Kinder- & Jugendbcher

Erhobener Zeigefinger seit ber 160 Jahren

Kurz vor Weihnachten 1844 begab sich der Frankfurter Arzt Dr. Heinrich Hoffmann in die Stadt, um für seinen dreijährigen Sohn ein passendes Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Ein Bilderbuch sollte es sein für seinen ältesten Spross. Enttäuscht und mit leeren Händen kam er jedoch von seinem Einkaufsbummel nach Hause. Kurzerhand entschloss er sich, selbst ein Bilderbuch für seinen Sohn zu zeichnen und mit Versen zu versehen. Was ursprünglich nur als persönliches Exemplar für das eigene Kind gedacht war, sollte über 160 Jahre später immer noch als Kinderbuchklassiker in den Bücherregalen zu finden sein.

Die Geschichten vom Struwwelpeter, dem bösen Friederich, dem argen Wüterich, von Paulinchen, das mit dem Feuer spielt, oder dem daumenlutschenden Konrad – um nur wenige der Figuren zu nennen, die Hoffmann in seinen gezeichneten und gereimten Geschichten dargestellt hat – sind heutzutage allseits bekannt und sogar als geflügelte Worte, wie der Zappel-Philipp oder Hans Guck-in-die-Luft, in unsere Sprache eingegangen und aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken.

Der Arzt Heinrich Hoffmann, der sich hauptsächlich als Psychiater einen Namen machte, musste jedoch trotz des großen Erfolges und der vielen Neuauflagen häufig Kritik für seinen „Struwwelpeter“ einstecken. So bezeichneten ihn schon Hoffmanns Zeitgenossen als zu märchenhaft, die Bilder als zu fratzenhaft und zu derb. In den letzten Jahrzehnten dann musste er sich mehr oder weniger der Kritik der antiautoritären Pädagogen unterziehen, die die im Buch dargestellten Erziehungsmethoden – dem Daumenlutscher Konrad werden die Daumen abgeschnitten, das zündelnde Paulinchen verbrennt und der Suppen-Kaspar, der seine Suppe nicht essen will, verhungert – als zu brutal empfinden und verdammen.

Hoffmann hat sich zwar in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main zum größten Teil einen Namen als Arzt im Stadtteil Sachsenhausen und als Leiter der „Anstalt für Irre und Epileptische“ gemacht, wird aber zu seinem 200. Geburtstag im Jahre 2009 mit dem Heinrich-Hoffmann-Sommer und vielen Ausstellungen in Frankfurt für seinen Beitrag zur Kulturgeschichte gefeiert und gewürdigt. Die vorliegende Ausgabe des „Struwwelpeter“ enthält neben den „lustigen Geschichten und drolligen Bildern“ ein Nachwort des Verfassers über die Entstehungsgeschichte und bietet somit den Eltern, die ihren Kindern den Struwwelpeter vorlesen, interessante Hintergrundinformationen zum wohl bekanntesten Kinderbuch der Welt.

Sabine Mahnel
12.01.2009

 
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Das Buch:

Heinrich Hoffmann: Der Struwwelpeter oder lustige Geschichten und drollige Bilder

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Zrich: Diogenes Verlag 2007
48 S., 12,90
ab 3 Jahren
ISBN: 978-3-257-01115-9

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