Biographie

Das junge (Ehe-)Glck des Kurt Tucholsky und der Mary Gerold

Der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky galt zeit seines Lebens als Mann, der den Frauen ?u?erst zugetan war. Zwei Ehen, mehrere Liebschaften und unz?hlige amour?se Gelegenheitsabenteuer pflastern seinen Lebensweg, der am 21. Dezember 1935 ein j?hes Ende fand. Auch wenn Tucholsky kein Kostver?chter war, so bedeutet dies l?ngst nicht, dass er nicht an die wahre Liebe glaubte. Dass er sie sogar gefunden hat, erf?hrt man in Fritz J. Raddatz? biografischer Momentaufnahme ?ber den Autor von "Schlo? Gripsholm" und dessen Schilderungen ?ber das Leben der Eheleute Mary Gerold und Kurt Tucholsky.

Es ist an einem kalten Novembertag des Jahres 1917, als Tucholsky in der Kassenverwaltung des Stabes von Alt-Autz der 19-j?hrigen Mary Gerold erstmals begegnet. Ein Blick in ihre Augen, und damit in die Tiefen ihrer Seele, und er entbrennt vor sehnsuchtsvoller Liebe zur Baltin. Er schickt ihr Blumen, Konfekt und auch so manches Gedicht, um sie f?r sich zu erobern. Lange bleibt Mary standhaft - wei? sie doch, dass dieser Mann Frauen als reines Zeitvergn?gen ansieht, aber wohl kaum als langlebige Wegbegleiter durch die H?hen und Tiefen des Lebens. Was folgt, ist ein jahrelanger Balztanz zweier Menschen, die weder mit- noch ohne einander k?nnen. Den H?hepunkt erf?hrt ihre Liebe am 30. August 1924, als sie gemeinsam vor dem Traualter treten und sich das Ja-Wort geben.

Was Mary zu diesem Zeitpunkt bereits ahnt: Es soll eine Ehe auf Distanz werden. Ein Zusammenleben findet nur selten statt, Kontakt besteht haupts?chlich aus h?ufigen Briefwechseln und auch das Umwerben seiner Angebeteten kommt im Laufe der ersten Wochen und Monate vollends zum Erliegen. Zu Marys Verdruss widmet sich ihr Gatte mit Freuden anderen Frauen, mit denen er Bett und Tisch teilt - zumindest mehr als mit seiner Angetrauten. Wenige Tage vor ihrem neunten Hochzeitstag werden die Tucholskys geschieden und begehen jene getrennten Pfade, die sie bereits w?hrend ihrer Ehejahre voneinander entfernten. Aber bis zu seinem Tod im Jahre 1935 spricht der Schriftsteller von seiner Frau als Liebe seines Lebens, die er mehr als einmal belogen und betrogen hat, aber stets in seinem tiefsten Herzen bewahrte.

Wenn jemand etwas ?ber Kurt Tucholsky zu erz?hlen wei?, dann wohl Fritz J. Raddatz. Als Vorsitzender der Kurt-Tucholsky-Stiftung und Herausgeber von Tucholskys Gesammelten Werken kennt niemand den viel zu jung verstorbenen deutschen Autor so gut wie er. Diesen Beweis tritt er nun auch mit "Kurt Tucholsky - Eine biografische Momentaufnahme" an, in dem Zeitzeugen mittels Tagebucheintr?gen und Briefen zu Wort kommen. Es ist beim Lesen beinahe so, als trete Raddatz in den Hintergrund, um Mary Gerold ihre pers?nliche Geschichte, die untrennbar mit Tucholskys Leben verbunden ist, erz?hlen zu lassen. Raddatz l?sst Fotografien, Gedichte und Zeitdokumente f?r sich sprechen und f?llt etwaige Leerstellen mit seinem Wissen ?ber das Damals und Gewesene.

Raddatz gelingen gleich zwei Hiebe auf einen Streich: Er macht Historie lebendig und den gro?en deutschen Ausnahmeschriftsteller Kurt Tucholsky zu einer greifbaren Person, die selbst 75 Jahre nach ihrem Tod jene Faszination ausstrahlt, die einst auch ihre Mitmenschen ergriff. Dieses Buch ist eine kleine Glanzleistung, die mit leisen T?nen und emotionalen Momenten aus dem Leben Kurt Tucholskys erz?hlt und den Leser so f?r sich einnimmt.

Susann Fleischer
04.10.2010

 
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Das Buch:

Fritz J. Raddatz: Kurt Tucholsky. Eine biografische Momentaufnahme

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Freiburg: Herder Verlag 2010
160 S., 12,95
ISBN: 978-3-451-06238-4

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