Krimis & Thriller

Schluss , aus , vorbei!

Die Redaktion des "Abendblatt" hat ihre Leser darüber abstimmen lassen, zu welchen ungeklärten Verbrechen durch die Zeitung neue Recherchen aufgenommen werden sollen. Ein alter Fall, über den bereits vor 15 Jahren die damals noch junge "Abendblatt"-Redakteurin Annika Bengtzon berichtet hatte, hat den Zuschlag bekommen. Der Mord an der neunzehnjährigen Josefin Liljeberg, die als Stripperin in einem Sexclub gearbeitet hatte, konnte niemals aufgeklärt werden. Doch beschäftigt Annika zurzeit nicht nur dieser ungelöste Fall aus der Vergangenheit. Als vor kurzem ein schwedischer Politiker gefoltert worden war, konnte der Schuldige dieser Gräueltaten ebenfalls noch nicht überführt werden. Es kommt für die vielbeschäftigte Annika allerdings noch viel dicker, als nämlich ihre Schwester Birgitta verschwindet. Eine familiäre Tragödie könnte die labile Annika vollends aus dem Gleichgewicht bringen und aus der Bahn werfen.

Im Jahre 1998 war ein gewisser Helmut Kohl hierzulande noch als Bundeskanzler in Amt und Würden und das Zeitungswesen kannte zwar bereits ein gewisses Internet, arbeitete jedoch noch weitgehend analog. Zu dieser Zeit stellte in Schweden eine hoffnungsfrohe Autorin namens Liza Marklund einen Roman über eine investigative Journalistin mit dem Titel "Sprängaren" fertig. "Olympisches Feuer", so der Titel der deutschen Übersetzung, war der Auftakt zu einer Erfolgsserie sondergleichen. Im Abstand von ein bis zwei Jahren ließ Marklund anschließend immer weitere Fälle für die stets eng mit der Polizei zusammenarbeitende Annika Bengtzon folgen. Dabei entwickelte die Autorin die zentralen Charaktere, insbesondere Annika und ihr privates Umfeld, kontinuierlich weiter und ließ sie mal Höhen erklimmen, aber auch tiefe emotionale Täler durchschreiten.

Mit dem aktuell erschienenen "Verletzlich" ist nun der elfte und letzte Band um Annika Bengtzon erschienen. Liza Marklund hatte bereits im Vorfeld erklärt, dass dieser nun unwiderruflich den Abschluss der Reihe bilden werde. Beim Lesen stellt man auch schnell fest, dass sich die Autorin mit der festen Absicht an ihren Rechner gesetzt hat, die letzten losen Enden zusammenzuführen und zum Abschluss zu bringen. Viele Fäden aus der privaten Vergangenheit Annikas werden aufgegriffen, so nimmt der Tod ihres Ex-Freundes Sven, an dem Annika bekanntermaßen nicht ganz unbeteiligt war, zentralen Raum ein. Annika muss sich ihren Geistern stellen und am Ende ihres Rollendaseins alles verarbeiten. Die beiden zentralen Handlungsstränge um die vor anderthalb Jahrzehnten ermordete Josefin sowie den gefolterten Politiker entstammen ebenfalls früheren Fällen, und zwar aus "Studio 6" sowie "Jagd", dem zehnten Teil aus dem vergangenen Jahr.

Die Protagonistin ist im vorliegenden Buch wegen ihrer Panikattacken bei einer Psychologin in Behandlung. Annika muss zunächst vor allem mit sich selbst und ihrer Vergangenheit fertig werden. In Kombination mit dem Verschwinden ihrer Schwester birgt dieser labile Zustand natürlich gewaltigen Sprengstoff. So kehrt Annika zu den Wurzeln ihrer Kindheit zurück, in das Dorf ihrer Eltern, um sich dort auf Birgittas Spuren begeben zu können. Dabei wollte sie doch eigentlich nur ihr neues privates Glück mit Jimmy Halenius festigen, nachdem sie mit ihrem geschiedenen Ex-Mann Thomas und den Scherereien um die beiden gemeinsamen Kinder schwere Jahre durchlitten hat.

"Verletzlich" unterliegt für diejenigen Leser, die um die darin aufgegriffenen Fäden wissen, totaler Spannung, das Buch kennt keine Längen und erscheint einem fast schon etwas zu kurz geraten. "Verletzlich" hätte gut und gerne auch hier und da detaillierter sein können, dennoch wirkt es wie aus einem Guss geschrieben. Als Leser beschleunigt man im Laufe des Buches sein Lesetempo, um mit der Rasanz der Fälle mithalten zu können. Im Vergleich zu einigen der späten Folgen bildet "Verletzlich" ein absolutes Highlight zum Abschluss der Reihe um Annika Bengtzon. Liza Marklund hat alle Energien der Reihe nochmal zum Leben erweckt und in "Verletzlich" gebündelt zu einem sauberen Abschluss geführt.

Christoph Mahnel
11.04.2016

 
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Das Buch:

Liza Marklund: Verletzlich

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Berlin: Ullstein Verlag 2016
352 S., 14,99
ISBN 978-3-550-08062-3

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