Krimis & Thriller

Wenn der Specht hmmert

Es flittert im Hause Dupin. Endlich, möchte man ausrufen, hat Kommissar Georges Dupin seine Claire geehelicht und befindet sich nun mit ihr in den Flitterwochen. Abseits vom Trubel des Alltags der beiden in Kommissariat und Klinik haben sie sich auf lukullische Pfade begeben und möchten von Château zu Château reisen, von einer Weinverkostung zur nächsten, unterbrochen nur durch Drei-, Vier- oder Fünf-Gänge-Menüs. Ein phantastischer Plan, der allerdings wie so oft im Leben der beiden durch einen Mord vereitelt wird. Zwar geschieht dieser an einem Ort, für den Dupin nicht zuständig ist und an dem er streng genommen auch überhaupt nicht ermitteln darf, doch handelt es sich bei dem ermordeten Winzer um den Ex-Mann einer guten Freundin von Claire. Obgleich Dupins Gattin grundsätzlich Ermittlungsaktivitäten ihres Mannes in gemeinsamer privater Zeit eher kritisch beäugt, ist sie es nun, die zusammen mit besagter Freundin Cécile und Dupin die Ermittlungen aufnehmen möchte.

Dupins Widerstand und Verweise auf Richtlinien und Zuständigkeiten zerschmelzen bei der vehementen Argumentation seiner Liebsten wie Butter in der Sonne. Bevor Dupin und die beiden Damen ihre Arbeit überhaupt richtig aufgenommen haben, geschieht bereits der nächste Mord, als ein Angestellter von Céciles ermordetem Ex-Mann mit einer Weinflasche erschlagen aufgefunden wird. Der Kreis der Verdächtigen kann recht klar umrissen werden, doch es sind viele Fragen zu klären: Handelt es sich um zwei Täter oder um einen Doppelmörder? Inwieweit spielt der offene Konflikt mit einem anderen Winzer in diesen Fall hinein? Sind etwa geschäftliche Aktivitäten aus dem Ruder gelaufen? Oder sind es wie so oft die amourösen Verstrickungen, die zum Äußersten geführt haben? Zusammen mit geballter weiblicher Ermittlungspower kann der unverwüstliche Dupin diese Herausforderung in malerischer Kulisse angehen.

"Bretonischer Ruhm" lautet der Titel des neuesten und mittlerweile zwölften Romans um Kommissar Georges Dupin aus der Feder von Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec. Seit 2012 liefert er stets im Juni seinen neuesten Fall für den nimmermüden Kommissar ab. Jedes Jahr wandert somit das als blaues Paperback daherkommende Buch in das Urlaubsgepäck, in diesem Jahr mit der Besonderheit versehen, dass auch der Protagonist im Urlaub weilt. Der kundige Leser wird sich daran erinnern, dass Dupin auch schon in "Bretonisches Leuchten", dem sechsten Roman der Reihe, urlaubte und es sich dabei nicht verkneifen konnte, Ermittlungen anzustellen. Damals musste er noch heimlich agieren, da er ansonsten Verstimmungen mit Claire erwartete. Doch dieses Mal ist alles anders, nimmt schließlich seine Frau die Hauptrolle ein und ist der Motor bei der Aufklärung dieses Doppelmordes.

Das vorliegende Buch besteht zu großen Teilen aus Schlemmen und Schlürfen, wobei sich der Autor angesichts ausufernder Weinverkostungen ein wenig lustig macht über selbsternannte Wein-Experten und die Streuung ihrer geschmacklichen Empfindungen. Des Weiteren hat der Autor einen Nebenstrang kreiert, der Dupin die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, da ein Grünspecht und später auch noch ein Schwarzspecht Dupins in Concarneau zurückgelassenes Holzhaus auserkoren haben, um sich auszutoben, was wohl tatsächlich die Substanz eines Holzhauses in arge Bedrängnis zu bringen vermag. Die Bemühungen von Dupin und seinen Freunden sorgen für viel Schmunzeln beim Leser.

Jean-Luc Bannalec gelingt es famos, in der Reihe um Kommissar Dupin trotz der fortschreitenden Anzahl an erschienenen Büchern das Niveau hochzuhalten, denn "Bretonischer Ruhm" gehört definitiv zu den besten Büchern in dieser Reihe. Womöglich ist dies auch der Abwechslung geschuldet, die der Autor dieses Mal dadurch reinbringt, indem er Dupin von seiner Gefolgschaft aus Concarneau weitestgehend getrennt hält. Natürlich hält Nolwenn als heimliche Chefin im Hintergrund die Zügel beisammen und organisiert einen Undercover-Einsatz zur Sicherheit Dupins. Das entscheidende Erfolgsgeheimnis ist jedoch, dass es der Autor wie fast immer schafft, mit einem Schreibstil zu brillieren, der einen das Buch viel zu schnell verschlingen lässt.

Christoph Mahnel 
31.07.2023

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Jean-Luc Bannalec: Bretonischer Ruhm

CMS_IMGTITLE[1]

Kln: Kiepenheuer & Witsch 2023 336 S., 18,00 ISBN: 978-3-462-05404-0

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.