Romane

Ein Debüt voll schönstem Leseglück, eines der großen Lesehighlights 2017

Sommer 1972: Benjamin ist vor kurzem elf geworden. Schon bald wird er ein Herrenrad bekommen, eine Freundin und vielleicht eine tiefe Stimme. Doch dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause, er spielt ihr auf der C-Flöte vor und unterhält sich mit ihr über den Archäopteryx. An Jonas denkt er immer seltener. Ben hat mit dem Leben zu tun, er muss für das Fußballtor wachsen, sein bester Freund erklärt ihm die Eierstöcke, und sein erster Kuss schmeckt nach Regenwurm. Mit seiner neuen Armbanduhr berechnet er die Zeit. An Gott glaubt Ben nicht. Wenn es einen gibt, dann scheint der zu schlafen oder zumindest faul auf der Couch zu liegen.

So vergehen die Tage und Wochen. Immer weniger denkt Ben an Jonas. Schließlich ist er schwer beschäftigt mit dem Erwachsenwerden und hat keine Zeit für Gedanken an ihn. Nur in den ungünstigsten Momenten überkommen ihn die Erinnerungen, wenn auch nur in Bruchstücken. Meistens aber fahren Bens Gefühle Achterbahn. Seine Mutter versucht für ihn da zu sein, doch der Kummer über ihren Verlust nimmt sie gefangen. Aber selbst nach dem schlimmsten Regen scheint irgendwann wieder die Sonne. Derweil kämpft Ben mit diversen Teenagernöten und findet in der Freundschaft Trost. Sein Mut und sein Einfallsreichtum lehren der Mutter das Trauern. Er zeigt ihr, dass das Glück, am Leben zu sein, auch noch dem größten Schmerz standhält ...

Literatur, die so gut ist, dass es garantiert jeden glatt umhaut - bei der Lektüre von Stephan Lohses Büchern macht das Herz regelrecht Freudensaltos vor lauter Lesebegeisterung und droht einem gleichzeitig mehr als einmal zu brechen. Denn der gebürtige Hamburger schreibt seine Geschichten nicht nur mit jeder Menge Humor, sondern mit ganz viiiel Emotionen. Nach nur wenigen Sätzen von "Ein fauler Gott" hat man ganz feuchte Augen. Denn hier kriegt man Gefühlskino wie aus der Feder eines Ian McEwan in die Hände. Zwischen zwei Buchdeckeln findet man Erzählkunst auf höchstem Niveau. Lohse ist eines der besten Debüts seit langem gelungen. Seine Werke lassen Langeweile zu keiner Lesesekunde eine Chance. Diese sind wow, wow, wow.

Stephan Lohse ist eine aufregende neue (Autoren-)Stimme der deutschen Literatur. Seine Romane sind ein Lesefest. Diese feiern das Leben auf besonders schöne Art und Weise. "Ein fauler Gott" rührt zu Tränen und zaubert ein breites Lächeln auf die Lippen. Ohne Zweifel eine Geschichte zum Lachen, zum Weinen, einfach zum Verlieben!

Susann Fleischer
20.03.2017

 
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Das Buch:

Stephan Lohse:
Ein fauler Gott

Bild: Buchcover Stephan Lohse, Ein fauler Gott

Berlin: Suhrkamp Verlag 2017
336 S., € 22,00
ISBN: 978-3-518-42587-9

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