Romane

Auch Band zwei der "Das Weingut"-Reihe: fesselndstes Historienkino bis zum letzten Satz

Irene hat alles verloren: ihre Liebe, ihre Heimat, ihre Zukunft. Die Ehe zwischen ihr und dem reichen Erben Franz sollte eine Liebesheirat sein. Bis ein Geheimnis ihr Glück zerstört. Irene und Franz sind Halbgeschwister. Wilhelm Gerban, der Familienpatriarch, der Irene vor fünf Jahren aus einem Waisenhaus in Speyer als Dienstmädchen auf sein Anwesen geholt hat, ist ihr gemeinsamer Vater. Nach dieser ungeheuerlichen Enthüllung verlässt die schwangere Irene ihren Bräutigam ohne ein Wort. Einsam bringt sie Sohn Fränzel zur Welt und tritt eine Stelle als Textilarbeiterin in einer Fabrik an. Die Bedingungen dort sind grausam, und Irene muss bis zur Erschöpfung arbeiten. Aber dann lernt sie den charismatischen Arbeiterführer Josef kennen, der ihr Kraft und Geborgenheit gibt, zudem den Mut zu kämpfen.

Aber nicht nur Irene hat schwer zu kämpfen. Auch Franz, als Krüppel den Deutsch-Französischen Krieg nur knapp überlebt, steht vor so mancher Herausforderung. Er beabsichtigt, die Führung des Weinguts zu übernehmen. Doch ahnt er nichts von der Intrige gegen ihn seitens seines Vaters. Der führt zwielichtige Geschäfte. Sollte Franz jemals dahinterkommen, ist Wilhelm Gerban ruiniert. Soweit darf es niemals kommen; notfalls zu dem Preis, dass Pauline Gerban, Wilhelms Ehegattin und Franz' Mutter, in einer Irrenanstalt gefangen gehalten wird. Franz derweil treibt seinen beruflichen Erfolg voran, kann aber Irene nicht vergessen. Verzweifelt sucht er sie, ohne eine Spur zu finden. Die ist aus Weißenburg nach Lambrecht in der Pfalz geflüchtet. Dort ist jeder Tag ein neuer Kampf mit Josef an ihrer Seite.

Es scheint, als würden Irene und Franz niemals wieder zueinanderfinden. Allerdings geht das Schicksal manchmal seltsame, ungewöhnlichere Wege. Das Leben nimmt für Irene eine unerwartete Wendung: Nachdem sie ihre Anstellung in der Tuchfabrik verliert, findet sie eine neue in der Weißnäherei von Herbert Stockhausen in Oggersheim. Bei dem Unternehmer handelt es sich um keinen Geringeren als den Verlobten von Mathilda Gerban, Franz' Schwester. Franz ist seiner Liebe näher denn je, ihr zugleich jedoch auch weiter entfernt als jemals zuvor ...

Unterhaltung voller Leidenschaft, Dramatik, Spannung und Bildgewalt - die Romane von Marie Lacrosse sind nicht nur ein Lesehighlight ohnegleichen, sie gewähren dem Leser darüber hinaus einen unvergleichlichen Einblick in die bürgerliche Gesellschaft Ende des 19. Jahrhundert. Mit diesen unternimmt man eine fesselnde Reise in vergangene Zeiten. Kaum "Aufbruch in ein neues Leben" aufgeschlagen, glaubt man sich tatsächlich im Elsass sowie in der Pfalz des Jahres 1871/1872, und zwar mittendrin im Geschehen. Während der Lektüre verschlägt es dem Leser ob solch grandioser Erzählkunst sogar den Atem. Die "Das Weingut"-Saga bedeutet Historienkino der besonders mitreißenden Sorte. Hier erfährt man Emotionen pur, außerdem Literatur auf höchstem Niveau, definitiv aus der Feder eines Ausnahmetalents!

Es gibt nichts Schöneres zu lesen als die Geschichten einer Marie Lacrosse. Diese sind ein Geschenk von größter Seltenheit, und deshalb außergewöhnlich kostbar. "Das Weingut" gehört zu den Juwelen in jedem Bücherregal. Absolut zum Niederknien! Über dieses Historienerlebnis vergisst man die Welt vollkommen um sich herum. "Aufbruch in ein neues Leben" hat eine Sogkraft, der man sich partout nicht entziehen kann, auch nicht entziehen will. Deutsche Autor(inn)en können es ohne jeden Zweifel mit der internationalen Bestsellerkonkurrenz wie Lucinda Riley aufnehmen. Chapeau, vor Lacrosse' Schreibkönnen!

Susann Fleischer 
01.07.2019

 
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Das Buch:

Marie Lacrosse: Das Weingut - Aufbruch in ein neues Leben

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Mnchen: Goldmann Verlag 2019 704 S., 13,00 ISBN: 978-3-442-20555-4

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