Krimis & Thriller
Raben in seinem letzten Fall, so genial wie nie zuvor
Berlin, Zweiter Weltkrieg: Bomben erschüttern die Hauptstadt, und das Reich versinkt im Chaos. Als der Rüstungsindustrielle Josef Engel während eines Luftangriffs von einem Lastwagen überrollt wird, glaubt Kriminalhauptkommissar Karl Raben nicht an einen Unfall. Gemeinsam mit seinem Kollegen Georg Lichtigkeit folgt er einer Spur, die sie mit dem deutschen Widerstand und der Roten Kapelle verstrickt. Denn offenbar war Engel nicht der, für den er sich ausgab. Er glaubte nicht an die Ideale der Nazis, dafür aber an Menschlichkeit. Womöglich war Engel ein Spion?!? Zumindest hatte er eine Affäre mit seiner Sekretärin, für die er seine Frau verlassen wollte. Kurzum: Es gibt zahlreiche Tatverdächtige, aber es fehlen Beweise. Raben sucht verzweifelt nach der Nadel im Heuhaufen, bis ein weiterer Fall ihn in Anspruch nimmt.
Während die alte Ordnung zusammenbricht, sucht Raben weiter nach dem letzten lebenden Mörder des KPD-Redakteurs Kurt Esser. Die Gestapo ist ihm längst auf den Fersen. Die Schlinge um Rabens Hals zieht sich langsam, aber sicher immer enger. Aber noch gibt es Hoffnung. Der Russlandfeldzug Hitlers wird zu einer Katastrophe, in der Normandie landen über eine Million Soldaten der alliierten Streitkräfte und ein Vierfach-Mord erfordert Rabens Aufmerksamkeit. Der Täter ist schnell ermittelt: kein Geringerer als Wilhelm Vetter, auf den es Raben schon länger abgesehen hat. Dann ändert sich für den Kommissar das Blatt: Sein ärgster Gegner in der Kripo will ihn ans Leder, um jeden Preis. Als die Rote Armee vor den Toren Berlins steht und Rabens jüdische Frau Lena in höchster Gefahr schwebt, wird aus der Mörderjagd ein Kampf ums Überleben ...
Spannung, die einen fesselt wie kaum etwas anderes im Bücherregal - ohne Christian v. Ditfurth und vor allem ohne seine Romane wäre die (deutsche) Krimiliteratur längst nicht so aufregend und damit entdeckenswert. Kaum "Sturz in die Hölle" aufgeschlagen, vergisst man glatt zu atmen. Nicht nur, weil die Ermittlungsarbeit von Karl Raben so unschlagbar-genialst ist, sondern die Story immer wieder unerwartete Wendungen nimmt. Man fiebert mit den Protagonisten mit und glaubt sich auf jeder Seite mitten im nationalsozialistischen Berlin, während die Bomben fallen. Eben Historienkino zum direkt Miterleben! Auch wenn diese Reihe mit diesem Band zu Ende geht, folgen hoffentlich noch viel, viel mehr Romane aus v. Ditfurths Feder. Denn jeder dieser bedeutet ein Genuss par excellence. Und davon kriegt man partout nicht genug!
Was Kriminalkommissar Gereon Rath im Berlin der 1920er Jahre ist, ist Karl Raben kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs: nämlich ein Ermittler mit Kultpotenzial. Autor Christian v. Ditfurth hat mit ihm einen Protagonisten mit Ecken und Kanten erschaffen, mit dem so mancher Leser sich garantiert identifizieren wird. Doch nicht nur allein deshalb lohnt sich die Lektüre von "Sturz in die Hölle" mit jedem Satz. Mit dieser erfährt man Crime-Time par excellence, zugleich ein Stück Zeitgeschichte, literarisch auf höchstem Niveau aufgearbeitet. Ähnliches gelänge nur den wenigsten Schriftstellern. Aber dem gebürtigen Würzburger mit spielend leichter Hand, gar fulminant!
Susann Fleischer
02.11.2026
