Hrbcher

Vom Goldenen Zeitalter der Radiohrspiele

Paul Temple und Paul Cox, so hie?en die Helden der Radioh?rspiele in den F?nfziger und Sechziger Jahren. Dar?ber hinaus faszinierten die F?lle von Francis Durbridge die Menschen sowohl vor den Fernseh- als auch vor den Radioger?ten. Jetzt finden diese Herren alle wieder zusammen in den Krimi-Kult-Kisten des H?rverlags. Alte Klassiker des Radioh?rspiels, meist drei an der Zahl, bilden eine H?rbuch-Box, deren nostalgisches Flair durch die Schattenmotive auf der Papph?lle gelungen transportiert wird. Mittlerweile sind schon sieben dieser Kult-Kisten erschienen, ein Ende ist ob des gro?en Erfolges nicht abzusehen. 

In eben jener siebten Krimi-Kult-Kiste finden sich knappe 14 Stunden bester H?rspiel-Unterhaltung aus einer Zeit, in der die Menschen noch den w?chentlichen ?bertragungen ihrer Lieblingssendung vor dem Transistorradio entgegengefiebert haben. Gleich zwei Philip-Odell-Krimis sind in der vorliegenden Box enthalten, zwei der sogenannten "Dame"-Krimis aus der Feder von Lester Powell. Des Weiteren meldet sich der gef?hrlichste Mann aus dem Chicago der Zwanziger Jahre zur?ck: Dickie Dick Dickens, der "Siegfried der amerikanischen Unterwelt". 

In "Neues von Dickie Dick Dickens" findet sich der gelernte Taschendieb zun?chst allerdings im Chicagoer Gef?ngnis wieder. Er war keineswegs f?r einen seiner r?uberischen Beutez?ge gefasst worden, sondern vielmehr aufgrund des Vorwurfes der Bigamie verhaftet worden. Nachdem er n?mlich die Identit?t eines gewissen Mr. Poltinbrook angenommen und kurze Zeit sp?ter seine Geliebte Effi Marconi geheiratet hatte, war ihm die Tatsache zum Verh?ngnis geworden, dass jener Poltinbrook bereits verheiratet war, und zwar mit Maggie Poltinbrook, dem einzigen weiblichen Walfangkapit?n der Welt. Ja, eine gewisse Absurdit?t und Skurrilit?t kann man den Geschichten rund um Dickie Dick Dickens nicht absprechen. 

Insgesamt dreizehn zusammenh?ngende Episoden berichten von Dickies Flucht aus dem Gef?ngnis, aus den Klauen seiner angeblichen Ehefrau und aus dem Fadenkreuz einiger Gaunerkollegen aus der Chicagoer Unterwelt. Dickie l?st seine Probleme stets mit einer ordentlichen Portion Charme und h?lt damit ganz klar die Trumpfkarte gegen?ber seinen Gegenspielern in der Hand. Die jeweils 30-min?tigen Folgen rund um Dickie Dick Dickens bestechen durch ihren zuvorderst humoristischen Ansatz, ?hnlich wie die Episoden aus der Erfolgsserie "Gestatten, mein Name ist Cox", die ebenfalls aus der Feder von Rolf und Alexandra Becker stammt. 

Ungleich ernsthafer geht es in den beiden Philip-Odell-Krimis zu: In "Die vielgeliebte Dame" wird der Londoner Privatermittler zusammen mit seiner Partnerin Heather McMara zur Aufkl?rung einer Sabotageserie in einem Forschungslabor hinzugezogen. Kurz nach der Ankunft der beiden geschehen zwei Morde an Labormitarbeitern. Kandidaten f?r die T?terschaft gibt es reichlich, fast jeder k?nnte ein valides Motiv haben. Philip Odell nimmt sich die Verd?chtigen allesamt zur Brust, allzu gerne auch die h?bsche Statistikerin Barbara, deren Beliebtheit in der M?nnerwelt namensgebend f?r das H?rspiel war. 

In "Die Dame ist leichtfertig" ermittelt Philip Odell sogar fernab der englischen Heimat. Im Zuge seiner Nachforschungen um ein verschollenes Fotomodell ger?t er in die F?nge undurchsichtiger Schurken und schlie?lich bis nach Paris. Auch hier mag man nicht glauben, wie einen die verstaubten Aufnahmen jahrzehntealter H?rspiele in Bann versetzen k?nnen. Sp?testens wenn Philip Odell seine neueste Episode mit den Worten "Hier ist Ihr Funk-Krimi!" ank?ndigt, erliegt der H?rer einfach dem nostalgischen Charme dieser liebevoll inszenierten Produktionen. 

Obgleich bei den Philip-Odell-Krimis im Gegensatz zu den Geschichten um "Dickie Dick Dickens" die eigentlichen Kriminalf?lle im Mittelpunkt stehen, sind die Chicagoer Ganoven-Klamotten das uneingeschr?nkte Highlight der vorliegenden H?rbuch-Box. Man kommt einfach nicht aus dem Schmunzeln heraus, wenn Dickie es wieder einmal gelingt, dank seiner Eloquenz und seines Scharfsinns aus der Patsche herauszukommen. Die Sprache seiner Zeit ist einfach nur begeisternd, vor allem wenn "seine Laune wieder einmal einer sprudelnden Sodawasserflasche gleicht". Dickie Dick Dickens war schlie?lich zu einer Zeit auf dem H?hepunkt seiner Popularit?t, als die h?bschen Beine einer Frau gerne auch mit denen aus der "Strumpfreklame" verglichen wurden. 

So kommen auf den knapp sieben Stunden in "Neues von Dickie Dick Dickens" mehr als f?nfzig Sprecher zu Wort. Darunter finden sich einige Stimmen, die einem wohlvertraut erscheinen. Ein Blick ins ausf?hrliche Booklet bringt dann Namen wie Carl-Heinz Schroth, Klaus Havenstein oder Dieter Hildebrandt zutage. Ganz markant ist insbesondere die Stimme von "Opa Crackle", einem von Dickies Kompanions. Mit Erik Jelde ist dies schlie?lich auch kein geringerer als der Sprecher vom Alm-?hi, dem Gro?vater von "Heidi", oder des Piraten Messer-Jocke aus der "Pippi Langstrumpf"-Verfilmung. 

Die "Krimi-Kult-Kiste" ist nicht nur ein Jungbrunnen f?r diejenigen H?rspielfreunde, die einst als Kinder und Jugendliche in Ermangelung einer sonstigen Unterhaltung vor den Radioger?ten klebten, sondern auch eine Fundgrube f?r den Liebhaber anspruchsvoller H?rspielproduktionen, die gerade in einer Zeit der Massenproduktionen aus eben dieser Masse als kleine Sch?tze herausragen. Mit Nummer Sieben ist bez?glich der Krimi-Kult-Kisten daher garantiert noch lange nicht Schluss! 

Christoph Mahnel 
04.10.2011

 
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Das Buch:

Rolf A. Becker, Lester Powell: Krimi Kult Kiste 7 - Neues von Dickie Dick Dickens / Die Dame ist leichtfertig / Die vielgeliebte Dame

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Sprecher: Carl-Heinz Schroth, Marlies Schnau, Albert-Carl Weiland u.v.a.
Mnchen: Der Hrverlag 2011
Spielzeit: 837 Min., 29,99
ISBN: 978-3-86717-755-9

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