Hörbücher

Anrührend, tieftraurig und zum Brüllen komisch - kurzum: ein Highlight für die Ohren, fast schon ein Geniestreich

Die Kindheit auf dem Gelände einer Psychiatrie und das Austauschjahr in Amerika liegen hinter ihm, die Schulzeit hat er überstanden, als vor dem Antritt des Zivildienstes das Unerwartete geschieht: Joachim wird auf einer Schauspielschule in München angenommen und zieht zu seinen Großeltern Inge und Hermann in die großbürgerliche Villa in Nymphenburg. Plötzlich soll der junge Mann in die übergroßen Fußstapfen seiner Oma treten, die dem Fernsehpublikum aus diversen "Derrick"- und "Der Alte"-Folgen bekannt ist. Ehe Joachim sich's versieht, wird er zum Wanderer zwischen den Welten. Seine Großmutter ist eine schillernde Diva, sein Großvater ist emeritierter Philosophieprofessor, eine strenge und ehrwürdige Erscheinung. Joachim bringt den beiden tiefste Zuneigung entgegen; selbst wenn diese ihn oftmals an seine Grenzen bringen.

Die Tage von Inge Birkmann, Hermann Krings und Joachim Meyerhoff sind durch abenteuerliche Rituale strukturiert, bei denen Alkohol eine wesentliche Rolle spielt. Tagsüber wird Joachim an der Schauspielschule systematisch in seine Einzelteile zerlegt, abends ertränkt er seine Verwirrung auf dem opulenten Sofa in Rotwein und anderen Getränken. Warum sollte man auch nicht, wenn man als Nilpferd auf den Brettern, die die Welt bedeuten, Klassiker-Monologe rezitieren soll. Aus dem Kontrast zwischen großelterlichem Irrsinn und ausbildungsbedingtem Ich-Zerfall entstehen die den Erzähler völlig überfordernden Ereignisse - und gleichzeitig entgeht ihm nicht, dass auch die Großeltern gegen eine große Leere ankämpfen, während er auf der Bühne sein Innerstes nach außen kehren soll und dabei oft grandios versagt ...

Literatur, die einer Laus auf der Leber keinerlei Chance lässt - die (Hör-)Bücher von Joachim Meyerhoff sollte es unbedingt auf Rezept geben. Denn es gibt kaum ein besseres Antidepressivum (zumindest im CD-Player) als "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke". Der Livelesung zu lauschen, sorgt bei einem für seltenst beste Laune über viele, viele Stunden, gar Tage und Wochen lang. Diese ist Dopamin, Serotonin, Endorphine, Oxytocin und Noradrenalin auf zwei mp3-CDs. Oder anders: Glücksgefühle, von denen man sich ganz berauscht fühlt, regelrecht high wie sonst nur noch von Drogen. Dem deutschen Autor ist mit dieser Geschichte amüsante Unterhaltung mit Tiefgang gelungen und damit die perfekte Mischung aus Humor und Ernst. Ein überaus schwieriges Unterfangen, das Meyerhoff meistert wie kaum ein anderer seiner Zunft!

Beim Lauschen von Joachim Meyerhoffs "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" erwischt man sich immer wieder dabei, wie man (auch in der Öffentlichkeit) aus vollem Hals lacht. Während der zwölf Stunden Laufzeit amüsiert man sich aufs Herrlichste, sodass man nach dem Schlusspunkt einen ziemlich schlimmen Muskelkater hat. Dass Meyerhoff, seines Zeichens Schauspieler, unter anderem am Wiener Burgtheater und an die Berliner Schaubühne, den dritten Teil seiner autobiografischen Romanreihe persönlich "eingesprochen" hat, ist das berühmte Tüpfelchen auf dem i. Grandiosere Belletristik findet man weder im CD- noch im Bücherregal!

Susann Fleischer 
21.09.2026

 

Das Buch:

Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

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Sprecher: Joachim Meyerhoff München: Random House Audio 2026 Spielzeit: 720 Min., € 24,99 ISBN: 978-3-7599-0518-5

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