Romane

Ein Drama voller Emotionen und unvergesslicher Lesemomente

Es ist der 15. August, als um 5:50 der Weckton seines Mobiltelefons Simon Limbres aus dem Schlaf reißt. Er will mit seinen Freunden Christophe und Johan ans Meer fahren. Stunden später machen sich die drei wieder auf dem Heimweg. Aber das Surfen hat sie müde gemacht. Chris schläft am Steuer an. Kurz danach kommt es zu einem schrecklichen Autounfall. Simon hat es besonders schlimm erwischt. Er liegt nach einem Schädelhirntrauma im Koma. Untersuchungen ergeben, dass es kaum Hoffnung gibt, dass der 19-Jährige jemals wieder erwachen wird. Die Maschinen halten ihn am Leben. Der zuständige Arzt muss Simons Mutter eine traurige Mitteilung machen: Simon ist hirntot. Jetzt muss sie eine Entscheidung treffen.

Simon kommt als Organspender in Betracht - und könnte mit seiner Leber, Niere und Lunge mehreren Menschen das Leben retten. Viel Zeit bleibt Marianne Limbres allerdings nicht, denn Simons Herz könnte jeden Augenblick zu schlagen aufhören. Also geben sie und Simons Vater schließlich ihr Okay. Und sie nehmen Abschied von ihrem Sohn. Und nicht nur sie: Da gibt es noch Juliette, Simons große Liebe. Sie ahnt (noch) nichts davon, dass sie beide sich nicht mehr wiedersehen werden. Zuhause wartet sie sehnsüchtig auf Simon. Sie will sich entschuldigen. Am Abend zuvor hatten sie einen bösen Streit. Nun ist es zu spät. Aber das Wissen, dass er sie geliebt hat, wird sie über die größte Trauer hinweghelfen ...

Literatur auf höchstem Niveau - genau das sind die Bücher aus der Feder von Maylis de Kerangal. Kaum die ersten Seiten von "Die Lebenden reparieren" gelesen, schon kämpft man mit den Tränen und es droht einem das Herz zu brechen. Besonders wird die Lektüre dadurch, dass die Schriftstellerin hier mehr tut, als nur eine berührend schöne Geschichte zu erzählen. Ihr gelingt ganz großes Gefühlskino à la Hollywood. Es ist wie eine Sucht, die Story zu lesen. Man kann und will gar nicht mehr aufhören. Und am Ende fühlt man sich high von solch einem Lesevergnügen. Das darf man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen. Das Buch ist definitiv eines der Highlights unter den Neuerscheinungen 2015.

Die Romane von Maylis de Kerangal bedeuten Lesegenuss pur. In "Die Lebenden reparieren" gewährt die französische Autorin dem Leser tiefe Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten. Zwischen zwei Buchdeckeln findet man hohe Schreibkunst - und außerdem Emotionen im Übermaß. Man will das vorliegende Buch gar nicht mehr weglegen, sobald man es erst einmal zur Hand genommen hat. In diesem steckt Unterhaltung, die alles ist, aber ganz sicher nicht 08/15.

Susann Fleischer
18.05.2015

 
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Das Buch:

Maylis de Kerangal: Die Lebenden reparieren. Aus dem Franzsischen von Andrea Spingler

Berlin: Suhrkamp Verlag 2015
255 S., 19,95
ISBN: 978-3-518-42478-0

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