Gedichtbnde

Pein in Lyrik und Prosa

Aleksander Sascha Jovanovic, geboren 1970 in Belgrad, hat in diesem Büchlein bestimmte Zeiten seines Lebens anhand von Empfindungen erörtert. In Lyrik und Prosa hat er diese zum Ausdruck gebracht. Überwiegend traurig, tragisch, voller Pein und Reue, dieses und jenes getan zu haben. Der Titel "Anthologie des Schmerzes" hätte nicht treffender sein können.

Im Grunde geht es ihm wie vielen Menschen. Seine Erlebnisse und Empfindungen sind nichts besonders Schlimmes oder Neues und doch sind sie so speziell, dass sie einmalig sind, auch wenn Trauer, Glück, Schmerz und Liebe jeder empfinden kann.

Man hat beim Lesen das Gefühl, dass der Autor durchweg an das Gute im Menschen glaubt, an das Gute im Dasein und dass er auch nach zig negativen Erfahrungen noch nicht gelernt hat, dass dem nicht so ist. Doch das gehört zum Leben. Das erfährt auch er. Er trägt die Folgen seiner Entscheidungen konsequent, egal, wie fatal sie waren. Da ist man plötzlich mit jemandem befreundet, schnelle Intimitäten lassen von Liebe sprechen, das Du steht unangeboten im Raum. Alles viel zu schnell. Man bereut und auch nicht. Will das eine, aber nicht das andere. Situationstragik. Später dann doch die Person, die man liebt. Angst sie zu verlieren. Aus dem Grund schweigt man lieber und behält die Liebe und Verehrung für sich. Bloß nicht das Gegenüber vergraulen. Mit dem Resultat, dass sie wegzieht. Warum? Vielleicht, weil man ihr nicht gesagt hat, dass man sie liebt, was ein Grund gewesen wäre zu bleiben…

Dann tiefsitzender Schmerz über einen Verlust. Die Pein, ihm zu Lebzeiten nicht gesagt zu haben, dass man ihn liebt, diesen Freund, was er einem bedeutet. Unzählige verpasste und auf morgen verschobene Momente, bis es zu spät war und kein Wort ihn mehr erreichen kann. Wer kennt das Gefühl nicht, diesen tiefen Schmerz darüber, versäumt zu haben…

Der goldene Westen, Heimat, Familie und Freunde verlassen, im Glauben, das Richtige zu tun, dem gewachsen zu sein, um Jahre später zu erkennen, dass einen die Sehnsucht nach allem, was man zurück gelassen hat, fast umbringt. Das Gefühl jedem vor den Kopf gestoßen zu haben mit dieser Entscheidung, einschließlich sich selbst. Ernüchterung. Resignation. Oder die Erfahrungen, zu Lebzeiten einem Menschen nicht wirklich den Platz in seinem Herzen gegeben zu haben, obwohl dieser förmlich darum gebettelt hat, sich danach gesehnt hat. Doch es kam einen nicht in den Sinn, denjenigen so vordringen zu lassen, ihm das zu gewähren. Erst der Tod ermöglicht dieser Person, den Platz einzunehmen, den sie zu Lebzeiten so ersehnt hat.

Der Autor hat seinen tiefsitzenden Schmerz all seiner Unzulänglichkeiten, Erfahrungen und Erlebnisse in dieser feinen, hauchdünnen Lyrik und Prosa wiedergespiegelt, so dass sich jeder auch selber darin wiederfinden kann. Zeitweilig erdrückt einen diese Pein, die nicht zwischen den Zeilen steht, sondern einen offen erschlägt. Doch dann beginnt man nachzudenken. Bekommen wir so die Chance, es selber vielleicht noch im rechten Moment anders zu machen? Besser zu machen? Genauso zu machen? Es muss ja nicht falsch gewesen sein. Gibt es überhaupt gut und böse, falsch und richtig. Manchmal offenbart sich einem erst Jahre später im bösen Erwachen, dass die anderen doch Recht hatten oder gar Unrecht. Jedenfalls widmet der Autor nicht nur sich dieses Werk, sondern auch vielen anderen Menschen aus seinem Leben. Er verschafft ihnen die Anerkennung, die sie gewollt oder ersehnt haben.

Ein sehr persönliches, anrührendes, nachdenklich stimmendes Buch!

Tanja Küsters
02.03.2009

 
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Das Buch:

Aleksandar Sascha Jovanovic: Anthologie des Schmerzes

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2008
69 S., 8,90
ISBN: 978-3-8372-0272-4

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