Romane

Wild galoppierende Herzen

In ihrem Roman "Das Schicksal geht oft seltsame Wege" erzählt die Autorin Ruth Kupfer von dem Leben und der Liebe mehrerer Personen, deren Schicksale miteinander verknüpft sind. Anhand des Wirkens auf verschiedenen Landgütern und einer Pferdezucht wird ein mitreißendes Panorama entworfen. 

Der Graf von Gehringen ist ein Trinker und ein Frauenheld, der sein Besitztum sträflich vernachlässigt und nur das Vergnügen im Sinn hat. Nach einem gemeinen Streich seiner Knechte, die ihm in nichts nachstehen, gelobt er Besserung. Der Verwalter des Hofes, Hannes, sieht seine Chance gekommen, den Gutsbesitz zu einer großen Pferdezucht auszubauen. Vielleicht kann er es sich dann auch leisten, die schöne Wirtshausköchin Agnes zu heiraten. Doch Hannes hat eine dunkle Vergangenheit. Als Spross einer verarmten Adelsfamilie hat er noch so manche Altlasten mit sich zu schleppen. Wegen der geplanten Hochzeit braucht er allerdings dringend benötigte Papiere und muss Agnes seine Herkunft beichten. Vor allem muss er deswegen auch seiner Familie und alten Bekannten gegenübertreten. Und das ist gar nicht so leicht. Kann die junge Liebe die Prüfungen bestehen? 

Der Roman "Das Schicksal geht oft seltsame Wege" von Ruth Kupfer ist eine breit angelegte Saga, die das Leben und Wirken, aber auch das Lieben und Leiden mehrerer Personen über Jahre hinweg verfolgt. In ihrer geraden und schnörkellosen Sprache schafft es Kupfer, den Leser sofort in die Geschichte zu versetzen und sich mit den Figuren zu identifizieren. Und trotz der Länge und der Dichtheit der Geschehnisse, verliert man nie den Überblick über die Geschehnisse und Charaktere. Es haben sich zwar gerade in den zeitlichen Abfolgen leichte Fehler eingeschlichen, aber das Leben auf deutschen Gutshöfen und auf dem Lande ist so anschaulich beschrieben, dass man diese kleinen Mängel gerne in Kauf nimmt. Man meint, wirklich dabei zu sein und das Essen in der Gaststube zu riechen, den Geruch der Pferde wahrzunehmen und die Charaktere hat man auch deutlich vor Augen. 

Manchmal ähnelt dieses Werk großen Familiensagen wie "Dallas" und "Der Denver-Clan", nur halt in Deutschland und mit einer Pferdezucht statt Öl und Aktien. Jeder, der auch nur ein kleines Faible für diese Serien oder verwandten Stoff hat, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Das Land wird dabei nicht in eine Idylle umgewandelt, die gegen die verkommene Stadt steht. Die Landbevölkerung ist kein moralisches Bollwerk, weil auch sie sich den Ausschweifungen hinzugeben vermag. Aber der Zusammenhalt und die Solidarität sind größer. Das Landleben wird in manchen bukolischen Szenen sehr gut beschrieben, gerät aber glücklicherweise niemals in kitschige Sumpflandschaften. 

Anschaulich, voller Liebe und Leid wird eine große Saga entworfen, die alle Freunde von Familiensagas mit leichtem Soap-Opera-Charakter lieben. Auch Pferdefreunde werden ihre Freude haben. Das Leben auf dem Lande wurde selten so anschaulich beschrieben, ohne dabei in Kitsch zu verfallen. 

Jons Marek Schiemann 
09.05.2011

Eine Lesung aus diesem Buch finden Sie hier:
http://www.autoren-tv.de/vorschaltseiten/kupfer_intro.html 

 
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Das Buch:

Ruth Kupfer: Das Schicksal geht oft seltsame Wege

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2008
595 S., 19,80
ISBN: 978-3-8372-0165-9

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