Romane

Die Physiologie der Emotionen

Schon die Geburt des 17-jährigen Beatle war alles andere als gewöhnlich: Bei einem Unfall platzte die Fruchtblase, sodass die Ärzte den Jungen viel früher holen mussten als geplant. Seine Schwester Winsome hingegen durfte noch sechs lange Wochen in Mamas Bauch verbleiben. Jeder, der erfährt, dass die beiden Zwillinge sind, kann es nicht fassen - schließlich haben sie zwei verschiedene Sternzeichen und tiefe Innigkeit herrscht auch nicht wirklich zwischen ihnen. Aber dies ist nicht das einzige Besondere an Beatle: In seiner Geburtsurkunde steht tatsächlich "John Lennon" und mit 15 Jahren erleidet er einen Schlaganfall. Da braucht er nicht noch mehr Chaos in seinem Leben.

Es ist an einem Freitag, dem 13., als Beatle seinem Schicksal begegnet. An einer Bushaltestelle sieht er ein Mädchen sitzen - mit Sonnenbrille, obwohl es schon dunkel ist. Angezogen durch dieses eher ungewöhnliche Auftreten spricht Beatle die Unbekannte an. Wie sich zeigen soll, ist sie ebenso besonders wie Beatle: Sie heißt nämlich Destiny, Destiny McCartney. Wenn da Fortuna nicht am Rad gedreht hat, denn diese Begegnung kann kein Zufall sein. Es kommt, wie es kommen muss: Beatle verliebt sich heillos in Destiny und auch bei ihr entwickeln sich tiefgehende Gefühle für ihre neue Bekanntschaft. Und alles könnte so schön sein, wenn es da nicht ein klitzekleines Problem gäbe: Beatle hat eine feste Freundin.

Auch wenn Beatle weiß, dass die Treffen mit Destiny eigentlich falsch sind, kann er doch nicht anders. Er denkt in der Schule an sie, auf der Arbeit, beim Essen und jede einzelne freie Minute - selbst wenn er mit seiner Freundin zusammen ist. Warum macht er dann nicht einfach mit Cilla Schluss und lässt sich auf etwas Neues ein? Vielleicht deshalb, weil Cilla immer für Beatle da war - selbst als er den Schlaganfall hatte -, und er liebt sie von ganzem Herzen. Und doch muss bald eine Entscheidung her, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ganze grausame Wahrheit über Beatles Doppelspiel ans Tageslicht kommt.

Auf den ersten Blick könnte man glauben, dass es sich bei "Beatle liebt Destiny" um irgendeine Teenie-Schnulze über die große Liebe handelt. Aber schon auf den ersten Seiten muss man seine anfangs gefasste Meinung revidieren, denn dieses Buch ist keineswegs nur für verliebte Teenager, sondern fügt sich vielmehr in die Tradition amüsanter, chaotisch-liebevoller Frauenromane. Gabrielle Williams gelingt es dabei, jüngere wie ältere Leserinnen für die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe zu begeistern und so Generationen von Frauen zusammenzuführen. Denn von der ein oder anderen schicksalshaften Begegnung weiß sicherlich (beinahe) jeder zu berichten. Da lässt sich "Beatle liebt Destiny" gleich doppelt so gut genießen.

Susann Fleischer
21.12.2009

 
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Das Buch:

Gabrielle Williams: Beatle liebt Destiny. Aus dem Australischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck

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Mnchen: Blanvalet Verlag 2009
320 S., 7,95
ISBN: 978-3-442-37404-5

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