Medien & Gesellschaft

Ein großer philosophischer (Ent-)Wurf

Ist der Mensch für sein Handeln verantwortlich oder nur ein willenloses Produkt von Biologie und Umfeld? Da wir fähig sind zu denken, ist es unsere Aufgabe, unser Gehirn für unsere Freiheit einzusetzen. Haben wir also einen freien Willen? Auf jeden Fall, sagt Julian Baggini, wir müssen ihn nur richtig verstehen und nutzen. Denn ein gutentwickelter freier Wille ist keine universelle Gabe von Geburt an, sondern eine Errungenschaft, die wir uns erarbeiten müssen. Die Frage nach dem freien Willen ist einer der größten Streitpunkte der Wissenschaften. Für Baggini handelt es sich dabei nicht um eine rein metaphysische Frage, sondern vor allem um ein Problem der Moral.

Auch wenn sich angesichts fortschreitender naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zeigt, in welchem Maße die Menschen beeinflusst und beeinflussbar sind, dürfen sie sich ihre Freiheit nicht nehmen lassen. In "Ich denke, also will ich" nähert sich Baggini diesen Fragen auf unterschiedlichen Wegen - über die Philosophie, die Soziologie, die Neuro- und Kognitionswissenschaften. Lebensnah und unterhaltsam beschreibt er das Konzept des freien Willens aus verschiedenen Perspektiven und lässt vom Künstler über den Kellner bis hin zum Psychopathen die unterschiedlichsten Figuren zu Wort kommen. Das Ergebnis ist ein gut lesbares, launiges Manifest, das den Zeitgeist trifft.

Der Brite Julian Baggini ist der Mitbegründer des "Philosophers´ Magazine". Er weiß also, worüber er schreibt - und lässt andere daran teilhaben. Mit "Ich denke, also will ich" bringt er interessierten Lesern diese Wissenschaft ein Stück weit näher. Es gelingt ihm, dass die Philosophie für die meisten von uns plötzlich kein Buch mit sieben Siegeln ist. Und das macht er auf überaus kurzweilige Art und Weise. Während der Lektüre vergisst man glatt, dass man keinen Roman liest, sondern ein Sachbuch mit echtem Wissensmehr- und ebenso hohen Unterhaltungswert. Nur den wenigsten gelänge solch ein großer Wurf. Was man hier in die Hand kriegt, ist der Geniestreich eines Meisters seines Fachs.

Julian Baggini ist quasi der Richard David Precht Großbritanniens. Er gehört zur ersten Liga der Philosophen von heute. "Ich denke, also will ich" steckt voller Informationen und noch mehr Dinge, die einen glatt umhauen. Und das Beste: Endlich ist die Philosophie kein Rätsel mehr. Nein, vielmehr ein äußerst netter Zeitvertreib.

Susann Fleischer
13.02.2017

 
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Das Buch:

Julian Baggini:
Ich denke, also will ich - Eine Philosophie des freien Willens. Aus dem Englischen von Elisabeth Liebl

Bild: Buchcover Julian Baggini, Ich denke, also will ich - Eine Philosophie des freien Willens

München: dtv 2016
272 S., € 20,00
ISBN: 978-3-423-28083-9

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