 33 neue Känguru-Geschichten zum Besten, dazu noch alle weiteren Känguru-Episoden, die außerhalb der Trilogie in anderen Programmen veröffentlicht worden waren. Marketingtechnisch bewirbt Kling seine Apokryphen als Sensationsfund von Germanisten und Archäologen und bettet dies zugleich in einen weit zurückreichenden historischen Kontext ein. Nun gut, die Geschichten vom Känguru sind eigentlich per se ein absoluter Knaller, so dass sie einen solchen Schnickschnack drum herum prinzipiell nicht nötig hätten.

Sowohl die Känguru-Trilogie als auch "Die Känguru-Apokryphen" liegen als Bücher und Hörbücher vor. Doch fragt man sich als begeisterter Hörer der ungekürzten Live-Mitschnitte, wie denn die gedruckten Stories rund um das vorlaute Beuteltier in Buchform mit den Audio-Fassungen mithalten können. Sei es drum, die Hörausgabe der neuesten Zusammenstellung von Marc-Uwe Kling umfasst dieses Mal vier CDs mit knapp viereinhalb Stunden Laufzeit. Von Anfang an ist der Hörer sogleich wieder im komödiantischen Tunnel und nimmt seine Umwelt fortan nur noch bedingt wahr, wenn er den witzigen und gleichsam intelligenten Geschichten mit Marc-Uwe und dem Känguru lauscht. So kann es gut und gerne vorkommen, dass sich Passanten auf der Straße oder Autofahrer an der Ampel belustigt nach einem umdrehen werden, wenn man sich wieder einmal mit Stöpseln im Ohr vor Lachen kaum noch einkriegt.

Gleich die erste Episode hält ein absolutes Highlight bereit. Das Känguru schlägt nämlich Marc-Uwe ein neues Spiel vor: "Open-Schnick", eine Freestyle-Variante des altbekannten Schnick-Schnack-Schnuck oder Stein, Schere, Papier. Dabei formen die beiden Mitspieler beliebige Symbole nach Wahl, und am Ende wird ausdiskutiert, wer gewonnen hat. Diejenigen, die das Känguru bereits kennen, erahnen schon, dass dieses Spiel ob der Kreativität des Kängurus ein Feuerwerk an Lachern bereithält. Auch verwundert es niemanden, dass das Känguru beim Trivial Pursuit - ergänzt um die Regel, dass besonders witzige Antworten auch als richtig erachtet werden - einen glatten Durchmarsch in Rekordzeit hinlegt.

Ansonsten sind natürlich auch wieder die meisten der bekannten Freunde an Bord: Herta, die Kneipenwirtin, der etwas dümmliche Krapotke, Friedrich-Wilhelm und weitere Mitstreiter des asozialen Netzwerks, der vom Känguru gegründeten Anti-Terror-Organisation. Lediglich der Pinguin wird abgestraft und dieses Mal mit keiner Silbe erwähnt. Kling versteht es ganz vorzüglich, übergreifende Bezüge einzubauen, sei es über mehrere Geschichten innerhalb der Apokryphen hinweg oder gar zurück zu alten Episoden aus der Trilogie. "Die Känguru-Apokryphen" sind nichtsdestotrotz auch für Neueinsteiger geeignet, die sich anschließend auf die Vorgänger stürzen werden, während der alteingesessene Känguru-Fan glücklich sein wird, sich an neuen Geschichten laben zu dürfen.

Man darf gespannt sein, wie Marc-Uwe Kling, dessen Känguru garantiert auch in Zukunft keine Ruhe geben wird, kommende Werke mit seinem Beuteltier auf den Markt zu bringen gedenkt. Am besten möge er eine neue Trilogie oder was auch immer eröffnen und die Menschheit mit den linksradikalen Ansichten eines australischen Tieres zum Lachen bringen.

Christoph Mahnel
05.11.2018

 
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Das Buch:

Marc-Uwe Kling:
Die Känguru-Apokryphen

Bild: Buchcover Marc-Uwe Kling, Die Känguru-Apokryphen

Sprecher: Marc-Uwe Kling
Hamburg: Hörbuch Hamburg 2018
Spielzeit: 261 Min., € 14,00
ISBN: 978-3-95713-149-2

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