Gedichtbnde

Lyrik ber das Leben und die Liebe

Poetisch und geistreich, aufgeweckt, weise und klug philosophiert Henri Haeckel über das Leben und über die Liebe, über die Freuden und über die Laster der Spezies Mensch, über die Höhen und Tiefen unseres wunderbaren, mitunter wundersamen Daseins. Dabei gelingt dem talentierten Dichter der bisweilen schwierige Spagat zwischen zauberhafter Poesie und prosaischer Aussage, zwischen lyrischer Sprache und klaren, unmissverständlichen Worten, zwischen Idealismus und Realismus. Und er zeigt auf, dass diese beiden Pole sich nicht zwangsläufig widersprechen müssen, gar in gesunder Balance einander ergänzend aufeinander einwirken können - vorausgesetzt, man lässt seinen gesunden Menschenverstand walten.

"Was immer wir täglich auch tun,
neben guter Musik zu hören und einige
vernünftige Worte zu sprechen,
sollten wir auch ein gutes Gedicht lesen;
sie lassen uns wechselseitig
am Puls des Herzens fühlen."
(Johann Wolfgang von Goethe)

Dieses Zitat von Goethe, welches der Autor seinen eigenen Gedichten voranstellt, spiegelt zugleich dessen persönliche Geisteshaltung und Lebensführung wider. Die Umsetzung dessen fasst er prägnant in einem eigenen Gedicht zusammen:
"Gedanken
sind die Braut der Fantasie,
durch den Geist
vollführt in Harmonie,
dass sich daran
erfreuet das Gemüt."

"Dass sich daran erfreut das Gemüt" - dies ist der Grundtenor des gesamten Gedichtbandes. Denn: Der Dichter möchte seine Mitmenschen wohl in vielerlei Hinsicht "aufklären", er möchte sie aber mitnichten "belehren" - und was eignet sich hierfür besser als die Poesie? Henri Haeckel nimmt sich die Freiheit, unschöne, missliche Dinge zu benennen und sie zu "beklagen", ohne dabei jedoch den oder die Verursacher "anzuklagen" oder gar zu "verklagen". Dabei zeigt sich stets menschlich-verständnisvoll, ist Menschenfreund, nicht Menschenfeind. Vielmehr möchte er den Menschen einen klaren Blick und gleichzeitig Flügel verleihen, die sie dorthin tragen, wo ihr Platz auf Erden ist.

"Die Seele
bestimmt die Harmonie
zwischen Geist und Körper;
ist sie erkrankt,
überlässt sie dem Laster
die Fantasie."

Was können wir also tun, um jene Harmonie zwischen Geist und Körper zu "erhalten" - um sie zu "behalten"? - Aus gutem Grund gab schon der weise Salomo, der König des alten Israel, seinen (Kindes-)Kindern den folgenden Rat: "Mehr als alles andere, hüte dein Herz, denn aus ihm strömt das Leben" (Sprüche 4,23).

Möge das Herz unser aller Herzensanliegen sein!

Alexandra Eryigit-Klos 
25.05.2020

 
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Das Buch:

Henri Haeckel: Der Muse holder Mund - Spiegelbilder der Erkenntnis

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Offenbach am Main: August von Goethe Literaturverlag 2019 306 Seiten, 21,80 ISBN: 978-3-8372-2303-3

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