Buch des Monats April 2023

Eine junge Frau zwischen Liebe und Vernunft in Amsterdams Goldenem Zeitalter - das ist Historienkino par excellence

Amsterdam, 1705: Thea Brandt wächst wohlbehütet im Haus an der Herengracht auf. Ihre Mutter verstarb bei ihrer Geburt, seitdem kümmern sich ihre Tante Nella sowie Cornelia, die gute Seele des Haushaltes, mit ihrem Vater Otto um sie. Die Familie hat es in der Gesellschaft sehr schwer. Es lastet auf der Familie, dass Nellas Mann wegen Sodomie verurteilt wurde und inzwischen tot ist. Und dass Thea unehelich geboren und durch ihren Vater, einem ehemaligen Sklaven, dunklere Haut hat. Eine schwierige Zeit für Thea, die in ihrem goldenen Käfig zu ersticken droht. Thea ist gerade achtzehn geworden und will endlich tun und lassen, was sie will. Sie liebt das Theater und nach den Vorstellungen besucht sie heimlich ihren Geliebten Walter, den Kulissenmaler der Schouwburg.

Doch als Tochter einer verarmten Kaufmannsfamilie, die nach und nach ihren Hausrat verkaufen muss, um sich über Wasser zu halten, wird von Thea erwartet, "eine gute Partie" zu machen. Auf einem Ball stellt ihre Tante ihr Jacob van Loos vor, einen wohlhabenden Sohn aus gutem Hause und Advocat von Beruf. Eine Heirat mit ihm würde Thea nicht nur vor einem Leben in Armut bewahren, sondern ihr und ihrer Familie auch einen Platz in der feinen Gesellschaft sichern, der ihr bislang verwehrt war. Thea muss sich entscheiden: Rettet sie ihre Familie - oder folgt sie ihrem Herzen? Träumt sie doch schon länger von einem aufregenden Leben in Paris oder London. Da lässt sich Thea auf eine Nacht mit Walter ein, mit ungeahnten, dramatischen Folgen für ihre Zukunft ...

Historische Unterhaltung, von der einem ganz schwindelig wird - was Jessie Burton schreibt, gehört zu den absoluten Lektürehighlights. Mit "Das Haus an der Herengracht" gelingt der Bestsellerautorin Literatur mit enormer Suchtwirkung. Kaum aufgeschlagen, fesselt die Story einen so sehr, dass man von der Welt um sich herum nichts mehr mitbekommt. Auch weil das Erzähltalent der Britin so außergewöhnlich, außerdem herausragend gut ist. Dieses zieht einen vollkommen in den Bann. Ob solch eines Genusses möchte man partout nichts anderes mehr lesen. Burtonnist nämlich eine Schriftstellerin ohnegleichen. Und ihre Romane bedeuten ein Historienerlebnis, das das meiste andere im Bücherregal glatt in den Schatten stellt. Einfach nur grandios!

Eine Lektüre wie die von Jessie Burtons Büchern hat Seltenheit auf dem internationalen Literaturmarkt. Denn was man mit diesen in die Hände bekommt, ist Historienkino par excellence, zudem Schreibkunst auf höchstem Niveau. "Das Haus an der Herengracht" auch nur für einen Augenblick wegzulegen, ist schier unmöglich. Das ist definitiv zum Niederknien!

Susann Fleischer 
03.04.2023

 
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Das Buch:

Jessie Burton: Das Haus an der Herengracht. Aus dem Englischen von Peter Knecht

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Berlin: Insel Verlag 2023 400 S., 18,00 ISBN: 978-3-458-68263-9

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