Hörbücher

Drei Generationen Frauen in patriarchalen Strukturen

Rosa wächst im ländlichen Sizilien zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Ihre Mutter stirbt früh und Rosa sieht sich fortan mit der Macht und Stärke - teils auch brutaler Art - ihres Vaters und ihrer Brüder konfrontiert. Im Rahmen des ihr Möglichen versucht sie, sich dagegen zu wehren, doch ihr bleibt letztendlich nur die Flucht aus dieser Familie. Als sie Sebastiano Quaranta kennen und lieben lernt, ergreift sie die Gelegenheit und verlässt mit ihm ihr Dorf und ihre Familie und eröffnet einen Gasthof, der schon bald zum Zentrum ihrer wachsenden Familie und der Bewohner des Orts wird.

Rosa und Sebastiano bekommen drei Kinder: Fernando, Donato und Selma. Selma besitzt ein Talent fürs Nähen und Sticken, doch macht sie daraus keine Karriere, sondern heiratet einen Mann, den Rosa für einen Nichtsnutz hält. Seine Beteiligung an den Arbeiten rund um den Gasthof beschränkt sich auf die Unterhaltung der Gäste. Selma bekommt mit ihm drei Töchter: Patrizia, eine Kämpferin, Lavinia, die fürs Kino lebt, und das Nesthäkchen Marinella. Als Selma, die sich immer für ihre Familie aufopfert hat, krank wird und stirbt, ist Marinella noch ein Kind. Ihre beiden größeren Schwestern, vor allem Patrizia, übernehmen die Mutterrolle, auch wenn sie beide selbst noch dabei sind, ihren Platz im Leben und in den patriarchalen Strukturen Mitte des 20. Jahrhunderts zu finden.

Die Drehbuchautorin und Werbetexterin Aurora Tamigio hat mit "Der Mädchenname" ihren Debütroman vorgelegt und damit ihn ihrer Heimat Italien bereits für Begeisterung und Rekordverkaufszahlen sorgen können. Der Roman lebt von seinen Frauenfiguren, die nicht alle unbedingt stark im heutigen feministischen Sinne sind, die aber lernen, in einer patriarchalen Welt zu überleben - jede auf ihre Weise. Obwohl die vielen Jahrzehnte, die der Roman abdeckt, nur anhand von Schlaglichtern bzw. Episoden aus dem Leben all dieser Frauen erzählt werden kann, hat man das Gefühl, man kennt die Figuren in- und auswendig und verpasst nichts in ihrem Leben.

Die Schauspielerin und Sprecherin Judith Toth hat das zugehörige Hörbuch eingesprochen und interpretiert. Sie hat den Frauen, aus deren Sicht "Der Mädchenname" stets erzählt wird, auf unterschiedliche Weise ihre Stimme geliehen und damit ihren Charakter aufs Beste hervorgebracht.

Aurora Tamigios "Der Mädchenname" ist ein Roman, der lange nachhallt. Im Kopf des Hörers schwirren die Charaktere mit ihrer jeweils ganz eigenen Geschichte noch lange nach dem Ende des Hörbuchs herum. Ganz zu Recht ist dieser Debütroman in seiner Heimat bereits so erfolgreich gewesen. Bleibt abzuwarten, was Aurora Tamigio nachlegen kann nach so einem fulminanten Debüt als Romanautorin.

Sabine Mahnel 
24.11.2025

 

Das Buch:

Aurora Tamigio: Der Mädchenname. Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki

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Sprecher: Judith Toth München: Der Hörverlag 2025 Spielzeit: 980 Min., € 29,95 ISBN: 978-3-8445-5392-5

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