Autobiographie

Ein Appell an die Vernunft und die jngeren Generationen

Deutschland, Nationalsozialismus, der 2. Weltkrieg und die Folgen: Ein immerwährendes Thema, in das der deutsche Staatsbürger heute schon in der Schulzeit eingeführt wird und das ihn wahrscheinlich fortan sein ganzes Leben lang begleitet. Der Autor Clemens Wagner, im Jahr 1932 geboren, hat die Nazizeit als Kind miterlebt und gehört damit auch zu den Menschen, die Deutschland nach der Zerstörung durch den Krieg wieder aufgebaut haben. Für das Wohlergehen, das für nachfolgende Generationen selbstverständlich war und ist, hat er mit seiner Generation das Fundament gelegt. Er bemängelt, dass dies bei den heutigen Politikern vergessen zu sein scheint. Von ihnen fordert er den Rentnern Respekt entgegenzubringen und ihnen das zuteil werden zu lassen, worauf sie einen Anspruch haben.

Wagner erzählt von seiner Kindheit in der Hitlerjugend, von der nationalsozialistisch-ideologischen Beeinflussung der Schüler durch die Lehrer und von der anschließenden Zeit des Terrors. Der Autor erlebte im September 1944 den Luftangriff auf Darmstadt, bei dem die Stadt durch Bombardement mit anschließendem Feuersturm gezielt zerstört wurde. Hochinteressant und bewegend beschreibt er, wie er als zwölfjähriger Junge mit seiner Mutter auf der Suche nach Schutz vor dem Feuersturm durch die Straßen floh. Überall stürzten Häuser ein, verbrannten Menschen bei lebendigem Leibe.

Die Ereignisse dieser furchtbaren Nacht sind auf die Moral-Bombing-Strategie zurückzuführen, auf die Wagner besonders eingeht und die er zu Recht vehement kritisiert. Mit Absicht wurden unter britischem Kommando keine militärischen Anlagen, sondern Wohngebiete bombardiert. Das Endziel sollte wie folgt aussehen: Knapp 70 Millionen zerstörte Wohnungen und Häuser, 900.000 Tote und eine Million Schwerverletzte - ein Großteil davon Frauen und Kinder. Auf diese Weise sollte der Kampfwille der deutschen Soldaten gebrochen werden.

Auch nach dieser Nacht blieben die Verhältnisse dramatisch. Viele der Überlebenden mussten hungern, waren ohne Obdach und schutzlos. Die Alliierten waren der Bevölkerung dabei keine Hilfe. Für die Reanimation des sozialen Lebens sorgten die Mütter, Väter gab es kaum noch. Der chaotische Zustand ohne kaufbare Lebensmittel, Polizei, Ärzte und Schulen hielt lange an. Eine mühsame Zeit des Wiederaufbaus begann.

Die Kinder von damals sind nun Rentner. Wagner kritisiert, dass ihre Lebensqualität mehr und mehr durch eine falsche Sozialpolitik abnimmt. Vielfach wurde ihnen zugesagt, die Rente sei sicher. Doch ständige Kürzungen führen dazu, dass die Rente zunehmend bescheidener wird und in immer mehr Fällen müssen Rentner beim Staat betteln gehen. Zudem wird ihnen das Gefühl gegeben, eine finanzielle Last für die Jüngeren zu sein. Wagner äußert zum Schluss den vorsichtigen Wunsch, dass durch sein "Büchlein die Wertschätzung unserer Rentner wieder auf einen angemessenen Wert angehoben" werde. Diesen Anspruch erfüllt "Rentner - Im Griff der Politiker heute. Im Bombenterror gestern" allemal und ist auch aus diesem Grunde sehr lesenswert.

Jennifer Mettenborg
25.01.2010

 
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Das Buch:

Clemens Wagner: Rentner - Im Griff der Politiker heute. Im Bombenterror gestern

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2009
238 S., 18,80
ISBN: 978-3-8372-0552-7

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