Krimis & Thriller

Durch die Hlle

Hauptkommissar Claudius Zorn ist am Boden zerstört. Gerade noch war er mit seiner Langzeitfreundin Frieda, der schlagfertigen Staatsanwältin, in der Oper, da fährt ein heranrasendes Auto einfach über Frieda hinweg und tötet sie. In den Tagen danach möchte Zorn nicht mehr aufwachen. Doch Schröder, sein kongenialer Partner, und Zorns Umfeld sorgen dafür, dass sich der Hauptkommissar wieder auf die Basics des Lebens besinnt. Rasch wird auch sein Spürsinn geweckt, nachdem das BKA diesen Tötungsfall übernommen hat und Zorn und Schröder von jeglichen Informationen fernhält. Zwar ließe sich dieses Versteckspiel als Sicherheitsmaßnahme erklären, doch die beiden ungleichen Ermittler wittern ein bewusst undurchsichtig gehaltenes Spiel.

Tarek Macha, der junge Fahrer des Unfallautos, liegt derweil schwer verletzt im Krankenhaus. Doch nach nur wenigen Tagen gelingt ihm trotz seiner körperlichen Einschränkungen die Flucht. Hatte er womöglich Unterstützer? Tareks Leben gleicht einer Achterbahnfahrt. Erst litt er in jungen Jahren unter der Trennung seiner Eltern, später lebte er dennoch wie auch seine beiden Halbbrüder ein privilegiertes Leben, muss allerdings aus nächster Nähe dem Mord an seinem Halbbruder beiwohnen und schließlich um sein Leben bangen. Als er wenige Tage nach seiner Flucht ermordet aufgefunden wird, ist Zorn und Schröder klar, dass es hier einige Ungereimtheiten und ganz sicherlich eine Verbindung zwischen dem Mord an Tarek und Friedas Unfalltod gibt. Trotz der immer noch vorhandenen Schockstarre stürzt sich Claudius Zorn zusammen mit Schröder in die Ermittlungen, denn zu verlieren hat er nichts mehr.

Stephan Ludwig ist der kreative Kopf hinter dem ungewöhnlichsten Ermittler-Duo des deutschen Buchmarkts. Zorn und Schröder lässt der in Halle an der Saale ansässige Autor seit 2012 ermitteln. Herausgekommen sind dabei mittlerweile 13 Bücher. "Zorn - Schwarze Tage" lautet der Titel des allerneuesten Falls, in dem Ludwig seinen grummeligen Protagonisten durch die Hölle schickt. Seit dem Auftakt der Reihe hat der Autor stets in konsequenter Jahrestaktung einen neuen Fall nach dem anderen herausgebracht. Doch dieses Mal hat er seine Anhänger länger warten lassen. Die Gründe hierfür schildert der Autor in einem sehr offenen und humorvollen Nachwort. Selten war ein Nachwort lesenswerter als in diesem Buch.

Das altbekannte Setup von Zorn und seinen Freunden wird im vorliegenden Buch kräftig durcheinander gerüttelt. Zwar hat Ludwig seine Charaktere schon immer stark darben lassen, ihnen Extremitäten geraubt oder sie an den Rollstuhl gefesselt, doch Friedas Unfall sorgt beim Leser gleich zu Beginn für einen erheblichen Schockmoment, so dass man sich fragt, wie denn Zorns Leben und dieses Buch überhaupt weitergehen können. Doch gelingt es dem Autor, beides allmählich wieder in Schwung zu bringen und - ohne zu viel zu verraten - am Ende mit einer unglaublichen Wendung aufzuwarten. Das blinde Verständnis zwischen Zorn und Schröder ist es, das dieses 13. Buch der Zorn-Reihe fast ganz alleine trägt. Die beiden können sich ohne Worte verständigen, und der Leser wohnt diesem Schauspiel staunend bei. Wohl noch nie hat es eine ungleichere und intensivere Männerfreundschaft gegeben.

Das Buch ist durchzogen von vielen Rückblenden, die teilweise über mehr als ein Jahrzehnt zurückblicken und peu à peu Einblick geben in das Leben von Tarek Macha und den Familien-Clan, in dessen Machenschaften Tarek und seine beiden Halbbrüder ungewollt hineingezogen werden. "Zorn - Schwarze Tage" besticht trotz aller Schatten, die über den Gemütern der Protagonisten liegen, mit einem unterhaltsamen Schreibstil. Stets spürt man Ludwigs Augenzwinkern, wenn sich Zorn und Schröder mal wieder traumwandlerisch die Bälle zuspielen. Auch wenn es im vorliegenden Buch vielleicht die eine oder andere Ungereimtheit gibt, sieht man als Leser gerne darüber hinweg, da ein "Zorn" einfach ein Vergnügen ist, in dessen Genuss man weiterhin Jahr für Jahr kommen möchte.

Christoph Mahnel 
11.03.2024

 
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Das Buch:

Stephan Ludwig: Zorn - Schwarze Tage. Thriller

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Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2024 352 S., 13,00 ISBN: 978-3-596-70715-7

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