Krimis & Thriller

Die braune Gefahr

Peter Probst hat keine leichtverdaulichen Inhalte zum Thema seines jüngst erschienenen ersten Kriminalromans "Blinde Flecken" gemacht. Er fasst ganz im Gegenteil ein glühendheißes Eisen an, das tiefe Wunden in der deutschen Geschichte hinterlassen hat und das - auch wenn es von vielen lieber totgeschwiegen wird - auch heute brandaktuell ist: Probsts Ermittler Anton Schwarz untersucht die antisemitischen Hintergründe einer Amokfahrt in München, bei der ein Jugendlicher getötet, vier weitere zum Teil schwer verletzt wurden, und gerät immer tiefer in den braunen Sumpf rechter Gesinnung.

Entsprechend aggressiv ist der Auftakt des Krimis, der den hasserfüllten Anschlag des jungen Tim Burger auf eine Gruppe minderjähriger Mitglieder eines jüdischen Sportvereins in schillernden Farben malt. Vier Jahre nach der Tat soll Burger nun vorzeitig aus der Haft entlassen werden, was den jüdisch-stämmigen Anwalt Karl Loewi auf den Plan ruft, dessen Nichte seit dem Vorfall im Rollstuhl sitzt. Er ist der Meinung, dass bei den Ermittlungen im Fall Burger zu viele der Beteiligten "Blinde Flecken" in ihrer Wahrnehmung hatten und deshalb die wahren Beweggründe Burgers nicht erkannt wurden. Da er in Tim Burger eine rechtsradikale Gefahr sieht, engagiert er den Privat-Ermittler Anton Schwarz, der als ehemaliger Polizist Licht ins Dunkel bringen soll.

Dabei könnte Burgers ehemaliger Zellengenossen Marco Kessler, den Loewi als Bewährungshelfer unterstützt, eine Hilfe sein. Er erzählt den beiden auch etwas über ein braunes Netzwerk. Nach dem Brandanschlag auf eine türkische Familie, die Burger nach dessen Amokfahrt der Polizei übergeben hatte, ist Kessler jedoch spurlos verschwunden und taucht erst nach Burgers Entlassung wieder auf - ermordet! Von Burger geht also tatsächlich eine enorme Bedrohung aus, vor allem als klar wird, dass er im Besitz einer Handgranate ist.

Für enormes Aufsehen sorgt schließlich der Gefängnispsychologe von Medingen, der Burgers vorzeitige Haftentlassung durch sein Gutachten erst ermöglicht. Er gründet eine rechte Partei und weckt damit den empörten Protest der Öffentlichkeit, die sich in einer Kundgebung Gehör verschaffen will, welche Loewis Nichte organisiert und großen Zuspruch findet. Auf dieser Demonstration taucht Tim Burger auf - mit der Handgranate...

Bisher hat sich Peter Probst vor allem als Drehbuchautor einen Namen gemacht, zum Beispiel für den "Tatort". Diese Eigenschaft des Verfassers kann der vorliegende Kriminalroman nicht verleugnen: Er zeichnet sich vor allem durch die starke Szenenhaftgkeit der Darstellungsweise aus. Diese verleiht Probsts Krimi ein rasantes Tempo, das kaum durch retardierende Momente aufgehalten wird, wobei es dem Autor jedoch vortrefflich gelingt, dem Leser trotzdem wichtige Informationen zukommen zu lassen. Raffiniert verknüpft Probst das Ich seiner Hauptfigur immer intensiver mit dem Fortgang der Ermittlungen, die für Schwarz mehr und mehr zu einer Reise zu sich selbst werden. Ein mehr als gelungenes Debüt!

Christian Götz
22.02.2010

 
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Das Buch:

Peter Probst: Blinde Flecken. Schwarz ermittelt

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Mnchen: dtv 2010
254 S., 8,95
ISBN: 978-3-423-21195-6

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