Hörbücher

Die wahre Geschichte von Shakespeares "Romeo und Julia"

William Shakespeares Drama "Romeo und Julia" gilt als einer der Stoffe, aus dem Tragödien gemacht sind. Es gibt wohl kaum noch jemanden, der nicht von der Liebe zwischen Julia Capulet und Romeo Montague gehört, mit ihnen gefühlt und mit der großen Tragik ihres Schicksals gehadert hat. Als 1996 Baz Luhrmann die Liebesgeschichte mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes verfilmte, erreichte das Theaterstück auch über die Klassenzimmer hinaus die junge Generation. Ein großartiger Schachzug. Ein ähnliches Meisterstück ist nun auch der dänischen Autorin mit ihrem Romandebüt "Julia" gelungen. Und ihr gelingt, woran andere verzweifeln: Sie verbindet mit einer einzigartigen (Liebes-)Geschichte Tragik und Gefühl, Spannung und Tempo.

Die junge Amerikanerin Julia hangelt sich ziemlich holprig durch das Leben und arbeitet gerade in einem Ferienlager, als sie eine schreckliche Nachricht ereilt: Ihre Tante Rose ist verstorben. Vor langer Zeit wurden Julia und ihre Zwillingsschwester von ihr aufgenommen, nachdem die Mutter bei einem Autounfall gestorben ist. Nun bekommt Julia als Erbe ein kleines Kästchen, in dem sich unter anderem ein Tagebuch und ein Brief befunden. Es ist die längst vergessene Urfassung des Romeo-und-Julia-Stoffes - der größten Liebesgeschichte der Welt, die von den verfeindeten Familien Tolomei und Salimbeni in Siena handelt. Julia beschließt, in die Toskana zu fahren und dort dem Geheimnis ihres Erbes nachzuspüren.

In Italien angekommen, erfährt Julia die wahre Geschichte ihrer Familie: Sie ist die Nachfahrin von Shakespeares tragischer Heldin und heißt eigentlich Giulietta Tolomei. Bis heute liegt ein Fluch auf den Familien - und damit auch auf Julia und ihrer Zwillingsschwester. Im Laufe ihrer Nachforschungen begibt sich die Amerikanerin immer tiefer in die Vergangenheit der Tolomeis und Salimbenis und gerät dabei in einen Strudel aus Liebe, Hass und Intrigen. Im Laufe ihrer Ermittlungen bringt sie sich und das Erbe ihrer Familie in große Gefahr, denn Julia ist nicht die Einzige, die hinter das Geheimnis der jahrhundertenalten Fehde zwischen den Tolomeis und Salimbenis kommen möchte.

Die Liebe von Julia zu ihrem Romeo hat schon viele Schriftsteller zu großartigen Werken inspiriert, aber keines kam in seiner Tragik, Emotionalität und beispielloser Poesie näher an den Altmeister William Shakespeare heran wie Anne Fortier mit ihrem Debütroman "Julia". Statt die Geschichte in eine längst vergangene Zeit spielen zu lassen, versetzt Fortier die Romanze in die Gegenwart und fügt ihr so eine moderne Komponente dazu, mit der sich jede Generation identifizieren kann. Der Charme, der das Sprecherduo Felicitas Woll und Ken Duken ausstrahlt und damit den Leser ab der ersten Spielminute gefangen nimmt, kann man sich auch nach 546 Minuten Hörgenuss nicht entziehen und reißt jeden in jenen Strudel hinein, dem auch die Protagonistin ausgeliefert ist. Anne Fortiers "Julia" ist großes Kino für die Ohren - brillant vorgetragen von Felicitas Woll und Ken Duken, dem neuen Traumpaar am Mikrofon.

Susann Fleischer
07.06.2010

 
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Das Buch:

Anne Fortier:
Julia. Aus dem Amerikanischen von Birgit Moosmüller

Bild: Cover Anne Fortier, Julia

Sprecher: Felicitas Woll, Ken Duken
München: Der Hörverlag 2010
Spielzeit: 546 Min., € 24,95
ISBN: 978-3-86717-541-8

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