Buch des Monats Februar 2024

Zurck im Hochmittelalter

In der Mark Meißen herrscht helle Aufruhr. Markgraf Dietrich erreicht nach einem Jagdausflug nur unter großen Schmerzen die heimische Burg, Geistliche werden herbeigerufen, doch außer der letzten Salbung vermögen sie Dietrich nicht mehr zu helfen. Sein Sohn und Thronfolger Heinrich ist jedoch noch ein kleiner Junge und einige Jahre davon entfernt, die Regierungsgeschäfte seines verstorbenen Vaters zu übernehmen. Seiner Mutter Jutta obliegt nun die Aufgabe, die Mark und die Vormundschaft für ihren Sohn einem geeigneten Mann zu übertragen, da zu Beginn des 13. Jahrhunderts an allen Ecken und Enden die Feinde sehr genau beobachten, was in der Mark Meißen vor sich geht, und bereit sind, zuzuschlagen und sich das Territorium einzuverleiben.

Sabine Ebert ist seit vielen Jahre eine viel gerühmte Autorin historischer Romane. Ihr größter Erfolg war dabei sicherlich die "Hebammen-Saga". Ihrem im 12. Jahrhundert angesiedelten Debütroman "Das Geheimnis der Hebamme" ließ sie vier weitere Romane um die Heilerin Marthe folgen. Anschließend widmete sie sich Kaiser Barbarossa, um den herum sie ihr ebenfalls fünfteiliges Epos "Schwert und Krone" schuf. Nun hat sie sich leicht auf der Zeitachse nach vorne bewegt und ist in der Zeit Friedrichs II. angekommen, wo sie ihr Augenmerk auf Heinrich III., Markgraf von Meißen und der Lausitz, später dann auch Landgraf von Thüringen, richtet. Ob seines Edelmuts und seiner Liebe für die Künste wird Heinrich III. in der Geschichtsschreibung auch Heinrich der Erlauchte genannt.

Der Auftakt von Sabine Eberts neuer Reihe hat die Kinder- und Jugendjahre Heinrichs zum Inhalt. Der Grundstein seiner Regentschaft stand durchaus auf wackligen Füßen, da sich Heinrich nach dem Tode seines Vaters in latenter Lebensgefahr befand. Doch die klugen Entscheidungen seiner Mutter, die richtigen Männer um sich und Heinrich zu scharen, ließen ihm zum einen eine hervorragende Erziehung angedeihen und gaben ihm zum anderen den dringend benötigten Schutz. In "Der Silberbaum" spannt Sabine Ebert den zeitlichen Bogen vom Tode Dietrichs bis hin zu Heinrichs Vermählung mit Konstanze von Österreich im Jahre 1234.

Für die Kenner von Sabine Eberts historischen Romanen finden sich hier viele Anknüpfungspunkte, sowohl bei der inneren als auch der äußeren Form. Das vorliegende, sich über gut elf Stunden erstreckende Hörbuch wird von Gabriele Blum gelesen. Die Schauspielerin hatte bereits bei der Lesung der Hörbücher zu Eberts "Schwert und Krone" am Mikrofon gesessen. Der Bogen zur "Hebammen-Saga" wiederum ist inhaltlicher Natur, da Marthes zweiter Ehemann sowie ihre Kinder und Enkel in "Der Silberbaum" tragende Rollen spielen. Das Universum von Sabine Eberts historischen Romanen erfährt mit der neuen Reihe um Heinrich III. weitere passgenaue Bausteine.

Obgleich die Autorin offensichtlich großen Wert auf ausgefeilte Charaktere legt und sie dabei ihren Lesern und Hörern viele Personen beschert, die einem rasch ans Herz wachsen, besticht Ebert erneut durch ihr tiefes historisches Wissen. Wer sich die Mühe macht, parallel zum Genuss ihres neuesten Romans Personen und Epoche zu recherchieren, wird feststellen, dass "Der Silberbaum" ein wunderbarer Mix aus fiktiven Geschichten mit historischen Figuren und Gegebenheiten ist, die die damalige Zeit für jedermann erlebbar macht. Bei einem Blick auf Sabine Eberts bisheriges Opus und auf die 54 Jahre Restlebenszeit von Heinrich III. nach seiner Vermählung ist einem rasch klar, dass in diesem neuen Zyklus noch einige Romane folgen und begeistern werden.

Christoph Mahnel
05.02.2024

 
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Das Buch:

Sabine Ebert: Der Silberbaum - Die siebente Tugend

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Sprecherin: Gabriele Blum Berlin: Argon Verlag 2023 Spielzeit: 688 Min., 22,00 ISBN: 978-3-8398-2074-2

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