Romane
Ein Romandebüt, dem man eine breite Leserschaft wünscht
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Vor seiner Pensionierung war der Autor Hartmut König u.a. als wissenschaftlicher Assistent für Schulpädagogik an der Universität Göttingen tätig. Neben der Arbeit als Lehrer und Schulleiter war er schwerpunktmäßig mit der Lehrerausbildung in der zweiten Phase (Studienseminar) befasst. - Seine beruflichen Stationen und sein ausgeprägtes Interesse an Musik, Theater, Kunst, Literatur mit breitem Hintergrundwissen spielen in unterschiedlicher Intensität eine wichtige Rolle in "Im wechselnden Glück der Zeiten". Schon diese autobiographischen Hintergründe machen das Buch zu einer sehr lesenswerten Lektüre.
Der Roman erzählt die ungewöhnliche Liebesgeschichte eines jungen Paares, das sich an einer Schauspielschule kennenlernt. Die Protagonisten Grand und Manon tragen unterschiedliche Familiengeschichten mit sich, die ihr Leben stark beeinflussen und die im Roman an verschiedenen Stellen auftauchen. Nach einer kurzen, aber intensiven Liebesbeziehung verschwindet Grand unerwartet aus Manons Leben.
Jeder geht seine eigenen Wege: Grand studiert Lehramt und unterrichtet nach dem Referendariat mit Zeitverträgen an verschiedenen Schulen; nach etlichen Jahren gibt Grand den Lehrerberuf auf. Nach seiner Lehrerzeit ist Grand u.a. als Reiseleiter für Kunst - und Musikliebhaber in unterschiedlichen Städten tätig (u.a. in Wien, Mailand, Venedig). - Zudem "begegnet" er sich in mehreren Episoden fiktiv als erfolgreicher Autor eines Bildungsromans. - Grand erscheint insgesamt als Mann mit fast zu vielen Eigenschaften.
Manon wechselt nach ihrer Ausbildung zur Schauspielerin ins klassische Gesangsfach. Sie wird eine überaus erfolgreiche, viel nachgefragte Opernsängerin an verschiedenen Opernhäusern. Immer auf Reisen, wechselt sie über die Jahre von einem Engagement ins andere, nimmt in Corona-Zeiten Lehraufträge wahr, unterrichtet im Homeoffice Gesangsstudierende. - Als Leser verfolgt man die abwechslungsreichen und ausführlich geschilderten Lebensläufe der beiden mit wachsender Spannung. - Auf magische Weise bleiben beide Protagonisten "im wechselnden Glück der Zeiten" miteinander verbunden - bis zum offenen Schluss des Romans.
Der Autor lässt uns als Lesende intensiv teilnehmen an einer Reihe schicksalhafter Begegnungen. Die großen und kleinen Katastrophen des Lebens gehören ebenso dazu wie die darin eingeschlossenen z.T. traumhaften Zustände der Liebe und Erfahrungen in ihrer Flüchtigkeit.
Ein besonderer Reiz des Romans liegt auch in den vielen Orts - und Landschaftsbeschreibungen; sie sind beeindruckend kenntnis- und detailreich; die subtilen Charakterisierungen der Personen sind bemerkenswert einfühlsam, z.T. minutiös nachvollziehbar. Die häufigen Szenen- und Ortswechsel innerhalb einzelner Episoden verlangen den Lesenden allerdings Einiges an Konzentration und Aufmerksamkeit ab. Die scheinbare Sprunghaftigkeit des Erzählens entspricht offenbar zum Teil dem assoziativen Denken des Erzählers des Romans.
Königs Schreibstil ist sprachlich ansprechend, anspruchsvoll und bilderreich. Ein besonderes Merkmal besteht darin, dass manche Episoden bewusst in der Schwebe zwischen Traum und Realität gehalten werden. Dem Lektorat hätte man z.T. eine glücklichere Hand gewünscht. So hätte ein Inhaltverzeichnis der Zwischenüberschriften mit dazu gehörigen Seitenangaben es den Lesenden erleichtert, sich in dem Handlungsaufbau und der Abfolge zu orientieren. Auch punktuelle Straffungen wären sicher denkbar und an manchen Stellen auch wünschenswert gewesen.
Insgesamt hat der Autor mit seinem Romandebüt ein außergewöhnliches Buch vorgelegt, dem eine breite Leserschaft zu wünschen ist.
Gerd Bronsema
22.09.2025
