Krimis & Thriller

Der Beginn der italienischen Kriminalliteratur

Der eine ist ein Lebemann, ein großer Spieler: Baron Carlo Coriolano, letzter Nachfahre aus dem neapolitanischen Geschlecht Di Santafusca. Im Taumel der italienischen Einigungskriege spielte er noch eine glänzende Rolle; jetzt, in den 1880er-Jahren des neuen Italien, ist der 45-Jährige vor den Augen aller ruiniert. Der andere ist ein Priester, zerfressen von Habgier und Geiz: Don Cirillo, der Gewinn-Nummern der Lotterie weissagt. Beide treffen beim Verkauf des verfallenden Landguts der Santafuscas aufeinander. Der eine will dadurch dem Gefängnis entgehen, der andere wittert das Geschäft seines Lebens. Doch im Baron Santafusca steckt ein Raskolnikow: Er will den Priester in eine Falle locken. Doch wen dürfte es verwundern? Nicht immer, eigentlich nie, kommt es so wie geplant. Und so bahnt sich langsam, aber sicher eine Katastrophe an.

Wovon Baron Di Santafusca nämlich keine Ahnung hat: Noch am letzten Tag vor seinem plötzlichen Verschwinden aus Neapel hat Don Cirillo einem Hutmacher zu einem fulminanten Lotteriegewinn verholfen. Der war kurz vor dem finanziellen Ruin. Nun ist die Existenz des Hutmachers wieder gesichert, und seine Familie kann wieder in Frieden leben. Din Cirillo war sein Heilsbringer. Doch danach ward dieser nie mehr gesehen. Im Gegensatz zu dessen Kopfbedeckung. Wie ein quälender Dämon taucht Don Cirillos Hut mit dem leuchtenden Seidenband immer wieder auf, droht den Mörder zu überführen und treibt den vermeintlichen Übermenschen Di Santafusca eher über kurz als lang in den Abgrund des Wahnsinns, mit der Erkenntnis: "Der Priester war stärker als er."

Crime-Time, die begeistert wie kaum etwas anderes im Bücherregal - Emilio De Marchis "Baron Santafusca und der Priester aus Neapel" liest sich wie ein Sherlock-Holmes-Krimi, allerdings mit den legendären Don Camillo und Peppone als Hauptfiguren. Da ist es nur wenig verwunderlich, dass man nach wenigen Sätzen schier ausflippt vor lauter Lektürefreude und sich geradezu high fühlt ob des Schreibkönnens des italienischen Autors. Das haut einen glatt vom Hocker! Während der knapp 380 Seiten kommt Langeweile zu keinem Satz auf. Hier geht es Schlag auf Schlag. Man kommt nur äußerst selten mal zu einer kurzen Atempause. Und selbst dann will man diese eigentlich nicht nehmen. Denn dieser Roman ist nicht mehr oder weniger als das Nonplusultra unter den Veröffentlichungen dieses Jahres. Darüber hinaus ein Riesenspaß voller Überraschungen!

Die Erscheinungen des Berliner Verlags Die Andere Bibliothek sind ein ganz großer Wurf, geradezu Geniestreich auf dem deutschen Literaturmarkt. Sind diese doch Kunst der grandiosesten Sorte, ohne jeden Zweifel ein Juwel zwischen zwei Buchdeckeln. Auch der Krimi "Baron Santafusca und der Priester aus Neapel" von Emilio De Marchi bedeutet Unterhaltung weit abseits des Mainstreams, alles, aber ganz sicher nicht nullachtfünfzehn. Das lohnt eine Entdeckung! Sogar unbedingt!!!

Susann Fleischer 
18.07.2022

 
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Das Buch:

Emilio De Marchi: Baron Santafusca und der Priester aus Neapel. Ein Kriminalroman. Aus dem Italienischen von Christiane Phlmann

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Berlin: Die Andere Bibliothek 2022 376 S., 44,00 ISBN: 978-3-8477-0449-2

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