Gedichtbände

Das Feuer des Lebens - Erotische Verse über die älteste aller Religionen

Schon die Überschrift ist mehrdeutig. Wie ein roter Faden begleiten teils versteckte, teils provokativ-offensichtliche Ambivalenzen den Leser durch André Pfoertners erotische Verse, die 2010 unter dem Titel "Instinktiv lasziv" im Verlag Steinmeier erschienen sind. Ausdrucksstark, bildhaft und gewagt detailliert erschließt der Autor seinen Lesern darin die älteste aller "Religionen": Das lustvolle Liebesspiel zwischen Frau und Mann. 

"Homo erectus - am Anfang war das Feuer" 

In dieser erotischen Fantasie spielen Shiva und Shakti, ein Götterpaar aus grauer Vorzeit, die Hauptrollen. Shakti, splitternackt am See, erregt die Lust eines im Verborgenen lauernden Steinzeitjägers, welcher sich beim Anblick der kurvenreichen Schönen erotischen Gedanken hingibt. Statt jedoch die Angeschmachtete in männlich-dominanter Weise zu "erlegen", widerfahren ihm gleich mehrere peinliche Missgeschicke, so dass Shakti die Flucht ergreift. 

Shakti entkommt in die nahegelegene Höhle von Shiva, auf den sie schon lange ein Auge geworfen hat. Ist er doch der einzige Mann, der das Feuer beherrscht - und das wohl im doppelten Sinne des Wortes! Anfangs zögert Shiva, bis ihn schließlich die Leidenschaft übermannt. Die Hitze der nun folgenden "Feuersbrunst" versengt nicht nur die Wände der Urzeithöhle ... 

"Memento frui - eine erotische Mittelalterphantasie in Reimen" 

In der zweiten Erzählung legt der Autor sein auf- und erregendes Bibelverständnis nieder. Die Geschichte spielt im 14. oder 15. Jahrhundert im Dom zu Brixen und "niedergelegt" wird darin neben besagten Bibeldeutungen vor allem die christlich-naiv erzogene Bäuerin Anna. Genau genommen geht sie freiwillig auf die Knie, vor Maria mit dem Jesuskind. 

Ihre Kinderlosigkeit lässt Anna schier verzweifeln und so hofft sie nun auf die Hilfe des heiligen Oswald, welcher, hartnäckigen Gerüchten zufolge, in derlei Dingen heilkundig in besagtem Dome tätig ist. 

Der Leser ahnt bereits, dass es sich bei Oswald mitnichten um den längst verblichenen Heiligen gleichen Namens handelt, sondern um einen im Schritt äußerst agilen Rittersmann, Oswald von Wolkenstein nämlich, dem ein vorwiegend erektiles Verständnis von Nächstenliebe eigen ist. 

Schnell findet die vollbusige Anna Gefallen an Oswalds Heilmethode und überrascht den standhaften Ritter nun ihrerseits mit einem geradezu fordernden, natürlichen Verlangen. 

*** 

Die urzeitliche Shakti beherrscht lediglich ein Vokabular von 150 Wörtern und auch Anna fällt es schwer, sich in Liebesdingen zu artikulieren. Immer wieder sieht sich der Autor daher veranlasst, sowohl die nonverbalen Lautäußerungen seiner Protagonistinnen wie auch ihre instinktiv um geschlechtliche Vereinigung bettelnde Körpersprache zu deuten. Und genau dies ist es, was André Pfoertner offensichtlich eine geradezu voyeuristische Freude bereitet - die Lust am geschriebenen Wort, mit der er seine Leser packt und bis zum org(i)astischen Schluss des Geschehens nicht mehr loslässt. 

Seine poetischen und zugleich delikaten Wortbilder menschlicher Lust sind eine brillante Mischung aus origineller Lyrik, Sanskrit und Latein. Eine höchst anspruchsvolle Kost, deren ganze Fülle erotischer Bedeutungen sich vor allem dem LANGSAM Genießenden erschließt! 

Mag sein, dass die "kultiviert-erigierten" Verse so manchen Leser erröten lassen. Dennoch dürfen Mann und Frau ganz ungeniert davon naschen - vielleicht mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht, vielleicht mit einem vieldeutig-verstohlenen Blick zum eigenen Liebesnest ...? 

Mario Lichtenheldt 
24.08.2010

 
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Das Buch:

André Pfoertner:
Instinktiv lasziv. Erotische Verse

Bild: Buchcover André Pfoertner, Instinktiv lasziv. Erotische Verse

Deiningen: Verlag Steinmeier 2010
92 S., € 12,80
ISBN: 978-3-939777-68-7

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