Romane

Es gibt Bücher, die Leben verändern - und "Wir sehen uns morgen" ist solch eines

Ein fünfzehnjähriges Mädchen, das um jeden Preis geliebt werden will, sich aber den Falschen aussucht. Ein Geschwisterpaar, das seit frühester Jugend auf sich gestellt ist und sich mit Gaunereien über Wasser hält. Ein alleinerziehender Vater, der der Spielsucht verfällt und bald seine Kinder nicht mehr ernähren kann. Sie alle sind vom Schicksal gezeichnete Figuren, die in einem Strudel aus Brutalität, Humor, Tragik und Liebe aufeinandertreffen und gegen alle Unbill um ihr Glück kämpfen. An drei Tagen im September begegnen sich drei Menschen. Danach ist nichts mehr wie zuvor. Das Leben ist ein Wechselspiel aus Licht und Schatten - das wissen Pål, Sandra und Cecilie nur zu gut. Sie leben in einer der reichsten Städte der Welt in einem der reichsten Länder der Welt, sind jedoch arm dran.

Es ist September in Stavanger. Der Herbst neigt sich langsam dem Ende entgehen. Kurz bevor der Winter mit seiner lang anhaltenden Dunkelheit über die Stadt und deren Bewohner hereinbrechen wird, setzen plötzlich einige Tage mit ungewöhnlich gutem Wetter ein. Aber nicht alle haben Anteil an den Sonnenseiten des Lebens, Nicht in einer Gesellschaft, in der Geld und Erfolg bestimmen, ob man dazu gehört oder nicht. Da ist zum Beispiel Pål, zweifacher Familienvater und hoch verschuldet. Der Grund dafür ist seine Spielsucht, von der niemand erfahren darf - besonders nicht seine Töchter oder seine Exfrau. Mit seinem Gehalt kann er seine Schulden niemals zurückzahlen. Er muss improvisieren. Ähnlich wie Sandra und Cecilie, die jede für sich einen schweren Kampf auszufechten haben.

Mit ihren fünfzehn Jahren ist Sandra kein kleines Mädchen mehr, aber auch noch keine Frau. Eigentlich erzählt sie ihren Eltern alles, außer die Sache mit Daniel William. Der Teenager hat sich in den charmanten Kriminellen verliebt und übersieht darüber, welche Gefahr von ihm ausgeht. Sie weiß nur: Dieser tiefen Liebe darf nichts und niemand im Wege stehen. Cecilie, die dritte dieser Schicksalsgemeinschaft, steht vor der größten Herausforderung: Sie ist schwanger und hofft inständig, dass ihr Lebensgefährte der Vater ist. Obwohl sie ihn über alles liebt, fühlt sie sich in ihrer Existenz gefangen und sucht einen Ausweg ...

Literatur, die alles andere als nullachtfünfzehn ist - genau die kriegt man mit den Büchern von Tore Renberg in die Hände. Diese versetzen einen in einen Leserausch sondergleichen. Während der Lektüre von "Wir sehen uns morgen" fühlt man sich ganz schwindelig und außerdem geradezu trunken vor lauter Leseglück und noch mehr -begeisterung. Der Autor kann schreiben, und das so gut wie nur die wenigsten. Stunden-, sogar tagelang ist man dank Renberg wie auf Drogen, regelrecht high! Man möchte gar nicht mehr, dass dieses Lesevergnügen ein Ende hat. Es gibt nur wenige Erzähler von der Sprachwucht eines Tore Renberg. Seine Geschichten lassen den Leser die Welt um sich herum vollkommen vergessen. Man kann sich ihrer Sogwirkung partout nicht entziehen - egal, ob man will oder nicht.

Tore Renberg gilt als einer der aufregendsten norwegischen Schriftsteller seiner Generation. Seine Romane besitzen die (Spreng-)Kraft von Dynamit oder mindestens einer Bombe. So geniale Unterhaltung wie mit "Wir sehen uns morgen" findet man höchstens noch bei einer Margaret Atwood. Nach nur wenigen Sätzen haut es einfach jeden glatt um. Absolut wow, wow, wow! Nichts und niemand reicht an Renberg heran.

Susann Fleischer
15.05.2017

 
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Das Buch:

Tore Renberg:
Wir sehen uns morgen. Aus dem Norwegischen von Elke Ranzinger

Bild: Buchcover Tore Renberg, Wir sehen uns morgen

München: Heyne Verlag 2017
736 S., € 24,99
ISBN: 978-3-453-27073-2

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