Kinder- & Jugendbcher

Ein Traum so alt wie die Menschheit

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit. Bereits vor Jahrhunderten beschäftigte die Menschen der sehnsüchtige Wunsch, sich aus eigener Kraft wie ein Vogel in die Lüfte emporschwingen zu können. So auch den großen Leonardo da Vinci, dessen Leben und Werk, darunter auch die wichtigsten Gemälde, in dem reich illustrierten Kindersachbuch "Der Traum vom Fliegen" anschaulich vorgestellt wird, stets vor dem Hintergrund, dass Leonardo wohl der bekannteste Zeichner von Flugmaschinen ist. Hierbei wird deutlich, dass sich Leonardo nicht nur für die Frage interessierte, ob der Mensch vielleicht doch fliegen könnte, sondern auch für den Flug der Vögel, um diese Erkenntnisse zu übertragen und selbst einen Flugapparat entwerfen zu können. In diesem Zusammenhang werden auch physikalische Phänomene und Gesetzmäßigkeiten wie der Luftwiderstand erklärt und es wird vermittelt, warum Leonardo da Vinci die Flügel der Fledermaus und eben nicht die des Vogels als Vorbild für seine Flugapparate nahm.

Aber auch mehrere hundert Jahre später, lange Zeit nach der Ära von Leonardo da Vinci, hat trotz der Erfindung des Flugzeugs der Traum vom Fliegen aus eigener Kraft nie aufgehört. So baute zum Beispiel auch Gustav Mesmer, den man den "Ikarus vom Lautertal" nannte, Flugapparate aus Schrott - seine Zeichnungen und Flugobjekte werden seit seinem Tod 1994 gesammelt und sollen in einem Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein weiteres Beispiel für ein ungewöhnliches Flugobjekt ist der "Letatlin" des russischen Künstlers Wladimir Tatlin, der um 1930 einen Flugkörper aus wenigen dünnen Metall- und Holzrohren baute, der jedoch leider nicht fliegen konnte. Letztendlich wird in den Ausführungen von Susanna Partsch und Rosemarie Zacher deutlich, dass viele Künstler in ihrem Versuch zu fliegen, scheiterten wie schon Ikarus, dessen Sturz immer wieder dargestellt wurde.

Jedoch verweilen die Autorinnen nicht in kunsthistorischen Betrachtungen und in der Darstellung physikalischer Gesetzmäßigkeiten, sondern bieten immer wieder innovative Bastelvorschläge, so finden sich zum Beispiel praktikable Anleitungen zum Bau kleiner Engel aus verschiedenen Haushaltsresten (zum Beispiel abgerollte Klorollen), zum Basteln kleiner Fallschirme, Papierhubschrauber und Federflieger bis hin zu Katapultfliegern und Wasserraketen. Dabei sind die Ideen äußerst kreativ und mit einfachsten Materialien, die man zu Hause oder in der Natur findet, gut umsetzbar. Die einzelnen Schritte werden durch kleine Skizzen illustriert, so dass ein Gelingen vorprogrammiert ist und Kinder die theoretisch gewonnenen Erkenntnisse zur Kunst des Fliegens gleich in die Praxis umsetzen können.

So bleibt den Menschen also nur der Traum vom Fliegen, der wohl unerfüllt bleiben wird. Eröffnet wird durch die kreativen Ideen jedoch die Möglichkeit, selbst kleine Flugapparate wie Papierflieger oder Drachen zu bauen - bestens gerüstet in Theorie und für die Praxis ist man nach der Lektüre dieses ebenso schlauen wie anschaulichen Büchleins jedenfalls.

Alles in allem also ein außergewöhnliches Kunstbuch, das sich nicht nur kognitiv dem Thema "Fliegen" in der Kunst widmet, sondern dieses für Kinder im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar macht, dabei die Künstler nicht aus dem Blickfeld verliert, aber stets das Thema an sich im Vordergrund belässt und durch die Jahrhunderte verfolgt. So darf man für die beiden Autorinnen hoffen, dass nach der diesjährigen Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis in wenigen Monaten auch ein Preis folgt und damit wahrscheinlich ein eigener, kleiner Traum in Erfüllung geht!

Claudia Birk-Gehrke
02.06.2009

 
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Das Buch:

Susanna Partsch, Rosemarie Zacher: Der Traum vom Fliegen. Wie Leonardo & Co. sich und anderen Flugapparate bauten

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Berlin: Berlin Verlag 2008
70 S., 14,90
ab 10 Jahren
ISBN: 978-3-827-05297-1

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