Romane

Poesie, die direkt ins Herz trifft und es brechen lässt

Es gibt Einschnitte im Leben, die einen zwingen, auf sein bisheriges Leben zurückzublicken und sich neu zu orientieren. Bei Christian Haller war es ein Hochwasser, das sein Haus am Rhein wegriss. In "Das unaufhaltsame Fließen", dem zweiten Band seines autobiografischen Romanprojekts, erinnert er sich, dass ihm seine Existenz als junger Mann ähnlich brüchig vorkam wie das Fundament seines Hauses. Schon seit Kindertagen hat es sich der Erzähler zur Angewohnheit gemacht, allen Anforderungen und Erwartungen auszuweichen. Jetzt, mit Anfang zwanzig, ist er auf der Suche nach einem Sinn für sein Leben. Und er merkt, dass er sich aus seinen Rückzugsräumen hinaus in die gesellschaftliche Gegenwart begeben muss.

Da er mit seinen eigenen Arbeiten an einem Märchenband nicht vorankommt, stürzt er sich in das Unterfangen, den unüberschaubaren Nachlass des Dichters Adrien Turel zu sichern sowie eine Stelle als Lehrer anzutreten. Während sich unerfüllte Hoffnungen und Träume immer mehr in ihm aufstauen, bricht unerwartet der Damm: Eher zufällig kommt er an das Gottlieb Duttweiler-Institut bei Zürich, macht Karriere, der Fluss seines Lebens trägt ihn in höchste gesellschaftliche Kreise. Doch mit dem Einblick in die Machenschaften von Politik und Wirtschaft muss er erkennen: Auch dies kann - trotz des Erfolgs - nicht sein Weg sein. Es ist Zeit, ein neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen. Aber was soll darin stehen ...?

Unterhaltung, die einfach jeden ganz sprach- und atemlos macht - nach nur wenigen Sätzen von "Das unaufhaltsame Fließen" ist einem regelrecht schwindelig vor lauter Leseglück und noch mehr -begeisterung. Ohne jeden Zweifel: Christian Haller schafft mit seinen Worten Lesegenuss pur. Seine Romane stecken voller Emotionen. Ab der ersten Seite kann man während deren Lektüre seine Tränen kaum zurückhalten. Auch der vorliegende lässt kein Auge lange trocken. Und es droht einem immer wieder das Herz zu brechen. Die Story kommt einer Verführung für alle Sinne sehr, sehr nahe. Dieser kann man partout nicht widerstehen. Der Schweizer Schriftsteller kann schreiben, so poetisch-schön, dass es einen glatt vom Hocker haut.

Wie nur die wenigsten seiner Autorenkollegen beherrscht Christian Haller die Erzählkunst auf höchstem Niveau. Die Bücher aus seiner Feder sind (fast) alles überstrahlende Juwelen der Literatur. "Das unaufhaltsame Fließen" bedeutet ein Leseerlebnis zum Niederknien genial. Solch betörend-schöne Poesie findet man nur selten zwischen zwei Buchdeckeln. Hier erfährt man ein Lesevergnügen ohnegleichen.

Susann Fleischer
12.02.2018

 
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Das Buch:

Christian Haller:
Das unaufhaltsame Fließen

Bild: Buchcover Christian Haller, Das unaufhaltsame Fließen

München: Luchterhand Literaturverlag 2017
256 S., € 22,00
ISBN: 978-3-630-87557-6

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