Romane

Eine Freundschaft , die endet , hat nie begonnen

Was f?r ein hohes und lebenswichtiges Gut die Freundschaft ist, bemerkt so mancher oftmals nur, wenn er sie pl?tzlich vermisst. In dem neusten Roman des deutschen Kultautors Bodo Kirchhoff begegnet der Leser einem fleischgewordenen Beweis f?r diese Lebensweisheit. Der ungenannte Protagonist von "Eros und Asche" ist Schriftsteller fortgeschrittenen Alters und in Frankfurt beheimatet. Viel mehr erfahren wir nicht ?ber ihn und es bietet sich die Vermutung an, dass Kirchhoff hier als autobiographisches Ich selbst zu Wort kommt. Doch um die Person des Erz?hlers geht es hier nur am Rande. Vielmehr befasst sich das Buch mit dem besten Freund und Kameraden, den dieser wohl je hatte, kurz M. genannt.  

Als der namenlose Schriftsteller erf?hrt, dass M. den Kampf gegen eine lange Krankheit verloren hat, ist er ersch?ttert und f?hlt sich zur selben Zeit schuldig. Dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte, war ihm doch bewusst gewesen, doch weshalb war ihm nicht aufgefallen, dass es um M. so schlimm stand? Und eigentlich hatte es auch gen?gend Hinweise gegeben, dass seine gesundheitlichen Beschwerden in den letzten Jahren seines Lebens nicht sein einziges Problem gewesen waren. Warum nur ist er so blind und egozentrisch gewesen, weshalb ist er nicht mehr auf M. eingegangen? Der letzte Wunsch seines Freundes jedoch soll nicht unerf?llt bleiben. W?hrend des letzten gemeinsamen Telefonats hatte M. ihm den Vorschlag gemacht, einen Roman ?ber die Freundschaft der beiden zu schreiben, und das Resultat h?lt der Leser nun offenbar in H?nden.

"Eros und Asche", bietet sich gr??tenteils als Kombination aus R?ckblenden aus der Zeit mit M. und Splittern aus dem gegenw?rtigen Leben des Erz?hlers dar. Eingangs wird beschrieben, wie sich die beiden in einem Internat kennenlernten, worauf der Leser unsanft in die Gegenwart zur?ckgeholt wird und von dem traurigen Ereignis erf?hrt, das das Leben des Erz?hlers unwiederbringlich ver?ndern soll. Dem ersch?tterten Erz?hler bleibt nichts anderes ?brig, als sein Leben ohne seinen besten Freund weiterzuleben. Doch die Gedanken an M. lassen ihn nicht los. H?tte er f?r M. mehr tun k?nnen? Was hat er ihm vorenthalten? Und gab es nicht eine Seite an ihm, in die er auch ihm keinen Einblick gew?hrte? Und wie kann er sichergehen, dass er seinen Wunsch angemessen erf?llen kann?

Ein Buch mit dem Untertitel "ein Freundschaftsroman" h?tte sich so mancher Leser sicherlich anders vorgestellt. Dennoch wird bereits nach den ersten Seiten deutlich, dass Bodo Kirchhoff f?r sein neustes Werk keine passendere Bezeichnung h?tte finden k?nnen. Auch wenn die Freundschaft zwischen dem Erz?hler und M. nun in der Vergangenheit liegt, gibt es doch in der Gesamtheit des Buchs keine wichtigere Thematik als sie. Und zudem scheint sie mittlerweile regelrecht die einzige Konstante im Leben des ungenannten Erz?hlers geworden zu sein.

Ebenso versteht es Kirchhoff geradezu meisterhaft, dem Leser die Tragik des viel zu fr?hen Todes von M. St?ck f?r St?ck zu vermitteln. Mit jeder gelesenen Seite ist mehr zu sp?ren, welchen Stellenwert die Freundschaft mit M. f?r den erz?hlenden Protagonisten besa? und besitzt, und wie der viel zu fr?he Abschied sein Leben aus den Fugen zu bringen droht. Und schlie?lich steht eines fest: Nur durch das Verfassen seines "Freundschaftsromans" kann er hoffen, wieder mit sich selbst und M. im Reinen zu sein. "Eros und Asche" ist ein Buch von einer traurig-zarten, Sch?nheit, das virtuos die privatesten zwischenmenschlichen Gef?hle beleuchtet. Kein Freund anspruchsvoller Schreibkunst sollte sich den neusten Streich von Bodo Kirchhoff entgehen lassen.

Johannes Schaack
17.09.2012

 
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Das Buch:

Bodo Kirchhoff: Eros und Asche. Ein Freundschaftsroman

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Mnchen: dtv 2012
288 S., 9,90
ISBN: 978-3-423-14129-1

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