Romane

Der neue Ruff: ein Überraschungshit, der seinesgleichen sucht

Chicago, 1954: In Zeiten der Jim-Crow-Gesetze ist es für Schwarze nicht ungefährlich auf Amerikas Straßen. Das muss Koreaveteran Atticus Turner (22) am eigenen Leib erfahren, als er sich aufmacht, seinen verschwundenen Vater zu finden. Und dabei in Abenteuer gerät, die bizarrer sind als alles, was seine geliebten Schundromane hergeben - Geisterhäuser, Zaubererlogen und ein fremder Planet inklusive. Atticus hat die letzten Monate im sonnigen Florida verbracht, wenn auch eher schlecht als recht. Nun schmeißt er seinen Job und fährt Tage und Nächte durch, weil er sich Sorgen um seinen alten Herrn macht. Montrose, mit dem er sich wegen seines Militärdienstes zerstritten hat, spricht in einem Brief von einem geheimen Geburtsrecht spricht, das Atticus bisher vorenthalten wurde.

Antworten gibt es irgendwo in der Familiengeschichte von Atticus´ verstorbene Mutter. Statt auf seinen Sohn zu warten, fährt Montrose alleine in den abgelegenen Ort Ardham, um dort mehr herauszufinden. Obwohl Atticus´ Gefühle für seinen Vater schon immer zwiespältig waren, begibt er sich trotzdem wohl oder übel auf die Suche, auch wenn die nach "Lovecraft Country" in Neuengland führt, ein Ort der schärfsten Rassengesetze in den USA. Mit Hilfe seines Onkels George, Herausgeber des "Safe Negro Travel Guide", und Jugendfreundin Letitia gelangt Atticus zum Anwesen der Braithwhites. Hier tagt eine rassistische Geheimloge, mit deren Hilfe Braithwhite junior nichts weniger als die höchste Macht anstrebt. Plötzlich steckt Atticus mittendrin, ohne zu wissen, wie er sich retten kann ...

Literatur, so grandios, dass es einen glatt umhaut - die Romane von Matt Ruff bedeuten Lesegenuss mit absolutem "Wow!"-Effekt. Während deren Lektüre muss mit allerlei Überraschungen gerechnet werden. "Lovecraft Country" zählt zu den Must-reads dieses Jahres. Bis zur letzten Seite erfährt man ein Vergnügen weit jenseits des Mainstreams. Der US-amerikanische Autor sorgt für so manchen lauten Freudenschrei bei seinen Lesern sowie für strahlende Gesichter. Mit dem vorliegenden Buch gelingt ihm ein Wunderwerk der Phantasie. In einer unwiderstehlichen Mischung aus Witz und dunkler Magie wird von den Verstrickungen zweier Familien in den Abgründen des Rassismus erzählt. Ein meisterhafteres, brillanteres Werk hätte selbst T.C. Boyle gemeinsam mit John Niven kaum schreiben können.

Von der Erzählkunst eines Matt Ruff wird einem ganz schwindelig, und das nach nur wenigen Sätzen. Jede Geschichte aus seiner Feder bringt einen schier zum Ausflippen vor lauter Lesebegeisterung. So genial-amüsante Unterhaltung wie mit "Lovecraft Country" kriegt man nur seltenst in die Hände. Die Story sprudelt nur so über von unbändiger Fabulierlust, teuflischem Humor und phantastischster Einfälle. Wer auf der Suche nach einem ganz besonderen Lesehighlight ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Herrlich, einfach nur herrlich und außerdem zum Niederknien gut!

Susann Fleischer
14.05.2018

 
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Das Buch:

Matt Ruff:
Lovecraft Country. Aus dem Englischen von Anna Leube, Wolf Heinrich Leube

Bild: Buchcover Matt Ruff, Lovecraft Country

München: Carl Hanser Verlag 2018
432 S., € 24,00
ISBN: 978-3-446-25820-4

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