Romane

Ein hell strahlendes Juwel der Literatur

Jan genießt sein Leben in vollen Zügen, hat aber Angst vor der Liebe. Mit achtzehn verliert er seine Mutter bei einem tragischen Autounfall. Ein halbes Jahr später erhält Jan einen verstörenden Brief, durch den sein bisheriges Leben - seine Herkunft und Identität - auf den Kopf gestellt wird. In seinem ersten Lebensjahr soll sein Name David gewesen sein. Er wurde nach einem Mann benannt, der vor vielen Jahren aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte und seiner Frau einen Baum, einen Davidsahorn, als Geschenk mitbrachte, bevor er starb. Dieser Baum war es, gegen den das Auto seiner Mutter schlitterte. In ihm sind die Initialen "R", "E" und "V" eingeritzt. Jan begibt sich auf die Suche nach Antworten und muss sich einer Wahrheit stellen, die alles verändert.

Kirchberg, 1980er und 90er Jahre: Magdalena ist erst zwölf, als ihre geliebte Großmutter an einem Herzinfarkt stirbt. Sechs Jahre zuvor sind ihre Eltern in den Vereinigten Staaten ums Leben gekommen. Das Mädchen landet in einem Kinderheim, ohne Hoffnung darauf, bei liebevollen Menschen eine neue Familie zu finden. Dann lernt sie eines Tages Erik kennen und verliebt sich in ihn. Für ihn schmeißt sie die Schule, verlässt ihre Heimat und beginnt in Kitzbühel eine Lehre im Hotelgewerbe. Doch die Liebe dauert nur einige Monate. Erik geht nach Australien und lässt Magdalena im Stich. Sie ist in froher Hoffnung. Mit siebzehn Jahren bringt Magdalena einen Jungen zur Welt. Auf Drängen des Jugendamtes allerdings gibt Magdalena ihr Kind zur Adoption frei.

Jan erkennt, dass seine und Magdalenas Geschichten auf untrennbare Weise miteinander verbunden sind. Die beiden nähern sich einander an. Denn so lange, viel zu lange haben sie sich einsam gefühlt, von aller Welt verlassen. Aber es bleiben Zweifel, sowohl bei Jan als auch bei Magdalena. Die beiden wurden in der Vergangenheit des Öfteren bitter enttäuscht. Sie haben Angst, dass man sie erneut verletzen könnte. Jedoch muss man im Leben auch mal etwas riskieren, um wirklich glücklich zu werden. Es ist wie ein Sprung ins kalte Wasser, nämlich ein unberechenbares Risiko, das sich für sie aber lohnt ...

Eine Geschichte, die einen vom ersten bis zum letzten Satz nicht mehr loslässt - "David" bedeutet dramatisches Gefühlskino zwischen zwei Buchdeckeln. Judith W. Taschler gelingt nach "bleiben" erneut ein Leseerlebnis von großer Intensität und auch Intimität. Während der Lektüre glaubt man tatsächlich an dem Leben der einzelnen Protagonisten für kurze Zeit teilzunehmen. Die Bücher aus der Feder der österreichischen Autorin sind ein besonders kostbares Geschenk. In diesen steckt Leseglück der schönsten Sorte. Es dauert nur wenige Wörter, bis man regelrecht Sturzbäche von Tränen weint. Taschler schreibt so grandios wie sonst nur noch Herta Müller und wenige andere. Ein Lesehighlight wie mit "David" findet man nur seltenst in seinem Bücherregal.

Die Romane von Judith W. Taschler sind betörend schöne Meisterwerke der Erzählkunst. Diese zeugen von Emotionen pur. Mit diesen kriegt man Literatur auf höchstem Niveau in die Hände. Anspruchsvoll, raffiniert und psychologisch dicht schreibt die Bestseller-Autorin in "David" über Familienbeziehungen, Identität, Adoption und die großen Wendepunkte im Leben. Hier erfährt man ein Lesevergnügen zum Niederknien gut.

Susann Fleischer
02.10.2017

 
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Das Buch:

Judith W. Taschler:
David

Bild: Buchcover Judith W. Taschler, David

München: Droemer Verlag 2017
240 S., € 20,00
ISBN: 978-3-426-28133-8

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