Romane

Das beeindruckende Debt eines groartigen Autors

Seit dem Ausbruch des Krieges hat sich das Leben in Tschetschenien für alle grundlegend verändert. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Die Bevölkerung lebt in ständiger Angst und man kann sich seines Lebens nicht mehr sicher sein. Hawah beispielsweise muss tatenlos mit ansehen, wie die Föderalen ihren Vater verschleppen und das Haus anzünden. Plötzlich ist das Mädchen vollkommen auf sich alleingestellt. Und nicht nur das: Ihr droht das gleiche Schicksal wie ihrem Vater - außer, jemand rettet sie aus ihrer Not. Tatsächlich scheint Fortuna Hawah hold zu sein. Nachbar Achmed findet die Achtjährige und bringt sie zum nächsten Krankenhaus. Doch dort herrscht der Ausnahmezustand. Es gibt kaum Personal und die medizinischen Vorräte sind so gut wie aufgebraucht.

Einzig die Ärztin Sonja, die eine vielversprechende Karriere im Ausland aufgegeben hat, um in Wotschansk auf ihre verschwundene Schwester zu warten, hält in dem Krankenhaus die Stellung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Sonja die Flucht ergreift. Entsprechend widerwillig und nur unter der Bedingung, dass Achmed dafür im Krankenhaus mit anpackt, nimmt sie Hawah bei sich auf und schenkt dem Mädchen neue Hoffnung. Nach wenigen Tagen erscheint ein kleiner Silberstreif am Horizont: Zwischen den drei Gestrandeten entsteht schon bald eine zarte Bande der Freundschaft, die nichts und niemand zu zerstören vermag. Sonja will um jeden Preis dem Mädchen helfen und hält verzweifelt an dem fest, was jemanden zum Menschen macht: Mitgefühl und Liebe.

Literatur auf höchstem Niveau - "Die niedrigen Himmel" ist die reinste Poesie, die das Herz betört und jeden zu Tränen rührt. Und Anthony Marra ist ein Autor von Weltklasseformat. Der vorliegende Roman ist für den Leser das größte Glück überhaupt und erscheint wie ein Geschenk des Himmels. Es ist eine einzige Freude, in diese Geschichte zu versinken und sich in der Lektüre zu verlieren. Kein Wunder, denn der US-Amerikaner schreibt absolut mitreißend. Sein Debüt ist ein einzigartiges Erlebnis, dessen berauschende Wirkung auch dann noch anzuhalten scheint, wenn man das Buch längst aus der Hand gelegt hat. Eben ein Genuss, der Hollywood nicht besser hätte gelingen können. Eben gute Unterhaltung, die definitiv hit- und außerdem preisverdächtig ist.

Wenn man diesen Winter ein Buch lesen sollte, dann auf alle Fälle "Die niedrigen Himmel". Anthony Marra schafft mit seinem Debüt ein Vergnügen, das einen die Welt um sich herum vergessen lässt. Es ist beinahe, als würde die Zeit stillstehen, während man sich mit allen Sinnen der Geschichte hingibt. Das versteht man unter Literatur, in die man sich einfach verlieben muss.

Susann Fleischer
24.02.2014

 
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Das Buch:

Anthony Marra: Die niedrigen Himmel. Aus dem Amerikanischen von Ulrich Blumenbach, Stefanie Jacobs

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Berlin: Suhrkamp Verlag 2014
489 S., 22,95
ISBN: 978-3-518-42427-8

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