Briefliteratur & Tagebuch

Eine unvergngliche Liebe

Gerda Nischans Familie hat viel durchmachen müssen in ihrem Leben. Die Briefe der Eltern der deutschen Autorin zeugen davon - genauso wie von den Gefühlen, die sie füreinander empfinden und die sie durch alle Widrigkeiten begleiten. "Briefe an einen
Kriegsgefangenen" ist ein Mahnmal für die unbedingte Zuneigung zweier Menschen, die den Sturm der Zeit nur mit Mühe und Not überstanden haben. Die Schriftstücke sind Teil der Chronologie einer großen Liebe, die nichts und niemand zerstören kann - auch nicht die Nationalsozialisten, die alles versuchten, um das Paar voneinander zu entzweien. Gerda Nischan erzählt dem Leser davon und lässt ihn teilhaben an einem wahren Drama der Leidenschaft.

Als sich Gerda Nischan Eltern 1928 in der Pfalz bei einer Zugfahrt kennenlernen, ahnen sie noch nicht, dass sie füreinander bestimmt sind und ihre Liebe für die Ewigkeit bestimmt sein soll. Auch von der dunklen Gefahr durch Adolf Hitler und seine Schergen ahnen die beiden zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Sie finden sich lediglich sympathisch und freuen sich auf die Abenteuer, die sie noch erwarten. Doch eine Beziehung scheint in ferner Sicht, denn Nischans Vater beabsichtigt, nach Amerika auszuwandern, während ihre Mutter in Deutschland auf Nachrichten von ihm hofft. Zwei Jahre später geben sie sich das Eheversprechen - entgegen aller Widerstände seitens der Familie.

Bis zur Heirat ficht Nischans Mutter einen Kampf nach dem anderen aus und trägt letzten Endes den Sieg davon. Das Paar feiert eine Hochzeit im kleinsten Kreis, sind glücklich - obwohl die Nationalsozialisten in Deutschland längst die Macht übernommen haben und ihr Vater wegen seiner Gesinnungen befürchten muss, in ein Konzentrationslager eingesperrt zu werden - und bekommen vier Kinder. Als er sich eher widerwillig zur Armee meldet, findet die Zeit zu zweit ein vorläufiges Ende. Erst Ende Januar 1948, nach mehrjähriger französischer Kriegsgefangenschaft können sich die beiden wieder in die Arme schließen. Das Leid hatte nun endlich ein Ende und Gerda Nischans Eltern konnte ihr Glück in vollen Zügen genießen - und zwar mit allen Höhen und Tiefen.

Im Frühjahr 2010 veröffentlichte die Gesellschaft für zeitgenössische amerikanische Literatur in deutscher Sprache (TR ANS-LIT 2) einige der Briefe an einen Kriegsgefangenen, die die Herzen gleich reihenweise bewegen und den Leser zu Tränen rühren. Gerda Nischan ist mit diesem Buch eine unglaubliche Sammlung an wertvollen Schriftstücken gelungen. Hier hat man bei der Lektüre das Gefühl, Teil dieser berauschenden Liebesgeschichte zu sein - so echt sind die Emotionen. Darüber hinaus sind diese Briefe der beste Beweis, dass während des Zweiten Weltkrieges nicht nur die Soldaten an der Front Ängste durchleiden mussten, sondern auch die Familie daheim.

Anja Rosenthal 
11.03.2013

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Gerda Nischan: Briefe an einen Kriegsgefangenen

CMS_IMGTITLE[1]

Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2010
82 S., 9,80
ISBN: 978-3-8372-0882-5

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.