Krimis & Thriller
Jäger des verlorenen Buches
Als die Studentin Sharyn Karr von einem Professor in der Old Library der University of Exeter ein altes Buch erhält, ahnt sie noch nicht, dass das der Auftakt eines gefährlichen Abenteuers ist. Angeblich stammt der Band aus der Feder des rätselhaften Grafen von St. Germain und soll den Weg zu wertvollen Schätzen weisen. Bald werden sowohl das Buch als auch Sharyn selbst das Ziel von Geheimgesellschaften, wobei sich einige ihrer Mitglieder als skrupellos erweisen. Allein hat sie keine Chance zu entkommen. Gut, dass ihr gleich mehrere Verbündete zur Seite stehen. Doch kann Sharyn ihnen wirklich trauen?
James Rollins ist für actionreiche Thriller bekannt und "Der 13. Hüter" bildet hier keine Ausnahme. Der Autor verschmilzt in seinem Buch gekonnt Historie mit Fiktion. Dazu nutzt er die reale, von zahlreichen Mythen umrankte Figur des Grafen von St. Germain und dessen - von Rollins erdachtes - Buch als Anlass für eine abwechslungsreiche Hatz durch Europa. Diese Jagd ist über weite Strecken ideenreich und spannend gestaltet, zumal die Protagonisten sich immer neuen Bedrohungen gegenübersehen und laufend nach einem Maulwurf in ihren Reihen Ausschau halten müssen.
Außerdem hat Rollins einige Überraschungen für seine Leserschaft parat. Für Abwechslung sorgen Perspektivwechsel, die sich auch auf einen der Antagonisten erstrecken. Dessen Motivation gestaltet der Autor durchaus glaubhaft und verweist dabei implizit auf Überzeugungen, die bei einigen realen Superreichen gerade en vogue sind. Höhepunkt des Romans ist die ziemlich gewalttätige Konfrontation zwischen den verschiedenen Parteien in einer Gebirgslandschaft. Rollins lässt hier die einzelnen Kapitel kurz und knackig aufeinanderfolgen und seinen Thriller spätestens hier zu einem echten Pageturner avancieren.
Der Autor bemüht sich in seinem Werk sichtlich um Glaubwürdigkeit. Das gelingt ihm auch über weite Strecken - wobei er am Ende noch in einer Art Nachwort verdeutlicht, wie dicht er sich bei einzelnen Aspekten an der Realität orientiert hat. Allerdings sind einzelne Elemente dennoch nicht ganz plausibel. Das gilt etwa für Bergsilhouetten, die sich auch nach Jahrhunderten nicht verändert haben sollen, oder Studierende, die in Auseinandersetzungen erfahrene Söldner düpieren. Zudem ist nach der spannend inszenierten Auseinandersetzung in den Bergen etwas die Luft raus. Der Roman plätschert dann jedoch noch mehrere Kapitel dahin.
"Der 13. Hüter" ist eine gute Wahl für Leserinnen und Leser, die sich bei Dan Browns Romanen etwas mehr Action wünschen und angesichts eines spannenden und insgesamt stimmig komponierten Mystery-Plots über kleinere Unplausibilitäten hinwegsehen können.
Ingo Gatzer
12.10.2026
