Romane

Ein niederlndischer Bestseller auf der groen Erfolgsspur

Was hat der hiesige Buchmarkt an Vielfalt - geographisch gesehen - zu bieten? Nat?rlich werden einem zahlreiche B?cher einheimischer Schriftsteller angeboten, ebenso viele ?bersetzungen von amerikanischen und englischen Autoren, seit einiger Zeit sind auch spanische Werke ziemlich en vogue. Doch wann bekommt man schon ein Buch aus den Niederlanden vorgelegt? Herman Koch hat 2009 mit "Het Diner" in seiner niederl?ndischen Heimat einen Riesenerfolg gefeiert und Unmengen an Preisen eingeheimst. Grund genug f?r eine deutsche ?bersetzung, die bei Kiepenheuer & Witsch in diesen Tagen unter dem Titel "Angerichtet" erschienen ist. 

Koch gilt in den Niederlanden als wahrer Tausendsassa: Er ist Kolumnist, Komiker, Fernsehmacher und Schriftsteller zugleich. Diesen energiegeladenen Mix bekommt man auch im vorliegenden Buch zu sp?ren. Seine Geschichte hat Esprit, die Handlung birgt Witz und Raffinesse. Der Ich-Erz?hler Paul Lohmann ist mit seiner Frau auf dem Weg zu einem Abendessen in einem Nobelrestaurant. Die beiden sind verabredet mit Pauls Bruder Serge, der f?r die Wahl als niederl?ndischer Premierminister kandidiert, und dessen Frau Babette. Bereits zu Beginn werden einige Hinweise gestreut, dass es einen konkreten und dringenden Anlass f?r diese Zusammenkunft der Vier gibt und ein Geheimnis betrifft, in das die S?hne der beiden Familien involviert sind. Sp?ter im Verlauf der Geschichte wird peu ? peu deutlich, welch verwerfliche Tat die beiden Jugendlichen Michel und Rick begangen haben. 

Koch spielt mit seinem Leser, indem er h?ppchenweise Hintergr?nde ?ber die betroffenen Personen aufdeckt, die den Leser m?chtig in Bewegung halten, da er seine Urteile ?ber die Protagonisten st?ndig mit seinem Moralverst?ndnis abgleichen und neu ?berdenken muss. Selten hat man als Leser das Gef?hl, so sehr vom Autor abh?ngig zu sein, aber Koch versteht es brillant, seinen Leser im Griff zu haben, ihn aber zugleich damit zu am?sieren. Sein Witz und die geschilderten Gedankenketten des Ich-Erz?hlers Paul lassen den Leser trotz dessen Irrationalit?t h?ufig schmunzeln, und man f?hlt sich ein wenig an Herrn Lehmann aus der gleichnamigen Trilogie Sven Regeners erinnert. 

Die ?u?ere Form des vorliegenden Buches sieht die 46 Kapitel in die sechs Abschnitte eines ausgiebigen Abendessens ?bergliedert: Aperitif, Vorspeise, Hauptgang, Dessert, Digestif und Trinkgeld. Somit gelingt Koch gekonnt die Verbindung zwischen ?u?erer Form und der Speisenfolge im Restaurant als Hintergrundhandlung. Vordergr?ndig thematisiert Koch in "Angerichtet" die Liebe von Eltern zu ihren Kindern. Letztlich geht es dabei um die Frage, wie weit Eltern gehen d?rfen, um ihre ?ber alles geliebten Kinder zu besch?tzen. 

Herman Koch ist es gelungen, aus einer banalen Situation wie einem Abendessen zu viert durch Sprachwitz und ein dramatisches und unterschwellig eingebrachtes Geheimnis eine h?chst unterhaltsame, aber auch unvergessliche Zusammenkunft entstehen zu lassen. Die drastische Direktheit und die Wendungen in der Geschichte sorgen beim Leser garantiert f?r eine nachhaltige Erinnerung an dieses Buch. "Angerichtet" ist als Erz?hlung in der N?he einer Novelle anzusiedeln, da sie etwas Einzigartiges, bis dato Unerh?rtes und noch nie Dagewesenes hat. Dies mag nat?rlich seinen Grund auch darin haben, dass "Angerichtet" von einem dem hiesigen Leser nahezu unbekannten literarischen Markt kommt. F?r Freunde des unkonventionellen Lesegenusses ist "Angerichtet" sicherlich der Geheimtipp in diesem Sommer! 

Christoph Mahnel 
24.08.2010

 
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Das Buch:

Herman Koch: Angerichtet. Aus dem Niederlndischen von Heike Bargya

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Kln: Kiepenheuer & Witsch 2010
336 S., 19,95
ISBN: 978-3-462-04183-5

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