Gedichtbnde

Mit der Seele gemalt, damit die Welt sich daran freue

Weil die armen Zeitungen die Welt nicht abbilden, sondern vor ihren Hässlichkeiten warnen sollen, wie sie meinen, sucht der Mensch etwas, was die Balance hält. Das holt eine Lyrik auf den Plan, wie wir sie im kleinen Buch "Mit der Seele malen" von Gertrud Pauly finden. Es ist, als ob uns die lebensgeübte Dichterin aus Anlass ihres runden Geburtstages drei Blumensträusse hinhalte.

Der erste stammt direkt aus der Natur, wo die Bildhaftigkeit begehbare Einsichten bereithält, die frische Zuversicht und Kraft mit auf den Weg geben. Gertrud Pauly vermag in Farben hineinzuhorchen und sieht den inneren Rhythmus in den Wellen. Dafür hält sie offene Sinne bereit, die mit gekonntem Mass das Bild der Welt erkennen lehren. Das ist es doch, was den Zauber erst fühlen lässt, der sonst Gefahr läuft, unter dem Müll der Betriebsamkeit zu ersticken. Wir kommen dem Versteck im Schlaf auf die Spur und lauschen.

Und schon wagt es der zweite Strauss, Lebensgefühl empfinden zu lassen. "Träume" sind in nur sechs Zeilen gefasst, aber sie fangen alles ein, ohne je zu bedrängen. Es findet sich Unspektakuläres unter diesen Gedichten, die Tümpel der Welt, denen sonst. niemand ein Recht auf Erwähnung zuspricht. "Aber ein wenig hüpfen kann ich vor Freude", liest man in der zurückhaltenden Schreibe von Gertrud Pauly. Es sind eben kleine Meisterstücke, die es fertigbringen, die wertvollen unter den heranbrausenden Themen des Alltags greifbar zu machen. Und der Meister ist das Kleine Ich, Gertrud Paulys ureigene Schöpfung, die sich hier im überschaubaren Kreise dreht: "Das Kleine Ich wünscht still für sich, dass ihm, wenn's nicht weitergeht, sein Kleines Ich zur Seite steht." Man stellt erstaunt fest, dass da drinnen in der Seele das Perpetuum mobile längst zu drehen vermag, während da draussen noch mit physikalischen Gesetzen gehadert wird. Zu Recht macht Matthias Deusser in seinem Vorwort auf diese "literarische Marke" aufmerksam. Er spricht auch von einer Nische, wohl wissend, dass Nischen Chancen eröffnen.

Der dritte Strauss erfreut mit einer Übermütigkeit, die das Ernsthafte überhüpfen lässt. Hier zeigt die Dichterin im Wortspiel ihr grosses Können, gerade weil die Gedichte auf Überdimensionen verzichten. Gute Dichtkunst hat eine billige Grossmauligkeit nie nötig gehabt, und Gertrud Pauly schafft es mit einem schwungvoll hingelegten Wort.

Ronald Roggen
15.02.2016

 
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Das Buch:

Gertrud Pauly: Mit der Seele malen

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2015 63 S., 9,80 ISBN 978-3-8372-1848-0

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