Autobiographie

Persnliche Nachkriegserfahrungen von Engelbert Sauter

Engelbert Sauters autobiografischer Text "Damit die Kinder nicht vergessen" erschien 2018 in der Weimarer Schiller-Presse. Der Autor bringt darin seine persönlichen Nachkriegserfahrungen zu Papier.

Engelbert Sauter ist Kriegskind Jahrgang 1941, seine Geburtsstadt Stuttgart. Zunächst Notar, setzt er seine berufliche Karriere mit großem Engagement sowohl in der Politik wie auch im Fernsehen fort. Ob als Pressesprecher oder Moderator, stets sucht er die offene Plattform.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs ist Sauter erst vier Jahre alt; aber in außergewöhnlichen Zeiten prägen sich bestimmte Dinge stärker ein, und natürlich verschmilzt auch einiges mit den Erzählungen seines Vaters, wenn der Autor seine Eindrücke ab 1945 aufschreibt. Doch was war Veranlassung für diesen Entschluss?

"Meine damals noch schulpflichtige Tochter kam eines Tages ziemlich genervt nach Hause und erklärte, sie brauche jetzt für eine Schularbeit eine Person, die authentisch über Zustände nach dem Krieg erzählen könne." Kurzerhand stellt sich Sauter selbst als Zeitzeuge zur Verfügung. Jetzt, mit seinem Buch, geht er noch einen Schritt weiter und hält seine subjektiven Erfahrungen schriftlich fest, um sie zu veröffentlichen. Denn: "Vielleicht bleibt ja ... etwas hängen!"

Sirenen, Bombenangriffe, Luftschutzkeller. Die Nachricht im Radio, dass Stuttgart brennt. Und als alles vorbei ist, das Warten auf die Heimkehr des Vaters aus der Gefangenschaft. Die Not der Bevölkerung im Nachkriegsdeutschland. Stallhasen, Ersatzkaffee und Carepakete.

Sauter blickt zurück. Auch und vor allem auf sein "Privileg" einer widerstandsaktiven Familie während des Dritten Reichs, jener Jahre des unmenschlichen Terrors, der Unterdrückung und brutalen Gewalt, des Rückfalls in die Barbarei.

Im Zentrum: der Kampf seines mutigen Vaters gegen das Naziregime. Ein aufrichtiger und gläubiger Mann war er, der nie nur bei Worten verblieb, sondern die Tat suchte, der politisch Schwankende aufrichtete und Zwangsverschleppten half; stets seiner Überzeugung treu, bewies er: Es gab auch noch anständige Deutsche, die das nationalsozialistische System ablehnten.

Offenheit wurde in der Familie großgeschrieben, gerne war man im "Politisieren" begriffen. Und so tritt Sauter heute in die Fußstapfen seines Vaters, wenn er sich dem schweren historischen Erbe der Nazizeit stellt. Sein Anliegen gilt insbesondere der Jugend, die als Träger der Zukunft Anrecht auf eine wahrheitsgetreue Kunde hat von der schlimmsten Phase der deutschen Geschichte. Und die weiterhin Antwort sucht auf die Frage, wie ein Volk damals derart manipuliert werden konnte.

Wenn Sauter erzählt und schreibt, ist er ganz Profi. Jedes Stichwort ein Kapitel, ergänzen sich historische Fakten, Erfahrungen und Erinnerungen, unterhalten Anekdoten. Exkurse entführen kurzweilig aus der Thematik, immer wieder spannt sich der Bogen aber auch in die Jetztzeit und schlägt die so wichtige Brücke zwischen den Generationen.

Sauter arbeitet eine nicht einfache Zeit unserer Vergangenheit auf; er leistet einen echten Beitrag, dem man auch als Leser gerne Respekt zollt.

Dr. Annette Debold 
18.05.2020

 
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Das Buch:

Engelbert Sauter: Damit die Kinder nicht vergessen

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Offenbach am Main: Weimarer Schiller-Presse 2018 188 S., 18,80 ISBN: 978-3-8372-2163-3

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