Bildbnde

"Der Dicke"

Er ist einer von nur sechs Ehrenspielführern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und dabei der einzige, der nie Weltmeister wurde. 16 Jahre lang streifte er sich das Trikot mit dem Adler über und gar 19 Jahre lang dasjenige mit der Raute, welches er nie gegen ein anderes Trikot eintauschen wollte. Uwe Seeler war einer der besten deutschen Mittelstürmer aller Zeiten, ein unermüdlicher Kämpfer für seine Mannschaft, eine treue Seele und Vorbild für Millionen Menschen. Dreimal wurde "Uns Uwe" als Fußballer des Jahres in Deutschland ausgezeichnet, mit seinem HSV konnte er 1960 eine Meisterschale in die Höhe stemmen, dazu drei Jahre später noch den DFB-Pokal. Auch wenn es bei seinen vier teilweise ikonischen WM-Auftritten nie zum ganz großen Triumph reichte, ist Uwe Seeler auch für nachfolgende Generationen immer noch einer der größten deutschen Fußballer.

Geboren wurde Uwe Seeler 1936 in Hamburg als Sohn von Erwin Seeler, einer Hamburger Stürmer-Legende aus der Vorkriegszeit. Fußball war stets Uwe Seelers Leben und schon früh deutete sich an, dass es der junge Angreifer zu etwas bringen sollte. Seine Debüts in der Seniorenmannschaft beim Hamburger Sport-Verein sowie in der deutschen A-Nationalmannschaft feierte er bereits im Alter von 16 bzw. 17 Jahren. Tore erzielen konnte Seeler mit allen Körperteilen, mit seiner Spielweise, alles zu geben und unermüdlich zu rackern, traf er im Nachkriegsdeutschland den Nerv der Begeisterung. Lebenslange Achtung erfuhr Seeler schließlich ob seiner Weigerung, nach Italien zu gehen. Inter Mailand hatte alles in Hamburg aufgefahren, um Seeler über die Alpen zu locken, ein damals unvorstellbares Handgeld lag in einem Koffer vor ihm, sein monatliches Salär hätte ein Vielfaches seines Verdienstes beim HSV betragen. Doch Seeler widerstand und blieb seinem HSV bis zum Ende treu.

Gut ein Jahr nach Seelers Tod im Alter von 85 Jahren ist nun ein phantastischer Bildband über "Uns Uwe" erschienen. Ein quadratischer Wälzer aus dem Verlag Die Werkstatt fast ausschließlich mit Schwarzweiß-Aufnahmen würdigt angemessen die einzigartige Karriere von Uwe Seeler. Verantwortlich für dieses Schwergewichtsbuch zeichnen Otto und Thomas Metelmann. Vater Otto war ein bekannter Hamburger Fotograf in der Nachkriegszeit, so kreuzten sich natürlich auch seine Wege vielfach mit denen von Uwe Seeler. Als Fotograf für den "kicker" weilte er bei einigen Fußball-Weltmeisterschaften, doch 1970 kurz nach dem Turnier in Mexiko verstarb Otto Metelmann. Die Agentur des Vaters übernahm daraufhin Sohn Thomas und baute diese über die Jahre hinweg sukzessive aus. Das Fotomaterial des Vaters und das Know-How des Sohnes führten nun zu dem vorliegenden Bildband, bei dem man aus dem Staunen nicht herauskommt.

Angereichert wurde "Uwe Seeler: Ikonische Bilder eines Idols" durch einige kurze Textpassagen und ein Essay über Uwe Seeler aus der Feder von Christian Krug, selbst ehemaliger Chefredakteur des "Stern" und Sohn von Gerd Krug, einem langjährigen Mitspieler von Uwe Seeler beim HSV. So kann Krug ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und man erfährt dabei, dass Seeler zwar für alle "Uns Uwe" war, doch in Fußballerkreisen vor allem als "der Dicke" bekannt war. Mithilfe einiger Kapitel wurde das vorliegende Buch strukturiert, einerseits durch die drei Jahrzehnte, in denen Seeler fußballerisch wirkte, um zeitliche Aspekte zu berücksichtigen, und andererseits durch seine bedeutendsten Eigenschaften als Hamburger, Nationalspieler und Arbeiter. Doch letztlich taucht man als Leser ein in einen einzigen Fluss aus Bildern und den diesen innewohnenden Emotionen.

Neben vielen spektakulären Aufnahmen, die Uwe Seeler in Aktion zeigen, wie er schräg in der Luft liegend versucht, Fuß, Kopf oder was auch immer, an den Ball zu bekommen, besticht das Buch durch ein breites Spektrum an Bildern. So werden gekonnt die Zuschauer eingefangen, die ihr Idol zu Gesicht bekommen wollen, und damit ganz nebenbei der damalige Zeitgeist. Man trifft Seeler auch abseits des Platzes an, im Privaten oder im Ausgehanzug mit Mannschaftskameraden. Wenn man Bilder von Seeler nach dem Spiel in der Umkleidekabine betrachtet, wird deutlich, dass er wieder einmal weder sich noch seine Gegner geschont hat und dabei mindestens den gesamten gegnerischen Strafraum gepflügt und beackert hat. "Uwe Seeler. Ikonische Bilder eines Idols" gehört in den Bücherschrank eines jeden Liebhaber des runden Leders, da sich damit viele nostalgische Stunden mit einem der bedeutendsten Vertreter dieses Spiels verbringen lassen.

Christoph Mahnel 
30.10.2023

 
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Das Buch:

Otto Metelmann, Thomas Metelmann: Uwe Seeler. Ikonische Bilder eines Idols

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Bielefeld: Verlag Die Werkstatt 2023 256 S., 68,00 ISBN: 978-3-7307-0676-3

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