Romane

Drei Frauen. Drei Generationen. Ein Schicksal, das sie eint.

Brooklyn, 1969: Die Afroamerikanerin Grace hat ein schweres Los gezogen. Ihre Mutter verstorben, ihre über alles geliebte Großmutter im Gefängnis und sie in der Obhut ihrer Tante, die ihre Nichte eher als Haushaltshilfe denn als Familienmitglied sieht. Da verwundert es nicht, dass Grace Trost in den Armen eines schwarzen Jungen aus gutem Hause sucht, allerdings nur kurzzeitig findet. Als Grace schwanger wird, steht sie allein da. Sie will nur eines: ihr Kind gegen alle Konventionen behalten. Doch das Baby wird ihr weggenommen und wächst bei einem jungen Ehepaar auf, das selbst keine Kinder bekommen kann und bereits einen Sohn adoptiert hatte. Für Rae die Chance auf ein Leben voller Liebe, Fürsorge und Unbeschwertheit. Und eben das erfährt sie auch größtenteils, obwohl Mutter Delores, selbst Waisenkind und später in der Obhut eines Onkels aufgewachsen, schwer traumatisiert ist.

Obwohl Rae früh von ihrer Adoption erfährt, stellt sie keine Fragen. Für sie sind Delores und Tommy ihre Eltern. Vor allem Tommy scheint für seine Tochter alles zu geben, um sie glücklich zu sehen. Und das trotz der Tatsache, dass seine Ehe genau das nicht ist. Delores und er haben sich auseinandergelebt, sie sind grundverschieden und haben, abgesehen von ihren Adoptivkindern, nichts gemeinsam. Die Beziehung hat kaum eine Zukunft, zumal sowohl Tommy als auch Delores mehr als ein Geheimnis bergen, die zerstörerisch sein können. Rae ahnt nichts von den Problemen zwischen Delores und Tommy, bis ihr Vater stirbt und sie gezwungen wird, sich mit ihrer Herkunft auseinanderzusetzen - und mit ihren beiden Müttern. Denn die Geschichte droht sich zu wiederholen, als Rae unerwartet in frohe Umstände kommt. Ein Teufelskreis. Und Rae ist entschlossen, diesen zu durchbrechen. Aber auch stark genug?

Literatur, die definitiv und ohne jeden Zweifel mit zum Grandiosesten im Bücherregal gehört - will man diesen Sommer ein Buch lesen, dann muss man unbedingt zu "Die Farbe meines Blutes" greifen. Mit diesem erfährt man nämlich nicht nur sensationellste Unterhaltung vom ersten bis zum letzten Satz. Es verändert das Leben seiner Leser für immer. Autorin Denene Millner gelingt mit diesem ein Geniestreich unter den Neuerscheinungen 2023. Solch ein Vergnügen hat größte Seltenheit im Bücherregal. Lässt es einen doch ein Wechselbad der Gefühle durchleben: Traurigkeit, Wut und Schock, aber zugleich auch auf gewisse Art und Weise Heiterkeit, Versöhnlichkeit und angenehme Gänsehaut am ganzen Körper. Um Millners literarischen Können treffend zu beschreiben, braucht es ein Superlativ nach dem anderen. Und das ist noch längst nicht ausreichend. Ein Hoch auf Millner, und ein dreifaches auf ihr Debüt!

Ein Romanerstling wie Denene Millners "Die Farbe meines Blutes" hat es seit "Wer die Nachtigall stört" aus dem Jahre 1960 nicht mehr gegeben. Die US-amerikanische Autorin gehört vom Talent, von der sprachlichen Wucht und Schönheit in die gleiche Schriftstellerliga mit Schriftstellerinnen wie Lee Harper, Alice Walker ("Die Farbe Lila"), Harriet Beecher Stowe ("Onkel Toms Hütte") und wenigen anderen. Vor Millners Können muss man als Leser respektvollst den Hut ziehen. Chapeau! Was sie schreibt, ist Genuss pur.

Susann Fleischer 
22.05.2023

 
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Das Buch:

Denene Millner: Die Farbe meines Blutes. Aus dem Amerikanischen von Henriette Zeltner-Shane

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Mnchen: Goldmann Verlag 2023 656 S., 24,00 ISBN: 978-3-442-31641-0

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