Romane

Literatur der mitreiendsten, verfhrerischsten und betrendsten Sorte

England, 1914: Als die Männer in den Krieg ziehen, halten die Frauen die Nation am Laufen. Zwei von ihnen sind die Zwillingsschwestern Peggy und Maude, die in der Buchbinderei der Oxford University Press im Arbeiterviertel Jericho arbeiten und auf einem Hausboot voller Bücher leben. Peggy träumt davon, eines Tages an der Universität zu studieren. Doch ihr wird gesagt: "Dein Job ist es, die Bücher zu binden und nicht zu lesen!" Maude ist ein ganz besonderes, verletzliches Mädchen. Peggy fühlt sich nach dem Tod ihrer Mutter für sie verantwortlich. Mit der Ankunft von belgischen Flüchtlingen und der Unterstützung neuer Freunde rücken Peggys Träume in greifbare Nähe. Und sie beschließt, eine andere Zukunft für sich zu erschaffen - eine, in der sie nicht nur ihre Hände, sondern auch ihren Verstand einsetzen kann.

Es beginnt damit, dass Peggy einmal die Woche ins nahegelegene Lazarett geht, um den belgischen Soldaten entweder vorzulesen oder einen Brief aufzusetzen. Dabei lernt sie den schwer verwundeten Sergeant Bastiaan Peeters kennen. Beide finden sich auf Anhieb sympathisch. Und schon bald verbringt Peggy immer mehr und mehr Zeit an Bastiaans Bett, während ihre geliebte Schwester Maude mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert wird, an denen sie zu scheitern droht. Maude verbringt vermehrt Zeit mit ihrer Kollegin Lotte und beginnt, sich langsam, aber sicher zu verändern. Es dauert nicht lange, und es kommt in Peggys Leben zu einer Katastrophe. Ihre Pläne von einem freibestimmten Leben rückt plötzlich in die Ferne. Dass sie Gefühle für ihren "Patienten" Bastiaan zu entwickeln scheint, macht alles noch komplizierter ...

Ein Juwel von einem Roman - nicht mehr und nicht weniger gelingt Pip Williams mit "Die Buchbinderin von Oxford"; außerdem eine Lektüre, von der man sich nach nur wenigen Sätzen ganz berauscht fühlt. Die australische Autorin schreibt Romane für das Herz. Der vorliegende trifft mittenhinein und droht es einem gar zu brechen. Williams' zweites literarisches Kunststück nach "Die Sammlerin der verlorenen Wörter" gehört nach ganz weit oben in den Bestsellerlisten weltweit, und zwar über mehrere Monate lang. In einem Satz stecken mehr Emotionen als bei so manchem Schriftsteller, so mancher Schriftstellerin in einem ganzen Buch. Da fällt es einem schwer, nach der letzten Seite in das wahre Leben zurückzukehren. Vielmehr beginnt man mit der Lektüre wieder von vorne. Und das mit größtem, fast schon unbändigem Vergnügen!

Was Pip Williams schreibt, kommt einer noch nie dagewesenen Verführung für alle Sinne gleich. Der Lektüre von "Die Buchbinderin von Oxford" erliegt man gleich ab dem ersten Satz. Was man hier in die Hände bekommt, ist Lesegenuss pur. Definitiv Literatur der mitreißendsten, charmantesten und betörendsten Sorte! Im Bücherregal gibt es kaum etwas damit Vergleichbares. Oder anders: Unterhaltung war noch nie schöner!

Susann Fleischer 
18.03.2024

 
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Das Buch:

Pip Williams: Die Buchbinderin von Oxford. Aus dem Englischen von Christiane Burkhardt

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Mnchen: Heyne Verlag 2023 512 S., 22,00 ISBN: 978-3-453-27461-7

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