Romane

Eine Lektre, die einschlgt wie eine Bombe

September 1969, im Süden Brooklyns, die Sozialwohnungen des Causeway Housing Projects: Cuffy "Sportcoat" Lambkin, der allseits beliebten Diakon der Five Ends Baptist Church, richtet vor aller Augen die Pistole auf einen jungendlichen Drogendealer und drückt ab. Glücklicherweise tötet er ihn nicht, sondern schießt ihm "nur" ein Ohr ab. Die Tatzeugen sind sowohl schockiert als auch verwundert, kann sich doch niemand erklären, was ihn zu dieser Tat getrieben hat. Vielleicht war es ja der Alkohol, der ihm die Sinne vernebelt hat, denn seit dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren ist er neben der Spur, streitet mit ihrem Geist, möchte wissen, wo sie die Weihnachtskollekte deponiert hat. Geld, das die Ärmsten seiner Schäfchen bitter nötig hätten.

Alles kreist um den Mordversuch und seine Folgen, nicht nur für den Diakon, sondern auch für seine Gemeinde, die sich schützend vor ihn stellt. Die gutgemeinten Ratschläge ignoriert er, verstecken will er sich nicht. Keiner weicht zurück, selbst dann nicht, als die Drogenmafia auf Rache sinnt. Warum auch? Zu verlieren hat Sportcoat schon längst nichts mehr. Doch eine Frage beschäftigt Polizei, Opfer und alle anderen: Wie konnte es dazu kommen? Schnell zeigt sich, dass sich die Schicksale aller Gemeindemitglieder - der Afroamerikaner wie der Latinos, der abgehalfterten Mafiosi wie der korrupten Cops - in dieser unvorstellbaren Tat überkreuzen. Und dass himmlische Gerechtigkeit und Strafe manchmal eine ziemlich irdische Angelegenheit sind ...

Unterhaltung, die rockt wie (fast) nichts sonst im Bücherregal - die Geschichten aus James McBrides Feder lesen sich herrlichst und amüsant, lassen es aber auch an Tiefgang nicht fehlen. Diese sind überraschend anders, definitiv etwas Besonderes. Von "Der heilige King Kong" wird einem regelrecht schwindelig. Man fühlt sich wie trunken vor Lesefreude, außerdem vor -glück. Der US-amerikanische Schriftsteller kann schreiben. Seine Werke liest man, als hänge das Leben von deren Lektüre ab. McBride sorgt für reinste, pure Ekstase bei seiner Leserschaft, und zwar mit jedem einzelnen Buch. Das vorliegende hat definitiv das Zeug zum Klassiker à la Harper Lees "Wer die Nachtigall stört". Einfach nur der Wahnsinn zwischen zwei Buchdeckeln!

In der Literatur gibt es nur wenige Autoren vom Talent eines James McBride. Dessen Schreibkönnen ist echt beeindruckend, fast schon outstanding. Seine Romane begeistern den Leser vom ersten bis zum letzten Satz, außerdem so sehr, dass dieser während der Lektüre mehr als einmal glatt von der Couch plumpst. "Der heilige King Kong" ist der genialste Zeitvertreib der Welt. Es gibt kaum etwas Grandioseres. Von diesem Vergnügen wird einem ganz high. Und das über viele Stunden lang. Also, unbedingt lesen!

Susann Fleischer 
14.06.2021

 
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Das Buch:

James McBride: Der heilige King Kong. Aus dem Amerikanischen von Werner Lcher-Lawrence

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Mnchen: btb Verlag 2021 448 S., 22,00 ISBN: 978-3-442-75924-8

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