Romane

Amsanter als der neue Heijden kann Literatur kaum sein

Knallgelb ist das Staubtuch, das Tante Tiny stets mit sich führt, um es bei Bedarf blitzschnell und ungeniert zu zücken - gern auch, wenn sie bei anderen zu Gast ist. "Tientje Putz" nennt man sie in der Familie, vorsichtshalber jedoch nur hinter ihrem Rücken. Denn so weich ihr Staubtuch ist, so scharf und verletzend kann ihre Zunge sein, mit der sie über Leichen geht. Ihr Neffe Albert verfolgt das Treiben seiner jungen, attraktiven Tante aus nächster Nähe, befremdet und gleichzeitig fasziniert. Er ist der Voyeur von Tante Tinys Leben. Und zu beobachten gibt es eine ganze Menge, wie zum Beispiel die Männer, die Tiny mit ihrem frechen Mundwerk immer wieder zu verjagen weiß. Dabei sehnt sich die junge Frau nur nach Liebe.

Doch Tinys Eltern wollen ihre Tochter frühestens mit zwanzig Jahren verheiratet sehen. Sie lassen nichts unversucht, jede Verlobung von Tiny zu zerstören - stets mit Erfolg. Albert erweist sich als begnadeter "Spion" seiner Tante. Selbst das kleinste Detail entgeht ihm nicht. So vergehen die Jahre. Die Familie macht mehr Tiefen als Höhen durch und droht schließlich, als Albert längst erwachsen ist, auseinanderzubrechen. Es geht um Schuld und um ein Ereignis, das lange in der Vergangenheit liegt, aber bislang immer unter Verschluss gehalten wurde. Albert erfährt, was Tiny antreibt, was in stillschweigender familiärer Übereinkunft geheim gehalten wird. Seine Entdeckung ändert plötzlich alles ...

A. F. Th. van der Heijden ist ein wahrer Sprachvirtuose, definitiv ein brillantes Autorengenie. Seine Romane sind ein einziger Leserausch. Diese bedeuten allesamt und sonders ein unvergleichliches Literaturerlebnis. "Das Biest" zeugt von hoher Erzählkunst, von funkelnder Poesie. Und außerdem besitzt die Story eine enorme Sogwirkung. Man kann sich der partout nicht entziehen. Was man hier in die Hand kriegt, ist ein Juwel, das selbst die Werke eines Peter Handke zu überstrahlen vermag. Der niederländische Schriftsteller sorgt für Lesebegeisterung für viele, viele Stunden. Die Geschichten aus seiner Feder stecken voller Emotionen, bittersüßem Wortwitz und unbändiger Fabulierlust - kurzum: voller Unterhaltung der betörend schönsten Sorte.

Grandios! Definitiv eines der großen Highlights dieses Bücherherbstes - genau das ist "Das Biest" aus A. F. Th. van der Heijdens Feder. Während der Lektüre kommt so etwas wie Langeweile garantiert nicht auf. Denn diese Geschichte ist die reinste Wundertüte. Auf jeder Seite wartet auf den Leser eine Überraschung, eine genialer als die vorherige. Dank van der Heijden amüsiert man sich stets köstlich!

Susann Fleischer
17.10.2016

 
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Das Buch:

A. F. Th. van der Heijden: Das Biest. Aus dem Niederlndischen von Helga van Beuningen

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Berlin: Suhrkamp Verlag 2016
303 S., 24,00
ISBN: 978-3-518-42555-8

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